Blaues Ländchen – Landschaft um Karthaus, deren Name von den blauen Seen, den Flachsfeldern und den vielen Glockenblumen und blauen Lupinien, die der Landschaft einen blauen Schimmer geben, abgeleitet wird.

Lit.: Der Westpreuße, 6. Jg., 1954, Nr. 14/15, S. 23.
WAZ 081023  Hk                                       Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Czersk / Heiderode, Kreis Konitz, Reg.-Bez. Danzig – Das Dorf erhält 1382 eine Handfeste und kommt 1772 zur preußischen Provinz Westpreußen. Mit der Errichtung eines Sägewerkes und einer Mahlmühle 1880 beginnt der Aufstieg vor allem zum Zentrum der holzverarbeitenden Industrie in der Tucheler Heide. Anschluss an das Eisenbahnnetz 1873 (Ostbahn, Abschnitt Schneidemühl – Konitz – Dirschau). Die Anschlussstrecke von Czersk in Richtung Graudenz nach Laskowitz wird 1910 eingerichtet. Czersk kommt 1920 an die neugebildete Republik Polen und erhält 1926 Stadtrechte. 1939 kommt der Ort an das Deutsche Reich, Reichsgau Danzig-Westpreußen und wird anschließend in Heiderode umbenannt. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 7.098 auf 8.347 Einwohner an.

Lit.: Der Westpreuße, 22. Jg., 1970, Nr. 22, S. 10-11.
WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Dirschau, Reg.-Bez. Danzig – Der pommerellische Herzog Sambor II. errichtet 1252 eine Burg zur Überwachung des Weichselverkehrs, in deren Nähe eine deutsche Kaufmannssiedlung entsteht, die 1260 Lübisches Recht erhält. Sie wird 1308 vom Deutschen Orden erobert und erhält nun 1364 Kulmisches Recht. Während des Hussiteneinfalls 1433 Niederbrennung der Stadt. Die schwedisch-polnischen Kriege des 17. Jahrhundert führen zur Verarmung. Dirschau kommt 1772 zur preußischen Provinz Westpreußen und wird 1887 Sitz des neugebildeten Kreises Dirschau – bis dahin zum Kreis Preußisch Stargard gehörig. Anschluss an das Eisenbahnnetz 1852 (Ostbahn, Abschnitt Bromberg – Dirschau – Danzig). Nach dem Bau der Weichselbrücke 1857 wird auch direkte Hauptstrecke von Berlin über Kreuz – Konitz – Dirschau nach Marienburg und Königsberg hergestellt. Aufstieg zu einem wichtigen Bahnknotenpunkt und Ansiedlung von Industrie. Eine zweite Eisenbahnbrücke wird 1891fertiggestellt. Dirschau kommt 1920 an die neugebildete Republik Polen und 1939 zum Deutschen Reich, Reichsgau Danzig-Westpreußen. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 16.894 auf 25.869 Einwohner an.

Lit.: Dehio, Georg und Ernst Gall: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Deutschordensland Preußen. München und Berlin 1952. – Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler West- und Ostpreußen: die ehemaligen Provinzen West- und Ostpreußen

(Deutschordensland Preußen) mit Bütower und Lauenburger Land. Vollständig neu bearbeitet von Michael Antoni. München, Berlin 1993. -  Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Schultz, Fr.: Geschichte des Kreises Dirschau. Dirschau 1907. – Korthals, Otto: Chronik des Kreises Dirschau. Witten 1969.
WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Finckenstein, Schloss – Für Feldmarschall Reichsgraf Albrecht Konrad Fink von Finckenstein, 1716-1720 nahe dem Ort Kabersdorf  (ab 1718 Finckenstein) im späteren Kreis Rosenberg errichtet. Von 1782-1945 im Besitz der Grafen zu Dohna. Im Frühjahr 1807 hält sich Napoleon hier auf, von dem der Ausspruch <Enfin un château> („Endlich ein Schloss!“) überliefert ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird das bislang unbeschädigte Schloss angezündet. Heute Ruine.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (Unveränderter Nachdruck 1981). – Müsse, Alfred: Der Kreis Rosenberg. Detmold 1963. – Lorck, Carl E. von: Landschlösser und Gutshäuser in Ost- und Westpreußen. Frankfurt a. M. 1965.

WAZ 081023  Hk                                       Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Fordon, Kreis Bromberg, Reg.-Bez. Bromberg – Ein slawischer Burgwall am Weichselknie, nahe der Brahemündung, namens Wyszogród (Hohe Burg) wird erstmalig 1112 urkundlich  genannt. Nach dessen Zerstörung durch den Deutschen Orden 1329 bleibt er wüst. Unter der zeitweiligen Herrschaft Herzogs Wladyslaw von Oppeln entsteht durch seine Verordnung vom 21. Oktober 1382 bei dem Burgwall die Siedlung Wyssogrod / Hoghenburg, in der wahrscheinlich norddeutsche Siedler angesiedelt werden. Der deutsche Name Fordon, erstmalig 1413 urkundlich genannt, setzt sich durch. Am 3. Juli 1424 Verleihung des Magdeburger Stadtrechtes durch König Wladyslaw Jagiello. Durchgangshandel und Schifffahrt (Weichselzoll ab 1604) bilden die Haupterwerbszweige. Die Stadt kommt 1772 zum preußischen Netzedistrikt, der 1775 in die preußische Provinz Westpreußen eingegliedert wird. Fordon wird Sitz eines Provinzial-Accise- und Zolldirektoriums und erhält ein Zollwachkommando. Fordon kommt 1807 zum Herzogtum Warschau und 1815 zur preußischen Provinz Posen. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz erfolgt 1885 (Bromberg – Fordon). Die 1891-1893 errichtete 1.325 Meter lange Weichselbrücke bei Fordon (Eisenbahnanschlussstrecke  Fordon – Kulmsee) ist lange Zeit die größte im Deutschen Reich. Die Stadt kommt 1920 an die neugebildete  Republik Polen und wird 1939 in das Deutsche Reich eingegliedert. Die Eingemeindung in die Stadt Bromberg erfolgt 1973. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 2.850 auf 3.842 Einwohner.

Lit.: Meinhardt, Günther: Aus Brombergs Vergangenheit. Ein Heimatbuch für den Stadt- und Landkreis. Wilhelmshaven 1973.
WAZ 081023  Hk                                       Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Freystadt, Kreis Rosenberg, Reg.-Bez. Marienwerder – Dietrich Stangen erhält am 12. April 1285 von Bischof Albert von Pomesanien für seine Verdienste im Kampf gegen die Prussen mehrere Ländereien als Lehen. Anfang des 14. Jahrhunderts wird auf einer Anhöhe durch die Familie von Stangen die Stadt „Vrienstadt“ zu Kulmer Recht gegründet – eine Lokationsurkunde hat sich nicht erhalten. Bereits 1331 wird die Stadt als entwickeltes Gemeinwesen mit Pfarrer genannt. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wird eine Pfarrkirche in Stein errichtet. Durch Kauf kommt Freystadt 1397 in den Besitz des Herzogs Albrecht. Das 1406 erwähnte Rathaus wird nach dem Brand von 1860 nicht wieder aufgebaut. Um 1414 und 1455 wird die Stadt durch polnisch-litauische Heere zerstört. Brände führen 1779 und 18819 zu schweren Schäden. Der Ackerbau bildet die Haupterwerbsquelle. Die Stadt erhält  1886 eine gewerbliche Fortbildungsschule und 1906 eine Landwirtschaftsfachschule. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz erfolgt 1899 (Strecke Marienwerder – Freystadt). Im Jahre 1900 folgt eine Bahnlinie von Freystadt nach Goßlershausen, später nach Riesenburg und 1924 nach Bischofswerder. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 2.607 auf 3.416 Einwohner an.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Kaufmann, Carl Josef: Geschichte der Stadt Freystadt Wpr. I. Teil bis 1653. Marienwerder 1931. – Müsse, Alfred: Der Kreis Rosenberg. Ein westpreußisches Heimatbuch. Detmold 1963.
WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Garnsee, Kreis Marienwerder, Reg.-Bez. Marienwerder – Alter prussischer Siedlungsplatz (Gardsey) auf einem Landrücken zwischen zwei Seen an der Straße von Marienwerder nach Graudenz. Neben dem 1323 erstmalig genannten Dorf Garnsee gründet wenig später der Bischof von Pomesanien die gleichnamige Stadt, die 1334 Kulmisches Stadtrecht erhält. Um 1330-1340 wird vermutlich die katholische Pfarrkirche erbaut, die 1527 im Zuge der Reformation evangelisch wird. Hauptwirtschaftszweige sind Ackerbau, Bierbrauerei und Handwerk. Durch den 13jährigen Krieg und den sogenannten Pfaffenkrieg kommt es zum Niedergang der Wirtschaft im 15. Jahrhundert. Die Stadt brennt 1554 nieder und wird 1559 neu gegründet. Weitere schwere Stadtbrände gibt es  1736, 1759 und 1801. Garnsee kommt 1772 zur preußischen Provinz Westpreußen. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz erfolgt am 1. November 1882 (Weichselstädtebahn Marienburg – Stuhm – Marienwerder – Garnsee – Graudenz – Thorn). Nachdem der Bahnhof 1920 durch die Grenzziehung an die Republik Polen gefallen ist, wird 1927 auf deutscher Seite ein Neubau errichtet. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 987 auf 2.284 Einwohner an.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Schachschneider, Hans (Hrsg.): Stadt Garnsee und Umgebung. Ein Erinnerungsbuch. Herford 1970. – Neumann, Franz und Otto Gründer (Hrsg.): Der Kreis Marienwerder/Westpreußen. Landgemeinden und Stadt Garnsee. Ein Heimatbuch. Hamburg 1985.
WAZ 081023  Hk                                       Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Hakelwerk, Danzig  – Slawische Burgsiedlung nahe der Mündung der Mottlau

Lit.: Bund der Danziger (Hrsg.): Danziger Hauskalender 1969, 21. Jg., Hamburg 1969. -Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981).

WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Hammerstein, Kreis Schlochau, Reg.-Bez. Posen-Westpreußen – An der Zahne  (Zufluss zur Küddow) gelegen, wo alte Handelswege nach Neustettin und Kolberg den Fluss überqueren. In den 1380er Jahren Sicherung des Übergangs durch einen Ordenshof. Am 19. Juni 1395 erhält die dabei entstandene Ansiedlung durch Hochmeister Konrad von Jungingen eine Handfeste mit Kulmer Recht. Ein Brand zerstört 1652 fast die gesamte Stadt, die 1772 zur preußischen Provinz Westpreußen kommt. Hammerstein erhält 1878 Eisenbahnanschluss (Hinterpommersche Zentralbahn, Ruhnow – Neustettin – Schlochau –Konitz) und wird 1885 Garnisonstandort. Wichtigste Wirtschaftszweige seit dem Mittelalter sind Tuch- und Schuhmacherei. Die Stadt kommt 1922 zur neugebildeten preußischen Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen und wird 1938 in die preußische Provinz Pommern eingegliedert. Von 1910 bis 1939 steigt die Einwohnerzahl von 3.015 auf 4.387 Einwohner an.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Vollack, Manfred und Heinrich Lemke: Der Kreis Schlochau. Ein Buch aus preußisch-pommerschen Heimat. Kiel 1974.
WAZ 081023  Hk                                       Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Jastrow, Kreis Deutsch Krone, Reg.-Bez. Posen-Westpreußen – Ursprünglich slawische Kossätensiedlung, die 1363 Erwähnung als königliches Dorf findet. Die Ansiedlung wird 1560 in ein deutschrechtliches Bauerndorf umgewandelt, das 1602 Magdeburger Stadtrecht erhält. Der Stadtgrundriss gleicht einem H mit zwei langen sich zu Marktplätzen erweiternden Hauptstraßen. Bedeutende Tuch- und Schuhmacherei, sowie Pferdemärkte. Die Stadt kommt 1772 zum preußischen Netzedistrikt, der 1775 in die preußische Provinz Westpreußen eingegliedert wird. Der Eisenbahnanschluss erfolgt 1879 (Schneidemühl – Neustettin). Die Stadt bleibt 1920 beim Deutschen Reich und kommt 1922 zur neugebildeten preußischen Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen und wird 1938 in die preußische Provinz Pommern eingegliedert. Von 1910 bis 1939

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). - Ruprecht, Karl (Hrsg.): Deutsch Krone. Stadt und Kreis. Bad Essen 1981. – Schmeling, Hans-Georg (Hrsg.): Heimatstadt – Heimatkreis Deutsch Krone. Bad Essen 1996.

WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Krojanke, Kreis Flatow, Reg.-Bez. Posen-Westpreußen – An der Stelle  des aus dem 10. Jahrhundert stammenden Dorfes Kraina, zu beiden Seiten der Glumia (Zufluss der Küddow), nahe einer Burganlage, wird 1420 unter Verleihung des Magdeburger Rechtes die Stadt Krojanke errichtet. Die Wohnstätten westlich des Flusses fallen bald wieder wüst, dort entsteht ein Vorwerk. Die Stadt kommt 1772 zum preußischen Netzedistrikt, der 1775 in die preußische Provinz Westpreußen eingegliedert wird. Der Westflügel der Burg wird 1774 umgebaut und nimmt die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus auf. Auf dem Marktplatz wird 1846/47 nach Plänen Schinkels eine evangelische Kirche erbaut. Wichtigster Wirtschaftszweig ist die Tuchmacherei. Unter den Einwohnern befinden sich im 18. Jahrhundert etwa ein Viertel Juden. Am 16. Januar 1871 erfolgt der Eisenbahnanschluss (Strecke Schneidemühl – Konitz – Dirschau). Die Stadt erhält 1912 die Kreislandwirtschaftsschule. Sie kommt 1922 zur neugebildeten preußischen Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen und wird 1938 der Provinz Pommern, Reg.-Bez. Schneidemühl, eingegliedert. Von 1910 bis 1939 sinkt die Einwohnerzahl von 3.428 auf 3.227 Einwohner ab.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Lüdtke, Franz (Hrsg.): Grenzmark Posen-Westpreußen. Ein Heimatbuch. Leipzig 1927.
WAZ 081023  Hk                                       Rolf Siemon (Hann. Münden)

 

Krone an der Brahe, Kreis Bromberg, Reg.-Bez. Bromberg – Vom Zisterzienserorden als Mittelpunkt  des klösterlichen Landbesitzes 1368 gegründete Stadt, die von König Kasimir dem Großen mit Magdeburgr Stadtrecht ausgestattet wird. Hierbei wird auch die Auflage zum Bau und Unterhalt einer Brücke gegeben. Mehrfache Plünderungen während der schwedisch-polnischen Kriege im 17. Jahrhundert. Die Stadt kommt 1772 zum preußischen Netzedistrikt, der 1775 in die preußische Provinz Westpreußen eingegliedert wird. In der Landesaufnahme von 1772 wird über die, Polnisch Krone genante Stadt berichtet, dass sie drei Brahebrücken unterhalten muss, ohne ein Brückengeld zu bekommen. Dies und die Ab- und Ausgaben der Bürger lassen die Stadt nicht zu Kräften und Vermögen kommen. Nach dem Übergang zum Herzogtum Warschau 1807 wird die Stadt 1815 in die preußischen Provinz Posen eingegliedert. Seit 1819 im Landkreis Bromberg. Hauptwirtschaftszweig ist die Holzflößerei. Nach dem Anschluss an das Eisenbahnnetz (Kleinbahn nach Bromberg) wird die Stadt ein beliebtes Ausflugsziel der Bromberger und der Fremdenverkehr ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Stadt kommt 1920 an die neugebildete Republik Polen. Die Eingliederung ins Deutsche Reich erfolgt 1939 in den Reichsgau Danzig-Westpreußen. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 5.307 auf 5.635 Einwohner.

Lit.: Meinhardt, Günther: Aus Brombergs Vergangenheit. Ein Heimatbuch für den Stadt- und Landkreis. Wilhelmshaven 1973. – Rasmus, Hugo: Die Stadt Krone an der Brahe. Wo die Flößer einst zu Hause waren – Lage, Geschichte, Menschen. In: Westpreußen-Jahrbuch. 49(1999), S. 25-40
WAZ 081023  Hk 
Rolf Siemon (Hann. Münden) und /Gerhard Ohlhoff (Bad Rothenfelde)
 

Lessen, Kreis Graudenz, Reg.-Bez. Marienwerder -   Landmeister Meinhard von Querfurt überträgt 1298 Johannes von Hain ein Stück Land am Lessin-See, damit dieser als Lokator dort eine Stadt und ein Dorf errichtet. Die Stadt Lessen erhält 1306 Kulmisches Recht vom Deutschen Orden. Um 1330 beginnt der Bau der Sankt Katharinen-Pfarrkirche. Nach 1410 verwüstet das polnisch-litauische Heer die Stadt. Im 13jährigen Krieg zwischen Polen und dem Deutschen Orden bleibt die Stadt beim Orden und wird 1455 zum Ort des ersten Friedensversuches. Unter polnischer Oberherrschaft beginnt der wirtschaftliche Niedergang. Ab 1461 setzt die Abwanderung des deutschen Bevölkerungsanteils ein. Schwedische Heere brennen 1628 die Stadt nieder und 1710 verliert sie durch die Pest einen Großteil der Einwohnerschaft. 1719 vernichtet ein Brand fast die gesamte Stadt, die 1772 zur preußischen Provinz Westpreußen kommt. Die Zahl der deutschen Bürger steigt nun wieder an. Von 1833 bis 1860 hatte Lessen seine Stadtrechte zurückgegeben. Mit der Eröffnung der Stichbahn von Lessen nach Garnsee am 15 Dezember 1886 erfolgt der Anschluss an das Eisenbahnnetz (Weichselstädtebahn Marienburg – Stuhm – Marienwerder – Garnsee – Graudenz – Thorn). Lessen kommt 1920 an die neugebildete Republik Polen. Die Eingliederung ins Deutsche Reich erfolgt 1939 in den Reichsgau Danzig-Westpreußen. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 2.717 auf 2.848 Einwohner.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Froelich, Xaver: Geschichte des Graudenzer Kreises. Danzig 1884. – Diest-Koerber, Nordewin von Gerhart Meißner und Hans-Jürgen Schuch (Hrsg.): Die Stadt und der Landkreis Graudenz. Osnabrück 1976. - Schuch, Hans-Jürgen: 750 Jahre Rehden. In: Westpreußen-Jahrbuch. 34(1984), S. 5-16.
WAZ 081023  Hk                                       Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Lobsens, Kreis Wirsitz, Reg.-Bez. Bromberg – Die an der Lobsonka, einem Nebenfluss der Netze gelegene Ansiedlung, drei Kilometer westlich des Steinmarker Sees, wird 1141, anlässlich des Baues einer Kirche, erstmalig urkundlich genannt. Seit 1398 ist eine Pfarrei bezeugt. Nach der Ansiedlung von Schotten und Böhmen. Es werden Tuchmacherei und Brauerei betrieben. Die Handelsverbindungen mit Danzig fördern den wirtschaftlichen Aufstieg. Niedergang der Wirtschaft während  der schwedisch-polnischen Kriege im 17. Jahrhundert. Die Stadt kommt 1772 zum preußischen Netzedistrikt, der 1775 in die preußischen Provinz Westpreußen eingegliedert wird. In der Landesaufnahme von 1772 wird berichtet, dass von ehemals einigen hundert Familien durch Eingriffe der Grundherrschaft in deren Gerechtigkeiten und deren teilweise Aufhebung, sowie durch Kriegsunruhen nur noch etwa 100 Familien vorhanden sind, darunter verschiedene Tagelöhner. Die etwa 60 jüdischen Familien haben starken Einfluss auf die Wirtschaft, zu deren Niedergang auch die hohen Abgaben an Polen beitragen. Mit dem Übergang zum Herzogtum Warschau 1807 wird Lobsens Kreisstadt des polnisch gewordenen Kreises Kamin. Nach dem Übergang  zur preußischen Provinz Posen 1815 Verlust der Kreisverwaltung und Zugehörigkeit zum Kreise Wirsitz. Ein schwerer Stadtbrand sucht 1819 die Stadt heim. Ende des 19. Jahrhunderts Anschluss an das Eisenbahnnetz (Kleinbahn Weißenhöhe – Veitshof, Richtung Nakel). Die Stadt kommt  1920 an die neugebildete Republik Polen und 1939 an das Deutsche Reich, Reichsgau Danzig-Westpreußen. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 2.376 auf 3.210 Einwohner an.

