Der Westpreuße Unser Danzig

Beitrag aus DER WESTPREUSSE Nr. 12 – Dezember-Ausgabe v. 06.12.2008:

Gedanken zum Jahreswechsel
im Rückblick und im Ausblick
 


Siegfried Sieg 2008Wir erinnern uns: Vor 90 Jahren, im November 1918, endete der Erste Weltkrieg. Der von den Siegermächten danach verkündete Versailler Vertrag brachte für Westpreußen einen großen, gravierenden Einschnitt in die Landesgeschichte: die Vierteilung des Landes und damit das Ende der seit 1773 bestehenden preußischen Provinz an der Weichsel. Mit Flucht und Vertreibung und dem Verlust der Heimat als Folgen des zweiten großen Krieges des 20. Jahrhunderts endete dann schließlich 1945 die über 700 Jahre währende deutsche Siedlungs- und Kulturgeschichte im Land am Unterlauf der Weichsel. Die Verbundenheit der Westpreußen zu ihrer Heimat, zum Land ihrer Vorfahren, blieb dennoch, trotz aller Widrigkeiten und der Not in den ersten Nachkriegsjahren, bestehen. Seither haben sich die Zeiten gewandelt. Am Bekenntnis zur Heimat halten die Westpreußen ungeschmälert fest.

Im Jahre 1949, dem Jahr der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und nur wenige Jahre nach Kriegsende, gründeten heimatbewusste Persönlichkeiten aus Westpreußen die Landsmannschaft Westpreußen. Neben den damals aktuellen Problemen der Integration der vertriebenen Westpreußen im daniederliegenden Nachkriegsdeutschland widmete sich die Landsmannschaft von Anfang an auch der verpflichtenden Aufgabe der Bewahrung des geschichtlich-kulturellen Erbes Westpreußens. Die Gründung einer Kulturstiftung – heute Kulturstiftung Westpreußen – und der Aufbau des Westpreußischen Landesmuseums in Münster sind beredtes Zeugnis für erfolgreiche Arbeit. Nach nunmehr 60 Jahren hat diese zentrale Aufgabe der Landsmannschaft Westpreußen nichts an Bedeutung verloren. Im Gegenteil: Nach der politischen Wende in Osteuropa konnte diese Aufgabe erweitert werden. Mit der grenzüberschreitenden Kulturarbeit leistet die Landsmannschaft Westpreußen gemeinsam mit ihrer Kulturstiftung und dem Westpreußischen Landesmuseum heute ihren Beitrag zum besseren Verständnis  der Geschichte zwischen Deutschen und Polen.

Im kommenden Jahr wird die Landsmannschaft Westpreußen nun ihr 60jähriges Bestehen begehen können. Aus diesem Anlass wird am 6. Juni 2009 im Erbdrostenhof zu Münster eine festliche Veranstaltung stattfinden, zu der Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert seine Zusage als Hauptredner gegeben hat. Das 60jährige Bestehen darf uns durchaus zum Rückblick auf Geleistetes veranlassen, der Blick muss aber sehr viel mehr in die Zukunft gerichtet werden. Die Bedingungen für landsmannschaftliche Arbeit sind heute zweifellos andere als vor 60 Jahren. Sie haben sich in den zurückliegenden Jahrzehnten gewandelt – sowohl in der politischen als auch in der innerverbandlichen Betrachtung. Die Frage nach der Zukunft der Landsmannschaft, 60 Jahre nach ihrer Gründung, stellt sich und wird von uns zu beantworten sein.

Mit unseren Danziger Landsleuten und dem Bund der Danziger verbinden uns die gemeinsamen geschichtlich-kulturellen Wurzeln unserer Heimat, die bis in die Zeit des Mittelalters zurückreichen. Danzig war die Provinzhauptstadt, war die wirtschaftliche und die kulturelle Metropole des Landes. Die Danziger sind im historischen Kontext gleichermaßen Westpreußen wie die Elbinger oder die Thorner Landsleute. Es kann nur begrüßt werden, dass beide Landsmannschaften zukünftig verstärkt kooperieren wollen. So wird die Zeitung Unser Danzig ab Januar 2009 in die Zeitung  Der Westpreuße übergeleitet werden. Das Profil unserer Zeitung wird dieser Veränderung Rechnung tragen, auch im neugestalteten Zeitungskopf. Der Leserkreis unserer Zeitung wird sich vergrößern – Westpreußen mit Danzig gestärkter in der Öffentlichkeit präsent sein können.

Das Jahr 2009 wird schließlich auch die Umsetzung des vom BdV initiierten Projektes Zentrum gegen Vertreibungen bringen. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung für das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin (!) liegt vor. Die von den Landsmannschaften geforderte angemessene Beteiligung der Vertriebenen in den Stiftungsgremien ist mit drei Mitgliedern im vorgesehenen Stiftungsrat zufriedenstellend im Gesetz berücksichtigt worden. Es bleibt nun die Hoffnung, dass das Schicksal der Millionen vertriebener Ostdeutscher und die Geschichte der Deutschen aus dem Osten im neuen Dokumentationszentrum angemessen berücksichtigt und in die konzeptionelle Ausgestaltung überzeugend einfließen werden. Es wird sehr darauf ankommen, dass das  in der Koalitionsvereinbarung beschlossene  Sichtbare Zeichen  dann auch (im wörtlichen Sinne!) verwirklicht wird.  Dabei gilt es auch, Westpreußen mit seinem geschichtlich-kulturellen Erbe und dem Schicksal seiner Menschen einzubeziehen und es als Bestandteil der gesamtdeutschen Geschichte und Kultur zu bewahren und den zukünftigen Generationen zu vermitteln.

Allen ehrenamtlichen Mitarbeitern, allen wohlwollenden Spendern sei am Ende des Jahres 2008 für ihren Einsatz, für ihre Unterstützung der landsmannschaftlichen Arbeit herzlich gedankt. Ich wünsche allen Lesern, allen Landsleuten und Freunden Westpreußens  ein gutes und erfolgreiches Neues Jahr 2009.

Siegfried Sieg
Bundesvorsitzender