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Hansulrich Röhl
geb. 17. 12. 1903 in Bütow (Pommern), von 1912 bis 1945 in Danzig, anfangs Lehrer, später Leiter der Danziger Volksbücherei, nach dem Krieg in Stade tätig. Er schrieb Erzählungen, Gedichte, Schauspiele und eine Reihe von Hörspielen. Einige seiner Werke sind: “Draußen im Dorf”, eine Sammlung von Gedichten und Geschichten (1938), das Schauspiel “Brachacker” (1944) und die Komödie “Der große Irrtum” (1947).
Albrecht Schäffer
geb. 6. 12. 1885 in Elbing, gest. 4. 12. 1950 in München, kam bereits mit vier Jahren mit seinen Eltern nach Hannover, wo er aufwuchs. Erst nach 40 Jahren kam er besuchsweise wieder nach Elbing. Den Eindruck, den er von einem Besuch der Marienburg empfing, schildert er in untenstehendem biografischen Aufsatz. Die Jahre 1938-1945 verbrachte er in Nordamerika (nach Deutschland kehrte er im Herbst 1950 zurück). Schäffers große schöpferische Kraft erwies sich auf den verschiedensten Gebieten, er schrieb zahlreiche Romane, Erzählungen, Bühnendichtungen und Gedichte, sowie auch Parabeln, Essays und ein religionsgeschichtliches Werk.
Seine Stoffe entnahm er der Antike und dem Mittelalter wie auch der Neuzeit. Von seinem umfangreichen Gesamtwerk seien nur als einige wenige Beispiele genannt: Die Gedichtbände “Attische Dämmerung” (1914), “Heroische Fahrt” (1914), “Enak” (1948), die Erzählungen und Novellen “Joseph Montfort” (1918), “Gudula” (1918), “Das Prisma” (1925), die Romane “Helianth” (1920/21), “Cara” (1936), “Rudolf Ezerum” (1943), “Janna du Coeur” (1950), “Der Auswanderer” (1950), und der Versroman “Parzival” (1922).
Paul Scheerbart
geb. 1. 1. ( 8. 1.?) 1863 in Danzig, gest. 14. 10. 1915 in Berlin, studierte orientalische Philosophie und Kunstgeschichte, schrieb eine Reihe von phantastischen, humorvollen Romanen, denen jedoch allen ein tiefer Ernst zu Grunde liegt. Er wurde zu seiner Zeit sehr beachtet und anerkannt. Der bekannte Verleger Ernst Rowohlt hat mit der Veröffentlichung von Scheerbarts “Katerpoesie” (1909) seinen Verlag in Leipzig begründet. Von Scheerbarts sonstigen Werken seien in Auswahl genannt: “Tarub, Bagdads berühmte Köchin”, ein arabischer Kulturroman (1897); “Rakkox der Billionär und die wilde Jagd” (1900); “Die Seeschlange”, ein Seeroman (1901); “Die große Revolution”, ein Mondroman (1901); “Immer mutig!”, ein phantastischer Nilpferdroman (1902); “Der Kaiser von Utopia”, ein Volksroman (1904); “Münchhausen und Clarissa”, ein Berliner Roman (1906), “Lesabendio” (1913), ein Asteroidenroman.
Thassilo von Scheffer
Dr. phil., Privatgelehrter, geb. 1. 7. 1873 in Pr. Stargard, gest. 27. 11. 1951 in Berlin, hat neben zahlreichen Werken über das klassische Altertum und einem Werk über Religionsphilosophie verschiedene Lyriksammlungen veröffentlicht. Anfangs vom Volkstum ausgehend, zeigt seine Lyrik später den Hang zur Mystik. 1896 erschien sein Gedichtbuch “Stufen”, 1898 “Seltene Stunden”, 1898 “Die Eleusinien”, 1934 das Epos “Die Kyprien” u. a.
Käthe Schirmacher
Dr. phil., geb. 6. 8. 1865 in Danzig, gest. 18. 11. 1930 in Meran, war eine der Vertreterinnen der Frauenbewegung, über die sie auch verschiedentlich geschrieben hat. Neben pädagogischer, nationalökonomischer und literarpolitischer Tätigkeit ist sie außerdem dichterisch hervorgetreten mit dem Jugendbuch “Danziger Bilder” (1907), der Novelle “Die Liber-tad” (1891) und dem Roman “Halb” (1893). Nach dem Studium in Paris und Zürich lebte sie in Liverpool, wieder in Paris, dann ab 1910 in Mecklenburg, ab 1918 wieder in Danzig. 1919 war sie Abgeordnete für Westpreußen in der Deutschen Nationalversammlung in Weimar.
Edeltraud Schmidt von Papenhagen
geb. 25. 9. 1902 in Danzig, gest. 26. 6. 1973 in Nideggen bei Düsseldorf. Aufgewachsen in Thorn lebte sie nach 1945 als Malerin und Schriftstellerin in Düsseldorf. Ihre literarischen Gebiete waren Lyrik, Erzählung und Bühnendichtung, wo sie immer wieder westpreußische Motive aufgriff, so in dem zeitgenössischen Drama “Ketthart”. Wahrscheinlich ist sie 1958 die Autorin dieser Zusammenstellung westpreußischer Dichter und Schriftsteller gewesen. Sie war auch Mitarbeiterin am Westpreußen-Jahrbuch.
Anmerkung der Redaktion:
Von den meisten der genannten Autoren sind im deutschen Buchhandel aktuell keine Bücher lieferbar.