Lit.: Papstein, Herbert: Der Kreis Wirsitz. Ein westpreußisches Heimatbuch. Bad Zwischenahn
1973.
WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)

 

Lubichow / Liebichau,  Kreis Preußisch Stargard, Reg.-Bez. Danzig – Die Siedlung nahe des gleichnamigen Sees wird erstmalig 1352 als Libichow genannt. Im 16. Jahrhundert ist sie in königlichem Besitz. Während der polnisch-schwedischen Kriege im 17. Jahrhundert wird sie nahezu vollständig zerstört. Danach errichten Jesuiten eine Fachwerkkirche. Erst im  18. Jahrhundert setzt ein Wiederaufbau in größerem Maße und der Zuzug zumeist polnischer Bauern ein. Der Ort kommt 1772 zur preußischen Provinz Westpreußen. Der an sich schon geringe deutsche Bevölkerungsanteil nimmt bereits vor dem Ersten Weltkrieg weiter ab. Die Bewohner arbeiten zumeist in der Landwirtschaft, daneben bestehen zwei Mühlen und ein Sägewerk. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz erfolgt am 20. August 1908 (Strecke Königsbruch – Skurz). Lubichow kommt 1920 zur neugebildeten Republik Polen. Anstelle der baufälligen Fachwerkkirche wird 1930/31 eine neue katholische Kirche erbaut. 1939 erfolgt die Eingliederung in das Deutsche Reich, in den Reichsgau Danzig-Westpreußen. Von 1920 bis 1943 steigt die Bevölkerungszahl von 1.793 auf 2.531 Einwohner.

Lit.: Schenzel, Leopold: Pr. Stargard. Ein Bild der Heimat. Wolfenbüttel 1969.
WAZ 081023  Hk                                       Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Märkisch Friedland, Kreis Deutsch Krone, Reg.-Bez. Posen-Westpreußen – Eine stadtähnliche Siedlung „Nova Vredeland“ an der Schnittstelle der Markgrafenstraße, die von der Mark nach Preußen führt und der Königstraße, von der Netze zur Ostsee, wahrscheinlich schon 1303 vorhanden. Der Brandenburger Markgraf verleiht ihr 1314 das Brandenburger Stadtrecht. Die Stadt erhält 1783 den Namen Märkisch Friedland. Der mittelalterliche Großhandel wird vorwiegend von Juden betrieben, die über  ein Drittel der Stadtbewohner stellen. Das östlich der Stadt gelegene Schloss brennt 1719 und 1890 ab. Die Stadt kommt 1772 zum preußischen Netzedistrikt, der 1775 in die preußische Provinz Westpreußen eingegliedert wird. Im 19. Jahrhundert Rückgang des Handels und Absinken zur Ackerbürgerstadt. Bahnstation an der Strecke Arnswalde – Falkenburg – Bad Polzin. Die Stadt bleibt 1920 bei Deutschland und kommt 1922 zur neugebildeten preußischen Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen und wird 1938 in die preußische Provinz Pommern eingegliedert. Von 1910 bis 1939 steigt die Einwohnerzahl von 1.929 auf 2.707 Einwohner an.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Ruprecht, Karl (Hrsg.): Deutsch Krone. Stadt und Kreis. Bad Essen 1981. – Schmeling, Hans-Georg (Hrsg.): Heimatstadt – Heimatkreis Deutsch Krone. Bad Essen 1996.

WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Mewe, Kreis Dirschau, Reg.-Bez. Danzig – Anlage einer Befestigungsanlage am linken erhöhten Weichselufer, im Fersemündungsgebiet um 1200 durch die pommerellischen Fürsten. Zusammen mit dem umliegenden Land von 1229-1255 Lehen des Klosters Oliva und 1276 als Lehen an den Deutschen Orden. Dieser kommt wegen Rechtsstreitigkeiten erst 1282 in den Besitz der Burg und hierbei entstandenen Siedlung Mewe mit dem umgebenden Land (14 Siedlungen), seiner ersten größeren Erwerbung auf dem linken Weichselufer. Errichtung einer festen Burganlage (streng regelmäßige Anlage auf quadratischem Grundriss) und Ansiedlung deutscher Siedler. Erstmalige Nennung eines Komturs 1283. Das Kulmische Stadtrecht wird 1297 verliehen. St. Nikolaus-Pfarrkirche aus dem 14. jahrhundert. Wirtschaftlicher Niedergang während der schwedisch-polnischen Kriege im 17. Jahrhundert. Die Stadt kommt 1772 zur preußischen Provinz Westpreußen. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz erfolgt 1905 mit der Eröffnung der Bahnstrecke von Mewe nach Morroschin und der Kleinbahn von Marienwerder nach Gr. Falkenau, die die Weichsel bei Mewe mit einer Eisenbahnfähre überquert. Mewe kommt 1920 an die neugebildete Republik Polen. Von 1920 bis 1932 ist sie Kreisstadt und gehört danach zum Kreis Dirschau. Das Ordensschloss brennt 1921 zum größten Teil aus und erhält erst wieder nach 1960 ein Dach. 1939 kommt Mewe zum Deutschen Reich, Reichsgau Danzig Westpreußen. Von 1910 bis 1943 sinkt die Einwohnerzahl von 3.821 auf 3.657 Einwohner ab.

Lit.: Dehio, Georg und Ernst Gall: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Deutschordensland Preußen. München und Berlin 1952. – Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler West- und Ostpreußen: die ehemaligen Provinzen West- und Ostpreußen

(Deutschordensland Preußen) mit Bütower und Lauenburger Land. Vollständig neu bearbeitet von Michael Antoni. München, Berlin 1993. -   Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Korthals, Otto: Chronik des Kreises Dirschau. Witten 1969. – Correns, Paul: Chronik der Stadt Mewe. Graudenz 1897.
WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Mrotschen / Immenheim, Kreis Wirsitz, Reg.-Bez. Bromberg – Erstmalig 1288 erwähnt. König Wladislaw Jagiello von Polen erteilte 1393 dem Besitzer des Ortes, Arnold von Waldow, das Magdeburger Stadtrecht. Eine Burg wird 1582 genannt. Die Stadt kam 1772 zum preußischen Netzedistrikt, der 1775 in die preußische Provinz Westpreußen eingegliedert wird. Die Stadt brennt 1780 völlig nieder. 1807 erfolgte der Übergang zum Herzogtum Warschau und 1815 zur preußischen Provinz Posen. Anschluss an das Eisenbahnnetz 1894 (Konitz – Nakel). Mrotschen kommt 1920 zur neugebildeten Republik Polen und 1939, mit der Eingliederung in den Reichsgau Danzig-Westpreußen, zum Deutschen Reich. Die Umbenennung in Immenheim erfolgt 1940. von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 2.537 auf 2.911 Einwohner.

Lit.: Papstein, Herbert: Der Kreis Wirsitz. Ein westpreußisches Heimatbuch. Bad Zwischenahn
1973. WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Nakel, Kreis Wirsitz, Reg.-Bez. Bromberg – Auf einer etwa 500 m breiten Terrasse zwischen der Netze und dem Urstromtalrand der Weichsel, nahe einer Furt durch den Netzebruch wird 944 erstmalig eine Grenzburg der Pommern genannt und 1136 hierbei erstmalig eine Ansiedlung erwähnt. Die Herrschaft über Nakel wechselt in der Folgezeit mehrfach zwischen Pommern und Polen. Verleihung des Magdeburger Stadtrechtes  1299 durch Herzog Wladislaw Lokietek . Nach der Ansiedlung (Lage an der Kreuzung der Handelswege Danzig -  Posen und Schneidemühl – Thorn). Die Stadt brennt 1331 nieder. Schwere Verwüstungen während der schwedisch-polnischen Kriege im 17. Jahrhundert. Nakel kommt 1772 zum preußischen Netzedistrikt, der 1775 in die preußische Provinz Westpreußen eingegliedert wird. In Stadtnähe mündet der 1774 fertiggestellte Brahe-Netze-Kanal in die Netze. Durch Entwässerung und Trockenlegung der Brüche Erweiterung de Siedlungsfläche und wirtschaftlicher Aufschwung (insbesondere Getreide- und Viehhandel). 1807 Übergang zum Herzogtum Warschau und 1815 zur preußischen Provinz Posen. Anschluss an das Eisenbahnnetz 1851 (Ostbahn, Abschnitt Berlin – Bromberg). Die Eröffnung der Bahnlinien nach Gnesen und Konitz folgt 1887 und 1894 – Nakel wird Eisenbahnknotenpunkt. Nach dem Übergang an die neugebildete Republik Polen 1920 kommt es durch strenge Zollbestimmungen zu einem Rückgang des Güterverkehrs auf Schiene und Kanal. 1939 kommt Nakel zum Deutschen Reich in den Reichsgau Danzig-Westpreußen. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 8.787 auf 11.452 Einwohner an.

