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Heinrich Eichen
geb. 15.08.1905 in Bonn, Buchhändler, lebte von 1912 bis 1945 in Elbing, später in Berlin. Er starb am 30.05.1986 auf einer Reise in Odendorf. Er veröffentlichte die Gedichtsammlungen “Die stille Straße” (1930), “Das Fähnlein weht im Wind” (1931), “Neue Ufer” (1932), die Erzählung “Kleine Reise in den Frühling” (1934), “Gesang der Plastik. Sonette zu den Werken von Georg Kolbe” (1957) und eine Reihe von Laienspielen. Außerdem schrieb er Beiträge für verschiedene Zeitungen, auch für das “Ostpreußenblatt” und DER WESTPREUSSE, und verfasste das Gedicht “Abends treten Elche aus den Dünen”, das vertont nahezu zum Volkslied wurde.
Paul Enderling
geb. 22.4.1880 in Danzig, gest. 16.1. 1938 in Stuttgart, schrieb Romane, Erzählungen und Schauspiele und übersetzte japanische Novellen und Gedichte. Einige seiner Romane sind: “Am Fuße des Berges” (1912), ein Berliner Bohème-Roman; “Zwischen Tat und Traum” (1913), ein Hamburger Roman; “Fräulein” (1920), ein Danziger Roman. Enderling ist auch der Dichter der Danziger Hymne “Das ist die Stadt am Bernsteinstrand”.
Franz Erdmann
Dr. phil., geb. 10.9.1898 in Neustadt/Westpr., gest. 11. 3. 1963 in Lübeck, studierte in Breslau, lebte von 1924 bis 1945 als Studienrat in Danzig, dann in Lübeck. Er schrieb Dramen, Erzählungen, Romane und Lyrik. Sein Drama “Pidder Lüng” wurde 1939 in Danzig uraufgeführt, “Der Brief des Königs” 1956 in Iserlohn. Für das Schauspiel “Gottes Mühlen mahlen” (1942) erhielt er den Preis des Stadttheaters Elbing. Von seinen sonstigen Werken seien als einige Beispiele genannt: Das Schauspiel “Die Füße im Feuer” (1944), der Roman “Die Flucht ins Glück” (1950), die Erzählung “Der Fremde” (1951) und die Gedichtsammlung “Am Wegkreuz” (1944). Aus einem weiteren Roman, der damals im Entstehen war, druckte DER WESTPREUSSE (1957) ein Kapitel ab. Auch der Rundfunk brachte in den 50er Jahren verschiedene Hörspiele, Gedichte und Vorträge von ihm. Erdmann war auch regelmäßiger Mitarbeiter des Danziger Hauskalenders, des Westpreußen-Jahrbuches und von DER WESTPREUSSE.
Elsa Faber von Bockelmann
geb. 4.2.1890 in Danzig, nach 1945 in Helmstedt ansässig, gest. 4. 11. 1980 in Göttingen, ist als Märchenerzählerin bekannt geworden. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg zog sie als Märchenerzählerin durch Ostpreußen. “Fern dem Alltag. Aus dem Tagebuch einer Märchenfrau” (1925) sind ihre Erinnerungen an diese Zeit. An Märchensammlungen veröffentlichte sie “Märchen” (1922), “12 Märchen für Kinder” (1928) und “Danziger Märchen” (1940). In “Danzig-Vineta” schildert sie ihre Erinnerungen an die Endkämpfe um Danzig 1945 und an die Flucht.
Johann Daniel Falk
geb. 26.10.1768 in Danzig, gest. 14.2.1826 in Weimar, ist als Verfasser der ersten Strophe des Weihnachtsliedes “O du fröhliche...” und des Schifferliedes “Wie mit grimm’gem Unverstand” bekannt. Doch war er vor allem Satiriker, gab unter anderem 1797 bis 1803 das “Taschenbuch für Freunde des Scherzes und der Satire” heraus. Seit 1798 lebte er, zunächst als Privatgelehrter, später als Legationsrat, in Weimar, wo er eine Zeit lang Goethe sehr nahe stand. Seine Aufzeichnungen über Goethe erschienen nach dessen Tode als erstes Buch über ihn. 1805 erschien sein autobiografischer Roman “Leben, wunderbare Reisen und Irrfahrten des Johannes von der Ostsee”. – Falk war Philanthrop, er gründete die “Gesellschaft der Freunde in der Not” und nahm sich vor allem der verwahrlosten Kinder an. 1998, zu Falks 230. Geburtstag , wurde die Gesellschaft in Weimar wiederbegründet. Auch Falks Denkmal in Weimar und sein Grab auf dem historischen Friedhof wurden in den 1990er Jahren restauriert.
Paul Fechter
Dr. phil., geb. 14.9.1890 in Elbing, lebte als Journalist, Literaturhistoriker und Dichter in Berlin, wo er am 9.1.1958 gestorben ist. Einige seiner Romane, die vielfach in Westpreußen spielen, sind: “Das wartende Land” (1931), “Die Fahrt nach der Ahnfrau” (1936) und “Die Gärten des Lebens” (1938). Ferner schrieb er das Drama “Der Zauberer Gottes” (1940) und das Lustspiel “Die zweite Heimat” (1941). 1954 veröffentlichte er seine Jugenderinnerungen unter dem Titel “Zwischen Haff und Weichsel”. Sein letztes Werk, eine große Theatergeschichte, ist unvollendet geblieben.