Eine Ausnahme bilden:
Albrecht Schaeffer: Helianth. Bilder aus dem Leben zweier Menschen nach der Jahrhundertwende. 3 Bände. (Weidle) 1995. Leinen, 1896 S., 84 Euro, ISBN 3-931135-14-4.
Paul Scheerbarts “Gesammelte Werke in zehn Bänden” gibt die Edition Phantasia heraus. Band 7 enthält Novellen, Band 4 Romane.
Anke Walzer: Käthe Schirmacher. Eine deutsche Frauenrechtlerin auf dem Weg vom Liberalismus zum konservativen Nationalismus. (Centaurus) 1991. 200 S., 14,32 Euro, ISBN 3-89085-399-4.
Heimkehr der Fischer
Von Hansulrich Röhl
Sie lassen froh die braunen Segel sinken Und bergen Boot und Fang auf spätem Strand, Schwer schreiten Frauen über fahlen Sand, In dessen Weite schmucke Hütten winken.
Kein lauter Gruß fällt in die Schweigerunde: Ein Händedruck sagt mehr als flücht'ges Wort! Sie gehn und kommen. Müssen wieder fort – Ja, jede Heimkehr birgt schon Abschiedsstunde.
In sanften Farben steht des Himmels Helle Erlöschend mählich über Mensch und Meer, Ein früher Stern blinkt auf von ungefähr Und lächelt zärtlich müdem Spiel der Welle...
Aus: “Im Schatten der Marienburg”
Von Albrecht Schäffer
Freunden, die mich fast wider meinen Willen dazu brachten, von Elbing aus die nahe Marienburg zu besuchen, danke ich es seitdem, dass mir dieser Anblick und seine unvergängliche Wirkung zuteil wurde. Unbehaglich wäre es mir sicher gewesen, aus Preußen zurückzukehren als aus einem fremden Land, in dessen grenzenlosem Raum, verloren und unbestimmt und gleichgültig, irgendwo hinter mir auch die Stätte blieb, wo ich zur Welt kam. Nun aber lag und liegt immerdar über dieser Stätte der Schatten der Burg, dieses gewaltigen Bauwerks, das nicht seinesgleichen in Deutschland hat. Unvergesslich immer ragen vor mir ihre langen Mauern, die Türme und die Palmenschäfte in ihren Remtern. Nun ist sie in mein Leben einbezogen, ein Werk mächtiger Lebendigkeit, geheimnisvoll mein – nur durch das Geborensein in ihrer heiligen Nähe. Und heute noch, wann immer ihr Bild mir erscheint, empfinde ich das goldene Erschrecken, mit dem ich inmitten ihrer riesigen und eckigharten, kriegerischen und männlichen Mauern und Maße nordischer Bauart die edle Palme des Südens stehen sah, eingepflanzt und als Trägerin lebendig verbunden durch die Bildnerhände vom Rhein. So wie die Bauleute wohl vieler deutscher Stämme an der Ordensburg ihre Künste bauend verflochten, so schien mir das ganze Deutschland in ihrer hohen Gestalt geistig versammelt. Sehr einfach – und dennoch tief beglückend – die Erkenntnis, die mir die Burg erteilte – mir, der bis dahin nicht wusste, wo er geboren war: Ich war in Deutschland geboren.
Die gebratene Ameise
Von Paul Scheerbart
Bei den fleißigen Ameisen herrscht eine sonderbare Sitte: Die Ameise, die in acht Tagen am meisten gearbeitet hat, wird am neunten Tage feierlich gebraten und von den Ameisen ihres Stammes gemeinschaftlich verspeist.
Die Ameisen glauben, dass durch dieses Gericht der Arbeitsgeist der Fleißigsten auf die Essenden übergehe.
Und es ist für eine Ameise eine ganz außergewöhnliche Ehre, feierlich am neunten Tage gebraten und verspeist zu werden. Aber trotzdem ist es einmal vorgekommen, dass eine der fleißigsten Ameisen kurz vorm Gebratenwerden noch folgende kleine Rede hielt:
“Meine lieben Brüder und Schwestern! Es ist mir ja ungemein angenehm, dass ihr mich so ehren wollt! Ich muss euch aber gestehen, dass es mir noch weit angenehmer sein würde, wenn ich nicht die Fleißigste gewesen wäre: Man lebt doch nicht bloß, um sich totzuschuften!”
“Wozu denn?” schrien die Ameisen ihres Stammes – und sie schmissen die große Rednerin schnell in die Bratpfanne – sonst hätte dieses dumme Tier noch mehr geredet.
Aus: “Immer mutig”
Frühlingsvision
Von Edeltraut Schmidt von Papenhagen
Grau hängt der Himmel überm Land, das weiße Grabtuch noch umspannt, jedoch kein frisches Linnen. Aus Rissen und aus Löchern schaut Der Maulwurfsberg und Besenkraut Wie naher Hoffnung Zinnen.
Am Mast ein leichter Wind aufspringt, der Telegrafendraht ihn dünkt als einer Geige Saite. Er streicht darüber, bis sie klingt – Ist's nicht, als ob ein Vogel singt? Ein Traumbild löscht die Weite –:
Dem Auge weicht der graue Dunst, die Sonne zeigt sich voller Gunst, den Schnee auftrinkt die Erde und treibt empor die grüne Saat - Ich fühl's: Dem “Stirb!” der Meister naht Und siegt mit seinem “Werde!”.
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