Lit.: Papstein, Herbert: Der Kreis Wirsitz, Ein westpreußisches Heimatbuch. Bad Zwischenahn
1973. WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)

 

Neuenburg, Kreis Schwetz, Reg.-Bez. Bromberg – Erste Erwähnung  eines Burgplatzes 1266 am linken Weichselaufer zwischen Schwetz und Mewe, wo 1282 der Franziskanerorden ein Kloster gründet (Baubeginn der Kirche 1311). Die Siedlung kommt 1301 in den Besitz von Peter Swenza und bildet seit 1302 eine deutsche Gerichtsgemeinde. Swenza erhält Burg und Stadt 1307 von den brandenburgischen Markgrafen als Lehen. Die Stadt wird 1308 zerstört. Die zu Beginn des 14. Jahrhunderts erbaute Pfarrkirche St. Matthaei Apostel zählt zu den schönsten gotischen Kirchen Westpreußens. Die Stadt wird 1313 an den Deutschen Orden verkauft, von dem sie 1350 eine Handfeste erhält. Sie kommt 1772 zur preußischen Provinz Westpreußen. Bei der in diesem Jahr durchgeführten Landesaufnahme gibt die Stadt 14.278 fl. Schulden an. Das im Verfall befindliche Schloss wird 1787 als evangelische Kirche eingerichtet. Das Kloster ist von 1542-1604 und seit 1846 evangelisch. Bedeutungsverlust der Stadt nach Eröffnung der Bahnlinie Danzig – Bromberg (Ostbahn) 1852, an welche sie 1903/04 durch den Bau einer Kleinbahn Anschluss erhält. Die Möbelindustrie bildet einen wirtschaftlichen Schwerpunkt. Die Stadt kommt 1920 an die neugebildete Republik Polen und 1939 an das Deutsche Reich, Reichsgau Danzig-Westpreußen. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 5.152 auf 5.343 Einwohner an.

Lit.: Dehio, Georg und Ernst Gall: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Deutschordensland Preußen. München und Berlin 1952. – Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler West- und Ostpreußen: die ehemaligen Provinzen West- und Ostpreußen
(Deutschordensland Preußen) mit Bütower und Lauenburger Land. Vollständig neu bearbeitet von Michael Antoni. München, Berlin 1993. -  Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). - Modrow, Hans-Joachim: Aus der Geschichte und Chronik des Kreises Schwetz a. d. Weichsel. Düsseldorf 1972. – Wegner, Richard: Ein Pommersches Herzogtum und eine Deutsche Ordens-Komthurei. Kulturgeschichte des Schwetzer Kreises. Posen 1872.
WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Neufahrwasser – Ursprünglich ein kleines Gerinne im Weichselmündungsgebiet zwischen dem Festland und der Westerplatte bei Weichselmünde (siehe dort). Um die Schifffahrt zwischen dem Danziger Hafen und der Ostsee aufrecht zu erhalten, wird diese Rinne erweitert, vertieft, verfestigt und ständig ausgebaggert. Die Kanalufer werden 1724 durch ein hölzernes Bollwerk eingefasst und mit einer neuen Schleuse versehen. Durch diesen Kanal erhält Danzig das „neue Fahrwasser“, womit auch der in der Nähe nun entstehende Ort bezeichnet wird, an dessen Stelle 1745 nur das „Grothenhaus“ stand.

Lit.: Winkel, Richard: Die Weichsel. Leipzig 1939. – Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981).
WAZ 081023  Hk                                       Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Neuteich,  Kreis Großes Werder, Reg.-Bez. Danzig – Erstmalige urkundliche Erwähnung des Dorfes „czum Nuwen Tiche“ 1316 in der Handfeste für Niclaus v. Hollant. Urkundliche Nennung als Stadt (Marktort für die ländliche Umgebung) 1350. Mehrmalige Niederbrennung zwischen 1400 und 1466. Bedeutung als Fabrikationsort von Pulver (seit 1409). Schwere Zerstörungen in den drei schwedisch-polnischen Kriegen. Erneut schwere Brandschäden 1802, danach Anwendung besonderer Feuerschutzbestimmungen. Errichtung einer Zuckerfabrik 1877/78. Anschluss an das Eisenbahnnetz 1887. 1809  11.293 und 1943  4.250 Einwohner.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966. - Fieguth, Gustav: Heimat zwischen Weichsel und Nogat. Worms 1983.
WAZ 081020  Hk                                       Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Pelplin, Kreis Dirschau, Reg.-Bez. Danzig – Siedlung im Fersetal, wohin 1276 die Zisterzienser ihr Kloster  von Pogutken verlegen. Beginn eines umfassenden Ansiedlungswerkes durch die Mönche in der Klosterumgebung. Die Klosterkirche (Baubeginn vor 1294) gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten des unteren Weichsellandes. Pelplin kommt 1772 zur preußischen Provinz Westpreußen. Durch seine Wahl zum Sitz des Bischofs von Kulm 1824 beginnt der Aufstieg des Dorfes. Entstehung zahlreicher kirchlicher Behörden und geistlicher Anstalten, verschiedener Schulen und Seminare, u.a. 1828 Gründung des Priesterseminars. Mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz (Ostbahn, Bromberg – Danzig) 1852 beginnt der wirtschaftliche Aufschwung. Eine Zuckerfabrik wird 1871 gegründet. Pelplin kommt 1920 an die neugebildete  Republik Polen, die ihm 1931 die Stadtrechte verleiht. 1939 kommt Pelplin zum Deutschen Reich, Reichsgau Danzig-Westpreußen. Seit der Neugliederung der Bistümer in Polen 1992 Sitz des Bischofs von Pelplin. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 3.969 auf 5.336 Einwohner an.
Lit.: Dehio, Georg und Ernst Gall: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Deutschordensland Preußen. München und Berlin 1952. – Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler West- und Ostpreußen: die ehemaligen Provinzen West- und Ostpreußen

