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Die Auseinandersetzungen sowohl um die “Nationalität” als auch um die Schreibweise des Namens von Nicolaus Copernicus werden wohl noch lange andauern, obwohl die beiden Fälle zunächst nichts miteinander zu tun haben. Dabei dürfte die Entscheidung bei der Namensform noch am leichtesten zu treffen sein, da hier eindeutige Beweise vorliegen und selbst deutsche und polnische Wissenschaftler sich z. B. im Jahre 1973 einmütig für die – auch international anerkannte – Schreibung “Nicolaus Copernicus” ausgesprochen haben.
Welche skurrilen Ansichten zu den unterschiedlichen Schreibweisen in den deutschen Medien trotzdem vertreten werden, stand unlängst in der “FAZ” vom 21. 10. 2008 zu lesen. Hans-Jürgen Schuch hat dazu in DER WESTPREUSSE 12/2008 zutreffend Stellung genommen. Auch in der Hauptstadt Berlin wurde am 13. 10. 2008 in der Tageszeitung “Der Tagesspiegel” jene groteske Debatte um den Namen des neuen europäischen Systems zur Erdüberwachung ausgebreitet. Als der deutsche EU-Kommissar Günter Verheugen dafür den Namen “Kopernikus” ins Spiel gebracht hatte, sei von polnischen Abgeordneten “in höchster Eile und Erregung” eine Protesterklärung an die EU-Kommission gegangen und der Verdacht geäußert worden, es handle sich womöglich um einen “Fall von deutschem Geschichtsrevisionismus”. Obwohl so viel Arroganz Herrn Verheugen offenbar zuviel war, die polnische Seite jedoch auf dem “im Machtbereich Polens” geborenen “Mikolaj Kopernik” beharren wollte, einigte man sich schließlich auf die (vermeintlich) lateinische Schreibweise “Copernicus”. Daß dies längst auch die deutsche Schreibweise ist, die mit geringen Abweichungen seit Jahrhunderten in Gebrauch steht, hat in den deutschen Redaktionsstuben anscheinend noch niemand bemerkt.
In diesem beschämenden Reigen der Ignoranz und der Mißverständnisse darf die Tageszeitung “DIE WELT” nicht fehlen. Anläßlich der Ausrufung des Internationalen Jahres der Astronomie 2009 stand in der Ausgabe vom 27. 12. 2008 ein ausführlicher Beitrag zur 400jährigen Entwicklungsgeschichte des Fernrohrs. Dort wird, zu recht, neben Galilei, Newton, Tycho Brahe und anderen, auch der “Danziger Bürgermeister, Braumeister und Amateurastronom Jan Heweliusz” genannt. Gemeint ist Johann Hewel(c)ke (1611-1687), der damals weit über seine heimatlichen Grenzen hinaus bekannte “Fürst der Astronomie”, Erbauer einer der größten und besten Sternwarten Europas, Erforscher des Mondes und des Fixsternhimmels und Verfasser grundlegender Darstellungen dessen, was er jahrzehntelang beobachtet hatte. Abgesehen davon, daß er nie Bürgermeister seiner Vaterstadt war, stellt die Bezeichnung “Amateurastronom” eine völlige Verkennung seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen und seiner Stellung unter den Zeitgenossen dar. Nach dem Brauch der damaligen gelehrten Welt latinisierte er seinen Namen zu Johannes Hevelius.
Nicht nur von den deutschen Danzigern wird die überall im heutigen Danzig anzutreffende Polonisierung des Namens zu “Jan Heweliusz” als unsinnig und vollkommen überflüssig abgelehnt. Hevelius entstammte einem seit Generationen in der Hansestadt ansässigen Patriziergeschlecht; er war Deutscher wie alle anderen Bürger der Stadt auch. Daß ausgerechnet eine große deutsche Zeitung sich zu solchen sprachlichen Verdrehungen hergibt, zeugt von bedenklicher Unkenntnis und ist durch nichts zu rechtfertigen. Eine entsprechend eingereichte Berichtigung blieb ohne Reaktion.
Peter Letkemann
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