Anmerkung der Redaktion: Von den meisten der genannten Autoren sind im deutschen Buchhandel aktuell keine Bücher lieferbar. Eine Ausnahme bilden: Heinrich Eichen: Die Elchbraut. Eine Erzählung von der Kurischen Nehrung. Husum-Verlag, TB, 5,95 Euro, ISBN 3-88042-280-X. Paul Fechter: Der Zauberer Gottes. Eine Komödie. Rautenberg-Verlag, geb., 12,90 Euro, ISBN 3-8003-3066-0. Bei Interesse können Sie die genannten Bücher nicht nur über jede Buchhandlung in Ihrer Nähe beziehen, auch der Buchversand der Landsmannschaft Westpreußen kann Ihnen die Bücher gern besorgen: Zu den genannten Preisen kommen dann die Kosten für Porto und Verpackung hinzu.
Hoffnung
Von Franz Erdmann
Immer raunen in Traumesnächten Gute Geister mir leise ins Ohr: Warte, auch dir wird einst wiedergegeben, was das Herz einst in Schmerzen verlor.
Immer stehen in Traumesnächten Jugend und sehnsücht’ge Liebe auf, und in alten beschworenen Bildern steigt die verlorene Heimat herauf.
Immer noch rollen die schäumenden Wogen an den meilenweit einsamen Strand, schläft noch weit hinter Kiefernwäldern Moor und Heide und grünendes Land.
Immer noch grüßen mich Hügel und Berge, singt noch im Frühling die Amsel ihr Lied, taucht in des Meeres schimmernde Fluten abends die Sonne, die lodernd verglüht.
Immer noch ragen Tore und Türme Über die geisterhaft schweigende Stadt, sucht das Herz noch die dämmernden Gassen, Schätze, die lang es verloren schon hat.
Wie auch die Jahre kommen und gehen, stiller das Herz und grauer das Haar, einmal werden wir wiedersehen, was unsres Lebens Glückseligkeit war.
Sankt Marien in Elbing
Von Heinrich Eichen
Goldne Abendwölkchen knien, Wo des Tages Glanz versinkt; Auf dem First von Sankt Marien Letztes Sonnenflimmern blinkt.
Aus den grauen Mauerfalten Kriecht der Dämmerung matter Schein Zögernd aufwärts zu dem alten Dach und schlummert leise ein.
Sanfte Träume ferner Zeiten, In der Dunkelheit erwacht, Um die müde Kirche gleiten Und verwehen in der Nacht.
Aus “Zwischen Haff und Weichsel”
Von Paul Fechter
Einmal aber geschah es auch, ich ging schon zur Schule: da war ich schlittschuhlaufend auf dem Eis des Elbing eingebrochen und bis zum Bauch völlig durchnässt wieder herausgekrabbelt. Es war peinlich; Mutter war nicht für Unternehmungen mit Lebensgefahr – was tun, damit sie nichts merkte? Ich überlegte, aber nur einen Moment: dann hatte ich abgeschnallt und lief naß und kalt das Stückchen Brandenburger Straße von der Waschbank bis zu Frau Schreiber hinauf und beichtete. Sie besah mich und dann sagte sie nur: “Na, denn lej dir man ins Bett, sonst wirste kalt und verkühlst dir! Ich wer’s Büjeleisen heiß machen und mach dir die Sachen wieder trocken; wenn’s die Mutter merkt, denn pucht se! Lej dir man hin!”
Die ganze Lebensvernunft einer alten Frau lag in den wenigen Worten – und ich gehorchte, zumal mir kalt geworden war, ohne weiteres. Ich zog mich nackt aus und kroch bis an den Hals unter Frau Schreibers dickes, schweres Federbett, wo mir bald herrlich warm wurde – und die gute alte Frau stand in der Küche, tat die noch glühenden Holzkohlen aus dem Herd in das große Bügeleisen, das noch aus der Zeit stammte, da sie für Großmutter die Wäsche bügeln konnte. Und dann beseitigte sie aus Hemd und Strümpfen, Jacke und Hose die Spuren der allzu nahen Berührung mit dem winterlich kühlen nassen Element. Ich lag im Dunkeln und hörte sie nebenan hantieren; ich sah das Licht draußen vor den kleinen Fensterscheiben mit den Geranientöpfen davor dunkler und dunkler werden und fühlte mich nackt und warm und behaglich, so dass ich es fast bedauerte, als Frau Schreiber mit der kleinen Lampe kam und meine herrlich trockenen und angewärmten Kleidungsstücke hereinbrachte. “Na, dann zieh dir man wieder an, sonst kömmste zu spät nach Hause, und denn ängsticht de Mutter sich und merkt am End’ doch was.”
Ich sehe – ach, es ist noch so vieles, was da an Leben um diese Frühzeit war -, wie es um Unzählige gewesen ist, die in dieser herrlich dichten Welt des deutschen Ostens aufwachsen durften. Unzählige haben als Kinder die Winter und Sommer des Ostens mit ihrem Glanz und ihrer Klarheit erlebt.; das Glück des Kindseins in einer Welt, die noch richtig und unzerstört aus dem Richtigen, dem natürlichen Zusammen der Menschen im Guten wie im Bösen lebte: Erinnerungen sind kein Katalog und keine Registratur verschollener Wirklichkeiten: sie sind etwas, das zugleich andere erinnern soll an Gleiches und Ähnliches – und damit ein Stück Vergangenheit beschwören, das wert ist, bewahrt und als ständige Mahnung vor neue Geschlechter gestellt zu werden.
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