(Deutschordensland Preußen) mit Bütower und Lauenburger Land. Vollständig neu bearbeitet von Michael Antoni. München, Berlin 1993.  Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Schultz, Fr.: Geschichte des Kreises Dirschau. Dirschau 1907. – Korthals , Otto: Chronik des Kreises Dirschau. Witten 1969.
WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Preußisch Friedland, Kreis Schlochau, Reg.-Bez. Posen-Westpreußen – Am hohen Ufer der Dobrinka (seit 1343 Grenze zwischen dem Ordensland und Polen) errichtet der Deutsche Orden 1343 einen Stützpunkt, um den Flussübergang zu sichern. Der Ansiedlung wird 1354 durch Hochmeister Winrich von Kniprode Kulmisches Recht verliehen. Tuch- und Schuhmacherei sind die wichtigsten Wirtschaftszweige (Tuchhandel mit Russland). Fast völlige Zerstörung der Stadt durch Brände 1554 und 1697. Starke Verwüstungen in den schwedisch-polnischen Kriegen im 17. Jahrhundert und Pestepidemie 1709.Die Stadt kommt 1772 zur preußischen Provinz Westpreußen. Eine Garnison wird 1786 eingerichtet. Nach der russischen Grenzsperre 1820 Niedergang der Wirtschaft. Ein Königliches Lehrerseminar wird 1864 eingerichtet (Auflösung 1925) dem weitere Bildungseinrichtungen folgen. Die Stadt kommt 1922 zur neugebildeten preußischen Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen und wird 1938 nach Pommern eingegliedert. Von 1910 bis 1939 sinkt die Einwohnerzahl von 3.865 auf 3.842 Einwohner.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Manfred Vollack und Heinrich Lemke: Der Kreis Schlochau. Ein Buch aus preußisch-pommerscher Heimat. Kiel 1974. – Schibber, Artur: Preußisch Friedland und sein Lehrerseminar. Elmshorn 1979.
WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Preußisch Stargard, Reg.-Bez. Danzig – Erstmalige urkundliche Nennung 1198, als der pommerellische Herzog Grimislaw dem Johanniterorden eine Burg (Castrum Starigrod) am linken Ferseufer mit umliegendem Gebiet schenkt. Bei der Burg entsteht die Siedlung St. Johann. Nach 1309 entsteht südlich der Burg am rechten Ferseufer Preußisch Stargard, das 1348 mit der Kulmer Handfeste vom Deutschen Orden Stadtrechte erhält. Die Stadt kommt 1772 zur preußischen Provinz Westpreußen. Nach der Einrichtung eines „landräthlichen“ und eines „steuerräthlichen Kreises“ Stargard (bis 1815), die größer sind als der spätere Kreis Preußisch Stargard, wird die Stadt Sitz eines Landrates, nachdem hier zuvor schon ein polnischer Starost seinen Sitz hatte. Ein Landvogtei-Gericht wird 1773 eingerichtet. Ein Großbrand zerstört 1792 fast die gesamte Stadt. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz erfolgt 1871 (Strecke Schneidemühl – Konitz – Dirschau). Im 19. Jahrhundert setzt mit der Ansiedlung von Industriebetrieben ein bedeutender wirtschaftlicher Aufschwung ein: u.a. 1846 Gründung der Branntweinbrennerei Winkelhausen, 1860 Ansiedlung der Mühlenwerke Wichert und 1914 Errichtung einer Zigarrenfabrik der Berliner Firma Loeser & Wolff. Die Stadt kommt 1920 an die neugebildete Republik Polen und 1939 an das Deutsche Reich, in den Reichsgau Danzig-Westpreußen. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 10.419 auf 18.322 Einwohner an.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Dehio, Georg und Ernst Gall: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Deutschordensland Preußen. München und Berlin 1952.  - Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler West- und Ostpreußen: die ehemaligen Provinzen West- und Ostpreußen (Deutschordensland Preußen) mit Bütower und Lauenburger Land. Vollständig neu bearbeitet von Michael Antoni. München, Berlin 1993. - Schenzel, Leopold: Pr. Stargard. Ein Bild der Heimat. Wolfenbüttel 1969. – Stadie, Bernhard: Der landräthliche Kreis Stargard in Westpreußen in historischer Beziehung. Stargard 1869.
WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Rehden, Kreis Graudenz, Reg.-Bez. Marienwerder -   Bischof Christian erwirbt den Ort 1223 und verkauft ihn 1231 an den Deutschen Orden, der hier 1234 eine Burg errichtet. In ihrem Schutz entsteht eine Siedlung, die zwischen 1234 und 1238 das Kulmische Stadtrecht erhält. Während der Kämpfe mit den Prussen wird Rehden zweimal zerstört. Nach 1282 erfolgt der Wiederaufbau der Stadt, die 1285 erneut privilegiert wird, näher an der Burg. Das Ordensschloss wird ab 1287 neu erbaut und gilt als einer der schönsten Ordensbauten im Preußenland. Ab 1310 wird die katholische Pfarrkirche St. Anna erbaut. Nach 1410 wird die Stadt durch das polnisch-litauische Heer geplündert, zum Teil niedergebrannt und seine Bewohner getötet oder vertrieben. In der Folgezeit bricht die Wirtschaft durch Übergriffe der polnischen Starosten endgültig zusammen. Rehden sinkt zur Ackerbürgerstadt herab und brennt 1456, während des 13jährigen Krieges, erneut nieder. Die Zahl der deutschen Bürger nimmt immer mehr ab. Nach den schwedisch-polnischen Kriegen des 17. Jahrhunderts zerfällt die Schlossanlage. Die Stadt kommt 1772 zur preußischen Provinz Westpreußen, was, insbesondere nach 1830, zu einem leichten Wirtschaftsaufschwung führt, verbunden mit der Neuansiedlung deutscher Bürger. Von 1807 bis 1815 gehört Rehden zum Herzogtum Warschau. Um 1890 erfolgt der Anschluss an das Eisenbahnnetz (Kleinbahnstrecke Kulmsee – Melno). Rehden kommt 1920 an die neugebildete Republik Polen. Die Eingliederung ins Deutsche Reich erfolgt 1939 in den Reichsgau Danzig-Westpreußen. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 2.010 auf 2.021 Einwohner.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Froelich, Xaver: Geschichte des Graudenzer Kreises. Danzig 1884. – Diest-Koerber, Nordewin von Gerhart Meißner und Hans-Jürgen Schuch (Hrsg.): Die Stadt und der Landkreis Graudenz. Osnabrück 1976. - Schuch, Hans-Jürgen: 750 Jahre Rehden. In: Westpreußen-Jahrbuch.34(1984), S. 5-16. – Höller, Klaus: Der Ostabschluss der Rehdener Kapelle. Zur baulichen Ableitung und zeitlichen Einordnung von Ordensneubauten um 1300. In: Westpreußen-Jahrbuch. 51(2001), S. 8-19.
WAZ 081023  Hk                                       Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Schloppe, Kreis Deutsch Krone, Reg.-Bez. Posen-Westpreußen – Die frühgermanische Siedlung an der Kreuzung zweier Verkehrswege wird erstmalig 1245 genannt und 1350 als Stadt bezeichnet. Neben der Landwirtschaft bilden Tuchmacherei und Mühlebetriebe weitere Erwerbszweige. Im 17. Jahrhundert Sitz einer Zollkammer für die Straße von „Filehne bis in die Runde nach Thorn“.  Die Stadt kommt 1772 zum preußischen Netzedistrikt, der 1775 in die preußische Provinz Westpreußen eingegliedert wird. Bahnstation and er Strecke Deutsch Krone – Kreuz. Schloppe kommt 1922 z ur neugebildeten preußischen Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen und wird 1938 nach Pommern eingegliedert. Von 1910 bis 1939 steigt die Einwohnerzahl von 1.957 auf 2.986 Einwohner an.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981. - Ruprecht, Karl (Hrsg.): Deutsch Krone. Stadt und Kreis. Bad Essen 1981. – Schmeling, Hans-Georg (Hrsg.): Heimatstadt – Heimatkreis Deutsch Krone. Bad Essen 1996.

WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Schöneberg,  Kreis Großes Werder, Reg.-Bez. Danzig – Frühgeschichtliche Funde weisen auf ein hohes Alter der Siedlung auf einer leichten Anhöhe am unteren Weichsellauf hin. Großkomtur Konrad Kesselhut vergibt am 16. Oktober 1333 das deutsche Dorf Schöneberg an Jacob Lantmesser und Conrad von Eychen zur Besetzung nach Kulmischem Recht. Zu dieser Zeit ist bereits die katholische Pfarrkirche St. Johannis des Täufers vorhanden. Ende des 16. Jahrhunderts bildet sich eine evangelische Kirchengemeinde, die Ende des 17. Jahrhunderts ein Kirchengebäude erhält, das 1874 als Ziegelrohbau neu errichtet wird. Die Landwirtschaft bildet den Haupterwerbszweig. Deichbrüche führen wiederholt zu schweren Schäden. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz erfolgt am 15. Oktober 1900 (Kleinbahn Tiegenhof – Schöneberg). Der Ort kommt 1920 zum Kreis Großes Werder in der Freien Stadt Danzig. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 1.676 auf 2.020 Einwohner.

Lit.: Fieguth, Gustav: Heimat zwischen Weichsel und Nogat. Worms 1983.
WAZ 081023  Hk                                       Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Schöneck, Kreis Berent, Reg.-Bez. Danzig – Stadtgründung des Johanniterordens, wahrscheinlich 1320 abgeschlossen (Handfeste von 1341), auf einem Höhenzug. 1370 Verkauf der Stadt an den Deutschen Orden. Südwestlich der Stadt Grundmauern der Burganlage aus der Johanniterzeit. Verlust der zentralörtlichen Bedeutung, nachdem Berent 1818 Kreisstadt wird. Pfarrkirche St. Michael (Ziegelbau) aus der Stadtgründungszeit. Schöneck hat 1905 3.379 und 1943 3.497 Einwohner.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Bendomir, Waldemar (Hrsg.): Landkreis Berent / Westpreußen in alten und neuen Bildern. Langen 1981.


WAZ 0810223 Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Schönsee, Kreis Briesen, Reg.-Bez. Marienwerder – Erstmalig 1222 wird zwischen zwei Seen eine zerstörte Burg, Kowaleno, genannt, die der Deutsche Orden 1230 erwirbt und dort eine neue Burganlage, Schönsee, errichtet. Die dabeigelegene Stadt wird wahrscheinlich um 1275 errichtet, die Gründungsurkunde ist verlorengegangen. Zeitgleich soll die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus entstanden sein. Einer Belagerung durch die Polen widerstehen Burg und Stadt 1330 erfolgreich. Der Deutsche Orden brennt die Stadt 1422 nieder, um die Burg besser verteidigen zu können. Weitere Brände und Kriegsverwüstungen führen im 15. Jahrhundert zum wirtschaftlichen Niedergang. Haupterwerbszweig der Bevölkerung bildet die Landwirtschaft. Die Stadt kommt 1772 zur preußischen Provinz Westpreußen. Auf dem Gelände der bereits 1664 zerstörten Burg wird 1858 eine evangelische Kirche errichtet. Von 1833 bis 1873 hatte Schönsee seine Stadtrechte abgegeben. Bis zur Bildung des Kreises Briesen am 1. Oktober 1887 gehört die Stadt zum Kreis Kulm. Der Eisenbahnanschluss erfolgt am 1. Julie 1894 (Strecke Bromberg – Fordon – Kulmsee – Schönsee). Am 1. November 1900 Eröffnung der Streckenverlängerung von Schönsee über Gollub nach Strasburg. Schönsee kommt 1920 an die neugebildete Republik Polen. Die Eingliederung in das Deutsche Reich erfolgt 1939 in den Reichsgau Danzig-Westpreußen. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 3.356 auf 3.740 Einwohner.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Heym, Benno: Geschichte des Kreises Briesen und seiner Ortschaften. Briesen/Westpreußen 1902.
WAZ 081023  Hk                                       Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Schulitz, Kreis Bromberg, Reg.-Bez. Bromberg – Erstmalig 1244 urkundlich genannt. Wichtiger Salzhandelplatz an der Weichsel. Herzog Przemyslaw von Kujawien verleiht die Ansiedlung 1325 an Thomasius von Jakcice und gibt ihr das Magdeburger Stadtrecht, von 1332 bis 1443 im Besitz des Deutschen Ordens. Schulitz litt 1409  und nach dem Thorner Friedensschluss 1411 unter den Grenzkämpfen zwischen Polen und dem Deutschen Orden. Mehrfache Plünderungen während der schwedisch-polnischen Kriege im 17. Jahrhundert. Die Stadt wird 1635 völlig niedergebrannt und 1703 im Nordischen Krieg völlig zerstört. Schwere Pestepidemie 1708. Schulitz kommt 1772 zum preußischen Netzedistrikt, der 1775 in die preußische Provinz Westpreußen eingegliedert wird. Von 1807 bis 1815 gehört Schulitz zum Herzogtum Warschau, dann zur preußischen Provinz Posen. Wirtschaftlicher Aufschwung (Holzhandel und –industrie) nach dem Anschluss ab das Eisenbahnnetz 1861 (Ostbahn, Abschnitt Bromberg – Thorn). Insbesondere als Umschlagplatz für Eisenbahnschwellen bedeutend. Die Stadt kommt  1920 zur neugebildeten Republik Polen und 1939 ins Deutsche Reich, Reichsgau Danzig-Westpreußen. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 4.512 auf 5.263 Einwohner an.

