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Monate sind vergangen, seit im Oktober letzten Jahres erstmals Gebeine von Kriegsopfern, von Nachkriegsopfern in Marienburg gefunden und geborgen wurden. Niemand ahnte damals im Herbst des Jahres 2008, dass im Zuge von weiteren Grabungsarbeiten die Zahl der gefundenen Opfer von Tag zu Tag steigen würde. Letztlich wurden die Gebeine von 2.500 Toten geborgen – ein Massengrab unvorstellbaren Ausmaßes.
Noch immer ist es nicht gelungen, Licht in das Dunkel der Geschehnisse jener über 60 Jahre zurückliegenden Zeit des Frühjahrs 1945 in Marienburg zu bringen. Noch immer ist nichts über das erlittene Schicksal der unsäglich vielen Opfer bekannt, nichts über das Leiden der Menschen, das ihrem Tod vorausgegangen ist. Offensichtlich gibt es keine Zeitzeugen mehr, die Antworten auf das bis heute rätselhafte Geschehen in Marienburg geben können. Offenbar gibt es auch keine Aufzeichnungen oder andere Zeitdokumente in Archiven, die Auskunft über die bedrückenden Geschehnisse preisgeben können. Die Frage nach den Ursachen, die zu diesem schrecklichen Massengrab geführt haben, wird sehr zurückhaltend gestellt. Sie mag politisch nicht opportun sein. Die Frage nach den Ursachen muss jedoch weiterhin gestellt bleiben. Hier sind die Verantwortlichen in Politik und Justiz vorrangig in Polen gefordert – nur dort, im Lande des Geschehens selbst, sind Nachforschungen und Ermittlungen durchführbar. Die Landsmannschaft Westpreußen hatte sich wegen der Marienburg-Opfer an die Bundeskanzlerin gewandt. In der zwischenzeitlich erteilten Antwort aus dem Kanzleramt wurde nur eingeschränkt auf das Anliegen der Landsmannschaft eingegangen.
Der Bundesvorstand der Landsmannschaft Westpreußen hat nunmehr in seiner diesjährigen Frühjahrssitzung am 3./4. April 2009 erneut die Marienburg-Thematik besprochen. Im Mittelpunkt der Erörterung stand vor allem die Frage einer würdigen Bestattung der Opfer „in heimatlicher Erde“. Es wurde jedoch betont, dass eine Beisetzung der Opfer nur auf einer Begräbnisstätte in Frage käme, auf der dann auch in Zukunft Erhaltung und Pflege der Anlage dauerhaft gewährleistet seien. Es wurde volles Einvernehmen im Bundesvorstand erzielt, dass das im Gegensatz zu einer kommunalen Anlage ehestens auf einer Kriegsgräberstätte des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge sichergestellt werden könne. Der Bundesvorstand der Landsmannschaft Westpreußen sprach sich deshalb für eine Bestattung auf der bereits bestehenden Kriegsgräberstätte des VdK in Danzig (ehemaliger Garnisonsfriedhof am Hagelsberg) aus. Diese Gräberstätte läge durchaus in geographisch-räumlicher Nähe zu Marienburg und wird aus diesem Grunde gegenüber anderen bestehenden deutschen Kriegsgräberstätten in Polen bevorzugt.
Polnische kommunale Instanzen in Marienburg/Malbork haben nach vorliegenden Informationen dankenswerter Weise die Absicht, in unmittelbarer Nähe zum Fundort der 2.500 Opfer eine Gedenkanlage zu errichten. Mit der Gräberstätte in Danzig und der Gedenkanlage in Marienburg gäbe es dann zwei stille Orte der Erinnerung an das Schicksal der 2.500 Opfer von Krieg und Gewalt, gäbe es zwei würdige Gedenkstätten gegen das Vergessen des traurigen Geschehens aus dem Jahre 1945 in Marienburg. Die Verantwortlichen sind zum Handeln aufgerufen.
Siegfried Sieg
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