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Blicken wir auf das Jahr 2007 zurück, so lässt sich feststellen, dass ein bemerkenswerter Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung jener Ereignisse stattgefunden hat, die mit dem Schicksal von Millionen Heimatvertriebenen aus dem deutschen Osten und den Siedlungsgebieten der Deutschen im östlichen Europa verknüpft sind. Dazu beigetragen hat ohne Frage der aufrüttelnde und tief bewegende Fernsehfilm „Die Flucht“, den im März dieses Jahres 13,5 Millionen Menschen gesehen haben.
Dazu beigetragen hat dann auch die über die Medien vermittelte, intensiv (und kontrovers) geführte Diskussion um das vom BdV und seiner Präsidentin Erika Steinbach bereits vor Jahren initiierte „Zentrum gegen Vertreibungen“. Diese Diskussion wurde erweitert, nachdem die Bundesregierung nun endlich eine Konzeption entwickelt hat, wonach das sogenannte „sichtbare Zeichen“ vom Bund finanziert und in staatlicher Regie (als Institution unter dem Dach des Deutschen Historischen Museums) in Berlin entstehen soll. Dass die unmittelbar Betroffenen, die Opfer von Flucht und Vertreibung, vertreten durch den BdV, in das Projekt eingebunden werden müssen, ist selbstverständlich und mittlerweile wohl innenpolitisch unumstritten. Das aus Warschau herübertönende „Störfeuer“ der Kaczynski-Regierung, das von Polemik und Unsachlichkeit gekennzeichnet war, ist nach den Wahlen 2007 in Polen nun endlich moderateren Tönen gewichen. Der neue Ministerpräsident Donald Tusk äußerte sich dahingehend, dass „ein angemessenes Gedenken an die Vertriebenen auf Zustimmung meiner Regierung treffen wird.“ Mit seiner Forderung nach Berücksichtigung der historischen Wahrheit bei diesem Projekt läuft er hier allerdings offene Türen ein. Die in der Sprache der deutschen Politik bevorzugte Umschreibung des Zentrums als „sichtbares Zeichen“ wirkt eher irritierend und lässt im übrigen die Frage aufkommen, was mit der von der Landsmannschaft Westpreußen mitgetragenen Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“ in Zukunft geschehen soll.
Bemerkenswert und sehr zu begrüßen ist die in diesem Jahr getroffene Entscheidung des Schulministeriums in Nordrhein-Westfalen, Flucht und Vertreibung als Themen in die Lehrpläne der Schulen des Landes aufzunehmen und verbindlich für den Unterricht festzulegen. Das bevölkerungsreichste Bundesland folgt damit den bereits bestehenden Regelungen in den Ländern Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen – welches der anderen elf Bundesländer wird 2008 folgen?
Die Landsmannschaft Westpreußen leistet im Rahmen ihrer (begrenzten) Möglichkeiten ihren anerkannten Beitrag zur Wahrung und Vermittlung von Geschichte und Kultur des historischen deutschen Ostens. Die Vermittlung des Anteils des deutschen Ostens an der gesamten Kulturgeschichte der Nation an die Jugend muss über die Schulen erfolgen – hier besteht noch viel Handlungsbedarf. Dank der finanziellen Förderung durch die Bundesregierung konnte die kulturelle Breitenarbeit der Landsmannschaft in diesem Jahr mit drei zentralen Kulturveranstaltungen erfolgreich weitergeführt werden. Die Stelle der hauptamtlichen Kulturreferentin für Westpreußen soll nach vorliegender Absichtserklärung des zuständigen Bundesministeriums zum kommenden Jahr von einer halben auf eine volle Stelle angehoben werden. Damit werden, unseren Vorstellungen und Anträgen folgend, die Bedingungen auch für die landsmannschaftliche Kulturarbeit ab 2008 hoffentlich verbessert werden können.
Das Westpreußische Landesmuseum in Münster ist die wichtigste, die zentrale Kultureinrichtung zur Wahrung, zur Pflege und zur Vermittlung des kulturellen Erbes unserer Heimat Westpreußen. Leider konnten die nunmehr seit zwei Jahren bestehenden Pläne einer Verbesserung der räumlich-technischen Bedingungen für die Arbeit des Museums auch in diesem Jahr nicht verwirklicht werden. Der historische Drostenhof in Wolbeck mit seinen baulichen Einschränkungen erweist sich mehr denn je als Hemmnis für die Umsetzung einer zukunftsorientierten Museumskonzeption. Ein neues, ein besser geeignetes Gebäude an einem innenstadtnahen Standort in Münster ist die von der Kulturstiftung Westpreußen angestrebte Alternative. Die Verhandlungen mit dem zuständigen Bundesministerium sowie mit dem Land Nordrhein-Westfalen erwiesen sich bisher als langwierig und führten noch nicht zu der vom Bund eingeforderten Mitfinanzierung des Projektes durch das Land. Die Hoffnung bleibt – und auch die Erwartung, dass nun im neuen Jahr 2008 die erforderlichen Entscheidungen in Berlin und in Düsseldorf getroffen werden, damit die vorliegenden Ausbaupläne für die Weiterentwicklung unseres Museums an einem neuen, besser geeigneten Standort in die Tat umgesetzt werden können.
Schließlich wird das Jahr 2008 die Gremien unserer Landsmannschaft vor die wichtige Aufgabe stellen, bereits entwickelte Konzepte für die Zukunftssicherung der landsmannschaftlichen Arbeit angesichts gewandelter Bedingungen und sich verändernder Mitgliedsstrukturen weiter zu diskutieren und zu beschließen. An den grundlegenden Zielen soll, darüber besteht einhellige Meinung, auch in Zukunft festgehalten werden.
Die Landsmannschaft Westpreußen kann seit ihrer Gründung im Jahre 1949 auf annähernd sechzig Jahre Arbeit und Einsatz für Westpreußen, das Land am Unterlauf der Weichsel, und für seine Menschen zurückblicken. Eingeschlossen darin ist auch das Bemühen um Verständigung, um symbolischen Brückenbau zu den heute dort lebenden Menschen unseres östlichen Nachbarn Polen. Diese weitgefasste landsmannschaftliche Arbeit soll auch im neuen Jahr 2008 fortgesetzt werden – auch mit Blick auf 2009, das Jahr des dann sechzigjährigen Bestehens der Landsmannschaft Westpreußen.
Gedanken zum Jahreswechsel 2007/2008 – in der Hoffnung auf ein gutes und erfolgreiches neues Jahr 2008 grüße ich alle Leser, alle Landsleute und Freunde Westpreußens.
Siegfried Sieg Bundesvorsitzender
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