Lit.: Meinhardt, Günther: Aus Brombergs Vergangenheit. Ein Heimatbuch für den Stadt-  und Landkreis. Wilhelmshaven 1973. – Rudolf, Philipp: Aus der Geschichte von Schulitz und Dörfern. Posen 1936.
WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)

 

Schwetz, Reg.-Bez. Bromberg – Der an der Mündung des Schwarzwassers in die Weichsel, auf dem hohen Weichselufer gelegene Ort wird 1198, bei der Weihe der Marienkirche, Sitz des pommerellischen Herzogs Grimislaw. Die Burg wird 1242 in das Flusstal verlegt. Als Schwetz 1310 mit Pommerellen durch Kauf an den Deutschen Orden kommt, wird Schwetz als Stadt bezeichnet und erhält 1338 das Kulmer Stadtrecht. Zwischen 1338 und 1375 Verlegung der Stadt in das Tal nahe der Ordensburg. Starke Zerstörungen während des 13jährigen Krieges 1454-1466 und der schwedisch-polnischen Kriege im 17. Jahrhundert. Von 1624-1810 besteht in der Neustadt ein Bernhardinerkloster. Schwetz kommt 1772 zur preußischen Provinz  Westpreußen. Nach einer neuen Kreiseinteilung wird Schwetz 1809 Sitz der Kreisverwaltung. Eine Provinzial-Irrenanstalt wird 1855 errichtet. Im 19. Jahrhundert wird die Stadt mit Ausnahme der Pfarrkirche auf die Höhe zurückverlegt, um vor der Hochwassergefahr geschützt zu sein. Beginnende Industrialisierung mit dem Bau eine Zuckerfabrik 1884. Anschluss an das Eisenbahnnetz 1888 (Schwetz – Terespol). Die Stadt kommt 1920 zur neugebildeten Republik Polen und 1939 zum Deutschen Reich, zum Reichsgau Danzig-Westpreußen. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 8.042 auf 11.876 Einwohner an.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Dehio, Georg und Ernst Gall: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Deutschordensland Preußen. München und Berlin 1952.  - Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler West- und Ostpreußen: die ehemaligen Provinzen West- und Ostpreußen (Deutschordensland Preußen) mit Bütower und Lauenburger Land. Vollständig neu bearbeitet von Michael Antoni. München, Berlin 1993. – Modrow, Hans Joachim: Aus der Geschichte und Chronik des Kreises Schwetz a. d. Weichsel. Düsseldorf 1972. – Wegner, Richard: Ein Pommersches Herzogthum und eine Deutsche Ordens-Komthurei. Kulturgeschichte des Schwetzer Kreises. Posen 1872.
WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Sierakowitz / Sierke, Kreis Karthaus, Reg.-Bez. Danzig – Steinkistengräber weisen auf ein hohes Alter der Siedlung an der Chaussee Karthaus – Stolp, wo eine Straße nach Lauenburg abzweigt, hin. Der Ordenshochmeister Winrich von Kniprode verleiht 1382 Peter von Lewin das Gut Sierakowitz zu deutschem und Kulmischem Recht frei, erblich und auf ewige Zeiten. 1428 erwirbt der Deutsche Orden eine Gutshälfte, später die andere und wandelt es in ein Bauerndorf um. Bereits 1396 wird ein Pfarrer genannt. Die aus Holz errichtete Kirche ist St. Martin geweiht. Eine evangelische Kirche wird 1896 fertiggestellt. Haupterwerbszweig ist die Landwirtschaft. Am 4. Oktober 1905 erfolgt der Anschluss an das Eisenbahnnetz (Strecke Praust – Zuckau – Karthaus – Lauenburg – Leba). Vor dem Ersten Weltkrieg findet ein starker wirtschaftlicher Aufschwung statt, der durch eine erhebliche Zunahme des Viehbestandes und eine ansteigende Einwohnerzahl gekennzeichnet ist. Sierakowitz wird zum Versorgungszentrum des westlichen Teils des Kreises Karthaus. Der überwiegende Teil der Bewohner sind Kaschuben (1910 etwa 17 % Deutsche). Der Ort kommt 1920 an die neugebildete Republik Polen. Die Eingliederung ins Deutsche Reich erfolgt 1939 in den Reichsgau Danzig-Westpreußen. Der Ortsname wird 1942 erst in Rakwitz, danach in Sierke umgewandelt. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 1.923 auf 2.068 Einwohner.

Lit.: Brauer, Wilhelm (Hrsg.): Der Kreis Karthaus. Ein westpreußisches Heimatbuch. Lübeck 1978. – Heidn, Willy: Die Ortschaften des Kreises Karthaus/Westpreußen in der Vergangenheit. Marburg/Lahn 1965.

WAZ 081023  Hk                                       Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Skurz / Großwollental, Kreis Preußisch Stargard, Reg.-Bez. Danzig – Erste urkundliche Nennung als Schoritz in einem Privileg von 1339. Im selben Jahr soll auch die katholische Pfarrkirche gegründet worden sein. Erhalt eines Privilegs 1355 durch den Komtur zu Mewe. Entwicklung zu einem wichtigen Handelsplatz. Im Landtagsprotokoll von 1528 erscheint der polonisierte Name Skurz. Der kommt 1772 zur preußischen Provinz Westpreußen. Eine Zweigstelle des Königlich Preußischen Katasteramtes wird 1903 eingerichtet. De Anschluss an das Eisenbahnnetz (Marienwerder – Pr. Stargard) erfolgt 1905. Eine Verbindungsstrecke Skurz – Königsbruch (- Czersk) wird 1908 fertiggestellt. Danach beginnt die wirtschaftliche Entwicklung. Skurz kommt 1920 an die neugebildete Republik Polen und erhält von ihr 1935 Stadtrechte. 1939 kommt Skurz zum Reichsgau Danzig-Westpreußen im Deutschen Reich. 1939 erfolgt die Umbenennung in Großwollental. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 2.863 auf 3.306 Einwohner an.

Lit.: Schenzel, Leopold: Pr. Stargard. Ein Bild der Heimat. Wolfenbüttel 1969. – Stadie, Bernhard: Der landräthliche Kreis Stargard in Westpreußen in historischer Beziehung. Stargard 1869.
WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Tiegenhof, Kreis Großes Werder, Reg.-Bez. Danzig – Anlage eines Domänenhofes der Danziger  Kaufmannsfamilie Loitz an der Tiege 1530, der ab 1554 schlossartig ausgebaut wird. Im Vertrag von Tiegenhof 1630 Beendigung der Feindseligkeiten im Werder zwischen Danzig und Schweden (Erster Schwedisch-Polnischer Krieg), 1658 zweite Besetzung durch Schweden nach 1626. Entwicklung einer Marktsiedlung. 1772 Gründung der Machandelfabrik Heinrich Stobbe, 1778 der Bierbrauerei und Essigfabrik Jacob Hamm.  Intendantur- und Domänenamt Tiegenhof kommen 1818 zum Kreis Marienburg. Bau einer evangelischen Kirche nach einem Entwurf Schinkels 1831-1833. Große Überschwemmungen wegen Dammbruchs an der Weichsel bei Montau vom 28.03. bis 16.04.1855. Erhebung zum Marktflecken 1859, zur Stadt 1881 und Eisenbahnanschluss im selben Jahr. Nach dem Versailler Vertrag wird Tiegenhof 1920 Sitz der Verwaltung des Kreises Großes Werder. Wichtige Durchgangs- und Verteilerstation für die Flüchtenden im Zweiten Weltkrieg. 1817  1.694 und 1943  4.373 Einwohner.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Jeglin, Günter: Tiegenhof und der Kreis Großes Werder in Bildern. Schleswig 1985. – Fieguth, Gustav: Heimat zwischen Weichsel und Nogat. Worms 1983.
WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)

 

