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Betrachtungen zum Jahreswechsel – Rückschau und Ausblick
Das Jahr 2006 neigt sich mit seinen schnelllebigen Dezember-Tagen seinem Ende zu. Es gilt, wie alljährlich, aus landsmannschaftlicher Sicht Bilanz zu ziehen und gleichzeitig den Blick auf das kommende, das neue Jahr zu richten.
Mit der Berliner Ausstellung der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen unter dem Titel “Erzwungene Wege” konnten die Folgen von leidvoller Flucht und völkerrechtswidriger Vertreibung millionenfach betroffener Menschen in Deutschland und in der Welt einer breiten Öffentlichkeit ins Bewusstsein gerückt werden. Die Resonanz in den Medien war überwiegend positiv. Polemische Kommentare, unzutreffende Unterstellungen aus der Republik Polen gegenüber den Ausstellungsinitiatoren konnten den Erfolg der Ausstellung nicht schmälern. Es bleibt zu hoffen, dass mit der Berliner Ausstellung nun die Basis für ein zu errichtendes Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin geschaffen werden konnte. Die Bundesregierung ist mit ihrer Festlegung, in Berlin “ein sichtbares Zeichen” (im Verständnis eines Zentrums) zu schaffen, nun im Wort, der Regierungserklärung der Kanzlerin auch “sichtbare Taten” folgen zu lassen.
Zu begrüßen ist ausdrücklich, dass durch die neue Bundesregierung im Jahre 2006 die staatlichen Fördermittel für die kulturelle Breitenarbeit der Landsmannschaften nach den jahrelang erfolgten Kürzungen der Vorgängerregierung endlich wieder aufgestockt wurden. Das hat unsere Landsmannschaft in die Lage versetzt, die beiden geplanten zentralen Kulturveranstaltungen des Jahres 2006, das Travemünder Kulturseminar im August (gemeinsam mit dem Bund der Danziger) und den Westpreußen-Kongreß im September in Herford erfolgreich durchzuführen. Verstärkte Fördermaßnahmen wurden für 2007 in Aussicht gestellt – das lässt auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für unsere Kulturarbeit hoffen.
Mit großer Zufriedenheit haben wir in unserer Kulturstiftung Westpreußen die Entscheidung des Kulturstaatsministers Bernd Neumann, aus Elbing stammend, entgegengenommen, unser Westpreußisches Landesmuseum am Standort Münster zu belassen und nicht nach Lüneburg zu verlagern. Mit dieser positiven Entscheidung verbunden ist die Bewilligung von staatlichen Fördermitteln des Bundes für den lange geplanten Um- und Ausbau des Museums im Schloss Drostenhof zu Münster-Wolbeck. Auch das Land Nord-rhein-Westfalen hat Fördermittel für unser Museumsprojekt bewilligt. All das erfüllt uns mit neuer Zuversicht. Mit Beginn des neuen Jahres kann nun endlich unser Museum nach zeitgemäßen museumsdidaktischen Erfordernissen umgebaut und ausgestaltet werden. Mit dieser Perspektive können wir nach den jahrelangen Bemühungen unserer Kulturstiftung Westpreußen nun dem neuen Jahr 2007 durchaus optimistisch entgegenblicken.
Ein Wort des Dankes geht an alle Landsleute und Freunde Westpreußens, die unsere Aktion 2005/2006 zum Aufbau eines “Zukunftsfonds Westpreußen” mit ihrer individuellen Spende maßgeblich unterstützt haben. Mit dem geschaffenen Kapitalgrundstock soll die Zukunftssicherung der landsmannschaftlichen Arbeit für Westpreußen über eine zu gründende Stiftung mitgetragen und mitfinanziert werden. Hier eröffnet sich eine neue Perspektive für die Fortsetzung unserer landsmannschaftlichen Arbeit.
Neue, andere Herausforderungen künden sich jedoch an – die “Zeichen der Zeit” sind unübersehbar: Die Angehörigen der sogenannten “Erlebnisgeneration”, die die ehrenamtliche landsmannschaftliche Arbeit über die Jahrzehnte seit Bestehen der Landsmannschaft Westpreußen sehr erfolgreich geprägt haben, scheiden mehr und mehr aus der aktiven Arbeit aus. Ihnen allen gebührt für ihre verdienstvolle Tätigkeit unser großer Dank! Der zu registrierende Mitarbeiter- und auch Mitgliederrückgang in unseren Gruppierungen hat wiederum auch Auswirkungen auf die finanziellen Grundlagen für die landsmannschaftliche Arbeit. Der Bundesvorstand der Landsmannschaft Westpreußen hat die Dringlichkeit der personellen wie auch der finanziellen Zukunftssicherung der landsmannschaftlichen Arbeit auf die Tagesordnung gesetzt und wird sich in einer eigens einberufenen Klausurtagung den drängenden Fragen der Fortführung der Arbeit zuwenden und Lösungswege suchen müssen. Es geht um viel – es geht um unsere Heimat Westpreußen und die Bewahrung und Vermittlung des Anteils des historischen deutschen Ostens an der gesamtdeutschen Geschichte und Kultur. Hoffen wir auf eine gute und erfolgreiche Fortsetzung unserer Bemühungen im neuen Jahr 2007. Hoffen wir aber auch weiterhin darauf, dass die Aufgaben und die sich daraus ergebenden Verpflichtungen für Westpreußen angemessen wahrgenommen und erfüllt werden können. Tragen wir miteinander dazu bei – bleiben wir unserer Heimat im Weichselland verbunden!
Allen Landsleuten und Freunden Westpreußens wünsche ich für die kommenden festlichen Tage eine frohe Zeit. Darüber hinaus wünsche ich Glück, Zufriedenheit. Gesundheit und Wohlbefinden und ein friedvolles Jahr 2007.
Mit landsmannschaftlichen Grüßen verbleibe ich
Ihr
Siegfried Sieg Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Westpreußen
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