|
Wie in den Vorjahren fand auch 2007 in Thorn eine Herbstkonferenz der deutschen Vereine im Heimatgebiet Westpreußen statt. Es gab wieder viel von einander zu lernen und miteinander zu besprechen. Die vorgesehene Zeit reichte nicht für alle Programmpunkte aus. Die Konferenz wurde von Helmut Kurowski, Thorn, geleitet. Die Grüße des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland in Danzig überbrachte der Kulturattache Mark Strohmeger, die der Landsmannschaft Westpreußen Stellvertretender Bundesvorsitzender Hans-Jürgen Schuch. Vom Bundesvorstand der Landsmannschaft Westpreußen sprach Martin Stender über das Thema: „Die Bedeutung der deutschen Sprache in der Arbeit der deutschen Vereine im unteren Weichselland, bei Kinderbildung und in der Öffentlichkeit.“ Der Referent betonte die hohe Wichtigkeit der Muttersprache und die Schwierigkeit, sie als Minderheit im Alltag zu pflegen. Dabei zog er immer wieder Vergleiche zu der Wirklichkeit in Oberschlesien, wo im Gegensatz zur Nordregion einschließlich des Landes an der unteren Weichsel noch recht viele Deutsche mit der deutschen Muttersprache leben. Vor allem forderte Stender den Gebrauch der Muttersprache im Vereinsleben und bat alles zu unternehmen, um sie in der Familie zu pflegen.
Helmut Kurowski erläuterte das Ergebnis der Parlamentswahl in Polen. Trotz oder gerade wegen der allgemeinen relativ hohen Wahlbeteiligung wurde in Oberschlesien und damit in der ganzen Republik Polen nur noch ein Kandidat zum Abgeordneten der Deutschen Minderheit in den Sejm gewählt und wieder kein Angehöriger der Deutschen Volksgruppe in den Senat. Die möglichen Ursachen hierfür wurden diskutiert und dabei auch die Vermutung ausgesprochen, dass viele deutsche Landsleute wohl überlegt ihre Stimme der Opposition – also Donald Tusk – gaben, um eine erneute Regierung Kaczynski zu verhindern.
Über die Förderung der einzelnen Vereine durch das deutsche Generalkonsulat berichtete Mark Strohmeger, der zusichern konnte, dass in sehr ähnlichem Umfang wie 2007 auch 2008 kulturelle Projekte und die Durchführung der Sprachkurse auf der Eurobasis gefördert werden. Paul Sabiniarz vom Vorstand der Stiftung Schlesien sprach über die Förderung der allgemeinen Arbeit. Dabei wurde deutlich, dass aus finanziellen Gründen bis 2010 die Förderung jährlich etwas verringert werden muß, bis danach wieder neues Geld aus Deutschland zur Verfügung stehen würde.
Aus der Arbeit des Vorstandes des Verbandes der sozialkulturellen Gesellschaften der deutschen Minderheit in Polen informierte Helmut Kurowski, der Vizevorsitzender des Zentralverbandes ist. Über die Zusammenarbeit der Landsmannschaft Westpreußen mit der Deutschen Minderheit im Heimatgebiet sprach Hans-Jürgen Schuch und auch über durchgeführte und geplante Veranstaltungen 2007/2008, zu denen Vertreter unsere Landsleute eingeladen waren und auch künftig eingeladen werden. Aus Bromberg berichtete der Mitarbeiter Dietrich des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge über seine Arbeit und die wertvolle Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der deutschen Minderheit mit Sitz in Bromberg unter Leitung von Jan Gill und Benedikt Frost. Dadurch konnten sehr zahlreiche Kriegsgräber gefunden und die Gebeine auf einen deutschen Kriegsopferfriedhof in der Nähe von Stettin überführt werden.
Die Danziger Vertreter hatten eine polnische Studentin mitgebracht, die mit den deutschen Vereinen Kontakt aufnehmen will, um für ihre diesem Thema gewidmete Examensarbeit näheres aus der Arbeit der deutschen Vereine zu erfahren.
Die Konferenz zeigte aus der Arbeit in den einzelnen Standorten viel Lebendigkeit und Kreativität, aber auch Schwachstellen und eine nachlassende Mitarbeit insbesondere der jüngeren Generation.
H.-J. Schuch
|