Tütz, Kreis Deutsch Krone, Reg.-Bez. Posen-Westpreußen – An einem Berghang  zwischen drei Seen an der Königsstraße gelegen. Einstiger Mittelpunkt der großen Grundherrschaft der Familie von Wedell. Schon 1306 als Stadt bezeichnet, erhält Tütz 1331 Brandenburgisches Stadtrecht. Das südlich der Stadt gelegene Schloss entsteht zwischen 1338 und 1631 in mehreren Bauabschnitten. Es brennt 1945 aus und wird später restauriert und als Hotel genutzt. Die Stadt kommt 1772 zum preußischen Netzedistrikt, der 1775 der preußischen Provinz Westpreußen eingegliedert wird. Die preußische Landesaufnahme von 1772 verzeichnet 201 Juden unter den 715 Einwohnern. Tütz kommt 1922 zur neugebildeten Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen und wird 1938 nach Pommern eingegliedert. Ackerbürgerstadt ohne Industrie und Luftkurort. Von 1910 bis 1939 steigt die Einwohnerzahl von 2.096 auf 2.748 Einwohner an.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Ruprecht, Karl (Hrsg.): Deutsch Krone. Stadt und Kreis. Bad Essen 1981. – Schmeling, Hans-Georg (Hrsg.): Heimatstadt – Heimatkreis Deutsch Krone. Bad Essen 1996.
WAZ 081023  Hk                                    Rolf Siemon (Hann. Münden)

 

Weichselmünde – Ort , bei dem die ursprüngliche Weichselmündung liegt, bis die Weichsel 1844 die Dünen bei Neufähr durchbricht. Bereits 1396 erbaut der Deutsche Orden hier ein Blockhaus, das später stärker befestigt wird. Während der polnischen Belagerung Danzigs finden hier blutige Kämpfe statt. Das Fort wird 1587-1602 ausgebaut und 1624-1626 durch eine sternförmige Bastion verstärkt.  1734, 1807 und 1813 wiederum stark umkämpft. Die Festungsanlagen sind bis heute erhalten geblieben.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Meyer, Hans Bernhardt: Die Festung Weichselmünde. 28(1978), Seiten 73-75.
WAZ 081023  Hk                                       Rolf Siemon (Hann. Münden)
 

Weißenhöhe, Kreis Wirsitz, Reg.-Bez. Bromberg – In der westlichen Netzeniederung gelegene, aus einem Gut  entstandene Siedlung, die erstmalig 1216 genannt wird. Zur Bearbeitung der Ländereien werden deutsche Siedler geworben, die nahe des Gutshofes das Bauerndorf Bialosliwie gründen., benannt nach der Besitzerfamilie des Gutes, Bialosliwie (als Besitzer 1578 –1581 genannt). Das Gut war 1740 im Besitz der Adelsfamilie Bedkowski und geht später in den Besitz der reichen Familie Raczinski über. Die Siedlung kommt 1772 zum preußischen Netzedistrikt, der 1775 in die preußische Provinz Westpreußen eingegliedert wird. Der Staat kauft 1804 das Gut und wandelt es in eine königliche Domäne um. Es folgt ein stärkerer Zuzug von deutschen Bauern und Handwerkern. 1807 erfolgt der Übergang zum Herzogtum Warschau und 1815 zur preußischen Provinz Posen. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz ist am 26. Julie 1851 (Ostbahn, Abschnitt Kreuz – Schneidemühl – Bromberg). Um 1900 Anschluss an die Wirsitzer Kreisbahn (Weißenhöhe – Wissek). Entwicklung zu einem wichtigen Güterumladebahnhof. Ein evangelisches Kirchspiel wird 1859 eingerichtet und eine evangelischen Kirche 1868 eingeweiht. Eine katholische Kirchengemeinde wird 1892 gegründet, welche 1928-1932 eine Kirche errichtet. Weißenhöhe kommt 1920 zur neugebildeten Republik Polen und 1939, mit der Eingliederung in den Reichsgau Danzig-Westpreußen, zurück ans Deutsche Reich. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 1.934 auf 2.455.

Lit.: Papstein, Herbert: Der Kreis Wirsitz. Ein westpreußisches Heimatbuch. Bad Zwischenahn
1973.
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Zoppot, Reg.-Bez. Danzig – Stadt zwischen der Danziger Höhe und der Danziger Bucht, etwa 13 km westlich von Danzig gelegen. Erstmalige urkundliche Erwähnung des Dorfes Zoppot 1283. Seit 1550 beliebter Aufenthaltsort reicher Danziger Bürger. Im polnischen Erbfolgekrieg 1733 niedergebrannt. Erste Badegäste 1814, Gründung des Ostseebades 1823 und damit beginnender Aufstieg des Ortes (aa819 307 Einwohner, 1871  2.180 Einwohner, 1904  11.328 Einwohner). Am 1. April 1902 Inkrafttreten des Stadtrechtes. Begründung der Waldoper 1909, die sich zu einer der bedeutendsten deutschen Festspielstätten entwickelt. Der Seesteg wird nach seiner Verlängerung auf 55o m zum längsten Seesteg an der Ostseeküste. Spätestens seit 1900 ist Zoppot eines der bekanntesten Ostseebäder. 1920 kreisfreie Stadt. 1943 beträgt die Einwohnerzahl 30.546 Einwohner. Am 23. März 1945 besetzt die Rote Armee die Stadt.

Lit.: Schultz, Fr.: Chronik der Stadt Seebad Zoppot. Hamburg 1976. – Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Schuch, Hans-Jürgen und Klaus Becker und Jutta Reisinger: Ostseebad Zoppot. Seit 90 Jahren Stadt. Ausstellung vom 4. Juli bis 3. Oktober 1992. = Begleitheft Nr. 21. Münster 1992.
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Zuckau, Kreis Karthaus – Papst Innozenz II. bestätigt dem Prämonstratenserstift St. Vincenz zu Breslau 1201 den Besitz der Jakobikirche zu Zuckau, an der Mündung der Stolpe in die Radaune. Auf Anweisung von Herzog Mestwin I. errichtet der Deutsche Orden in der Nähe des Ortes 1209 ein Nonnenkloster, das mit reichem Grundbesitz ausgestattet wird. Es nimmt Angehörige von pommerellischen Adeligen und des Herzogshauses sowie von Danziger Patrizierfamilien auf. Das Kloster wird 1224 durch die Pomesanier zerstört und danach nach Zuckau verlegt. Herzog Swantopolk II. verleiht dem Kloster 1260 die Marktgerechtsame und empfiehlt die Anlage einer Stadt. Ende des 13. Jahrhunderts entsteht nahe des Ortes eine deutsche Siedlung, deren Bewohner 1326 zu einer deutschen Gerichtsgemeinde zusammengefasst werden, woraus sich aber keine Stadt entwickelt.  Zuckau wird 1433 durch die Hussiten und im 13jährigen Krieg zerstört. Haupterwerbszweig ist die Landwirtschaft und 1749 werden eine Klostermühle, eine Hammer- und ein Sägewerk und eine Papierfabrik genannt. Zuckau kommt 1772 zur preußischen Provinz Westpreußen. Nach der Aufhebung des Klosters 1834 wird dessen Kirche katholische Pfarrkirche. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz (Strecke Praust – Zuckau – Karthaus – Lauenburg – Leba) erfolgt am 1. August 1886 (Abschnitt Praust – Zuckau) bzw. am 1. November 1886 (Abschnitt Zuckau – Karthaus). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind drei Viertel der  Einwohner Kaschuben. Zuckau kommt 1920 an die neugebildete Republik Polen und wird durch die Eingemeindung umliegender Güter und des Ortes Elisenhof wesentlich vergrößert.  Die Wiedereingliederung nach Deutschland erfolgte 1939 in den Reichsgau Danzig-Westpreußen. Von 1910 bis 1943 steigt die Einwohnerzahl von 1.379 auf 2.173 Einwohner.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Brauer, Wilhelm (Hrsg.): Der Kreis Karthaus. Ein westpreußisches Heimatbuch. Lübeck 1978. – Heidn, Willy: Die Ortschaften des Kreises Karthaus/Westpreußen in der Vergangenheit. Marburg/Lahn 1965.
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Zuckerfabrik in Kulmsee – In Verbindung mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes wird 1881 in Kulmsee eine Zuckerfabrik begründet, die sich zur größten ihrer Art in Westpreußen und wahrscheinlich in ganz Europa entwickelt. An der Aktiengesellschaft (AG) sind vor allem die örtlichen Landwirte beteiligt. 1882 wird der Betrieb mit einer Verarbeitungsleistung von bis zu 20.000 dz Rüben täglich aufgenommen. Nach einem Großbrand 1904 entsteht ein Werk mit verdoppelter Kapazität, das 1905 den Betrieb wiederaufnimmt. In der Kampagne 1924/25 werden 1,9 Mio. dz Rüben verarbeitet. Die größte  Zuckermenge wird 1912/13 mit 790.000 Zentnern erzielt.

Lit.: Lippky, Gerhard: Die Geschichte der Rübenzuckerindustrie in Westpreußen, Beiträge zur Geschichte Westpreußens, 6/1980, S. 85-154. - Der Westpreuße. 3. Jg., 1951, Nr. 5, S. 12.
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Beischlag – Ein seit dem 14. Jahrhundert nachweisbarer erhöhter Platz an der  zur Straße gerichteten Seite von Stadthäusern, der seit dem 17. Jahrhundert durch eine waagerechte steinerne Brüstung oder ein geschmiedetes Gitter abgeschlossen wird, über die gesamte Breite der Fassade geht und auch die Form einer Laube annehmen kann. Dieser Vorbau ist mit drei bis zehn Stufen gegen die Straße erhöht. Die Beischläge sollen den Hauseingang und das Erdgeschoss vor Überschwemmungen schützen. Auf ihm enden die Regenwasserrohre, die eine Form von teilweise künstlerisch ausgestalteten Wasserspeiern annehmen können. Beischläge finden sich in vielen niederdeutschen Küstenstädten. In einigen westpreußischen Städten erreicht der Beischlag eine hohe künstlerische Ausgestaltung mit einer monumentalen Formgebung, durch terrassenartige Erhöhung, teilweise mit einer Balustrade umgeben. Auf dieser Plattform finden sich dann oftmals Freibänke und Sitzplätze mit reichen Verzierungen. Ursprünglich als Holzkonstruktion, später aus Sandstein oder Ziegelstein gefertigt, wurden die schönsten Beischläge in der Renaissance gefertigt. In Danzig ist heutzutage die Frauengasse  berühmt für die Beischläge an ihren giebelständigen Bürgerhäusern. Beischläge gehören zu den Freisitzen.

Lit.: Dehio, Georg u. Ernst Gall: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Deutschordensland Preußen. München u. Berlin 1952. - – Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler West- und Ostpreußen: die ehemaligen Provinzen West- und Ostpreußen

(Deutschordensland Preußen) mit Bütower und Lauenburger Land. Vollständig neu bearbeitet von Michael Antoni. München, Berlin 1993. -  Gottfried Kiesow: Von Freitreppen und Bürgerstolz in Kulturgeschichte sehen lernen. Bd. 2, Monumente-Publikationen. Bonn 42005.
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Flissaken –  Zumeist polnische Flößer, die Holz mittels Traften (siehe dort) auf der Weichsel und ihren Nebenflüssen stromabwärts zu den Sägewerken im Bromberger und Thorner Gebiet und nach Danzig bringen. Ihre Zahl ist entsprechend der Bedeutung des Floßholzverkehrs auf der Weichsel vor dem Ersten Weltkrieg groß. Die Flissaken stammen zumeist aus den Herkunftsgebieten der Hölzer (u.a. Galizien, Russland). Beim Thorner Rathaus wurde ihnen zu Ehren ein Denkmal mit Brunnen errichtet.

Lit.: Der Westpreuße, 8. Jg., 1959, Nr. 13, S. 12. – Winkel, Richard: Die Weichsel. Leipzig 1939. – Freining, Franz u. Friedrich Prowe: Thorn in alten Ansichtskarten. Zaltbommel/Niederlande 1981.
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Haken –  Typisches Ackerwerkzeug der Prussen in der Vor-Ordenszeit, mit dem die Erde nur aufgerissen, die Scholle aber nicht gewendet wird. Große Bedeutung für die Wirtschafts- und Sozialverfassung und die Rechtsordnung (u.a. Maßeinheit für Abgaben).

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Kuhn, Walter: „Der Haken in Altpreußen“, in: Studien zur Geschichte des Preußenlandes, hrsg. von Ernst Bahr. Marburg 1963.
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Kociewie –  Zwischen Preußisch Stargard, Dirschau, Mewe und Neuenburg gelegener Landstreifen von etwa 30 km mal 42 km, in dem ein besonderer polnischer Dialekt gesprochen wird. Zuweilen polnisch fälschlicherweise mit dem Begriff Koschneiderei (siehe dort) gleichgesetzt.

Lit.: Przewodnik po Polsce. Sport i Turystyka. Warszawa 1971.
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Krug, Krüger –  Eine Schenke, die im Mittelalter eine große Bedeutung als Keimzelle des Marktes hat. Wichtiges Element innerhalb von Siedlungen. Die Wirte (Krüger) sind mit verschiedenen Privilegien, insbesondere der Braugerechtigkeit, ausgestattet.

Lit.: Ludat, Herbert: Vorstufen und Entstehung des Städtewesens in Osteuropa. Köln-Braunsfeld 1955. -
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Kulmer Pfennig –  In der Münzordnung der Kulmer Handfeste (siehe dort) von 1233 wird der Kulmer oder Preußische Pfennig zum alleingültigen Währungsmittel im Binnenhandel des Ordensstaates bestimmt und bleibt es bis 1370.. Das Gewicht dieser als Brakteat (einseitig geprägte Münze) hergestellten reinen Silbermünze entspricht einem Fünftel des Kölner Pfennigs, womit er der kleinste Pfennig im deutschen Wirtschaftsraum ist. Alle zehn Jahre sollten 14 alte gegen zwölf neugeprägte Pfennige ausgetauscht werden.

Lit.: Dost, Kurt: Münzen im Preußenland. Essen 1990. - Henatsch, Horand (Hrsg.): Kulm an der Weichsel. Stadt und Land im Wechsel der Geschichte 1232-1982. Bremervörde 1982. – Tietze, Gerhard (Hrsg.): Festschrift zur 725-Jahr-Feier der Stadt Kulm. Bremen 1957.
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Lischke –  Vom prussischen „liscis“ = „Lager“ abgeleitet. Organisch gewachsene Siedlung der Prussen mit stadtähnlichem Charakter und günstiger geographischer Lage (Marktzentren), die sich meistens zur Stadt entwickeln. Sie entstehen, teilweise nur temporär, im Schutz einer Ordensburg und werden von Krügern (siehe dort), Handwerkern und Kaufleuten bewohnt.
Im mundartlichen Gebrauch bedeutet Lischke auch ein Korb ohne Henkel.

Lit.: Ludat, Herbert: Vorstufen und Entstehung des Städtewesens in Osteuropa. Köln-Braunsfeld 1955. - Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck).
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Odry, Hügelgräber und Steinkreise –  Eindrucksvolles, nach den Himmelsrichtungen ausgerichtetes Hügelgräberfeld in der Tucheler Heide nahe Odry, Kreis Konitz. 1915 sind noch 18 Grabhügel und zehn  Steinkreise, kreisrunde Einfassungen  in zwei bis drei Meter Entfernung um die Hügelgräber, vorhanden. Die Grabhügel enthielten sowohl Brand- als auch Körpergräber und wurden anhand der Schmuckbeigaben in das 1. bis 3. Jahrhundert datiert. Das Hügelgräberfeld ist charakteristisch für die Weichselmündungskultur der ostgermanischen Goten und Gepiden.

Lit.: La Baume, Wolfgang: Die Hügelgräber bei Odry in der Tucheler Heide. Westpreußen-Jahrbuch. 7 (1957), S. 66-70. - Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981).
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Parowen –  Für das untere Weichselgebiet charakteristische Schluchten. In der Regel breite, bis zur Talsohle reichende Landschaftseinschnitte, die durch Schmelzwasser des sich zurückbildenden Inlandeises entstanden. Die trockenen, oder nur von kleinen Wasseradern durchflossenen Schluchten weisen einen naturbelassenen Pflanzenbewuchs auf.

Lit.: Der Westpreuße, 2. Jg., 1950, Nr. 11, S. 9.
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Pilzfabrik in Bruß – Von den Italienern Galiano und Gay nach dem Ersten Weltkrieg in dem Dorf Bruß, Kreis Konitz, eingerichtet. Jährlich werden 200.000 kg. Pilze verarbeitet, die hauptsächlich aus den Kreisen Tuchel, Berent und Konitz stammen. Es soll der größte Betrieb seiner Art in Europa sein.

Lit.: Der Westpreuße, 21. Jg., 1970, Nr. 21, S. 6.
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Schwedenschanzen –  Mit „Schwedenschanze“ oder „Schlossberge“ werden im Volksmund die aus Erde oder Sand aufgeschütteten  vorordenszeitlichen Erdwälle von z.T. großer Mächtigkeit bezeichnet. Diese Burgwälle werden in der Zeit von 750 bis 1000 n. Chr. von den Prussen und Slawen errichtet. Sie sind den jeweiligen Örtlichkeiten angepasst, so dass sich unterschiedliche Typen (z. B. Ringwälle, Burgberge, Abschnittswälle) unterscheiden lassen. Sie dienen zum überwiegenden Teil als Fliehburgen für die in der Umgebung siedelnde Bevölkerung bei kriegerischen Auseinandersetzungen. Teilweise befindet sich in ihnen auch der Wohnsitz der herrschenden Adelsfamilie. Besonders interessante Burgwälle finden sich z.B. bei Lenzen und Tolkemit im Kreis Elbing, auf den Höhen südlich und nördlich des Netzetales und nahe dem Böthinsee im Kreis Deutsch Krone.

Lit.: Dorr, Robert: Westpreußische Burgwälle. In: Kafemanns Heimatkunde: Die Provinz Westpreußen in Wort und Bild, Teil II, Seite  397-404, Danzig 1915.
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Tabakanbau – Von holländischen Siedlern vor etwa 200 Jahren im Weichseltal eingeführt. Die Hauptanbaugebiete liegen in den Kreisen Marienwerder und Stuhm, wo er von größerer wirtschaftlicher Bedeutung ist. Kleinere Anbauflächen gibt es in den Kreisen Briesen, Thorn, Graudenz und Kulm. Die Anbaufläche beträgt 1943 etwa  56.000 ar, die Ernte etwa 27.800 Zentner. Der ursprüngliche Anbau von Tabaksorten für Schnupftabak wird um 1900 auf den Anbau von Bauerntabak für die Verwendung als Pfeifentabak umgestellt. Bereits 1890 schließen sich die Tabakbauern in den Kreisen Marienwerder und Stuhm in einer Tabakgenossenschaft zusammen.

Lit.: Weise, Erich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Stuttgart 1966 (unveränderter Nachdruck 1981). – Krieger, Günther: Der Tabakanbau in Westpreußen. 35(1985), S. 76-86.

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