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Deutschland muss uns wahrnehmen!
Grüße der deutschen Minderheit zum Westpreußen-Tag Von Helmut Kurowski
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe westpreußische Landsleute!
Ich bin sehr gerne bei Ihnen. Daher bin ich auch heute wieder hier in Herford. Mit mir kamen aus Bromberg, Danzig, Dirschau, Gdingen, Graudenz, Marienwerder, Lessen, Neumark, Schneidemühl und Thorn über 30 Landsleute, um am Westpreußen-Tag teilzunehmen. Einige mussten absagen, daher sind heute unsere Vereine aus Elbing, Marienburg, Dt. Eylau und Lautenburg nicht vertreten. Sie haben mich gebeten, Sie alle herzlich zu grüßen, wie ich Ihnen auch die Grüße der hier anwesenden Delegierten unserer Vereine überbringe und darüber hinaus aller Mitglieder. Wir alle überbringen Ihnen Grüße unserer gemeinsamen Heimat Westpreußen.
Seit über 15 Jahren verbindet uns mit der Landsmannschaft Westpreußen eine freundschaftliche Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit gibt uns viel Kraft für die eigene Arbeit und Anregungen. Sie bringt uns Arbeitsmaterial und auch Spenden. Wenn ich Landsmannschaft Westpreußen sage, schließe ich die Heimatkreise ein. Durch diese vielfältige Zusammenarbeit ist viel Gutes entstanden. Wir erhielten dadurch ein festes Fundament auf dem wir unsere Aufgaben erledigen können. Unsere polnischen Nachbarn und Gesprächspartner sehen, dass wir, die wenigen in der Heimat verbliebenen Deutschen, nicht allein gelassen werden. Unsere Zusammenarbeit mit der Landsmannschaft Westpreußen bezeichne und betone ich in Polen immer als vorbildlich. Dafür bedanken wir uns herzlichst! Vielen Dank, Herr Sieg, vielen Dank, Herr Schuch. Unseren verstorbenen General Ratza dürfen wir hier auch nicht vergessen.
Wir lieben unsere Heimat an Brahe und Weichsel, an Mottlau und Nogat wie Sie. Wir haben nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges über 61 Jahre ausgehalten. Viele von uns haben in diesen Jahren Schweres ertragen müssen. Wir blieben dennoch in der Heimat. Von den Jüngeren haben allerdings viele, sehr viele seit 1990 das Heimatland verlassen. Das ist verständlich, hat aber die deutsche Gemeinschaft im westpreußischen Heimatgebiet geschwächt. Dennoch halten wir durch, versuchen unsere breit angelegten Aufgaben weiter zu erfüllen. Dazu gehören sowohl die deutsche Sprache wie die Geschichte, aber auch viel Sozialarbeit. Zu unseren Mitgliedern gehören viele Alte und Kranke. Diese Arbeit tun wir nicht nur für uns, sondern auch aus Verantwortung vor der deutschen Geschichte unserer Heimat.
Die politische Lage in Polen ist eher labil als stabil. Aus Regierungskreisen hören wir, dass sogar das Wahlrecht geändert werden soll, damit die deutsche Minderheit künftig nicht mehr im Sejm vertreten sein kann. Das wäre Rückschritt, nicht Zukunft und nicht Europa. Es gibt nur zwei in Oberschlesien gewählte Sejmabgeordnete. Damit sind sie aber zugleich die Abgeordneten der gesamten deutschen Volksgruppe in Polen. Natürlich können zwei Abgeordnete die Politik der Parteien kaum beeinflussen. Ihre Sejmmitgliedschaft macht aber dem gesamten Parlament und der Öffentlichkeit deutlich, dass es in Polen eine deutsche Minderheit – eine deutsche Volksgruppe – gibt, dass es noch Deutsche an der Weichsel gibt. Das sollte im deutsch-polnischen Interesse nicht unterschätzt werden. Wir danken der Bundeskanzlerin, dass sie wegen einer möglichen Änderung unseres Wahlrechtes bereits mit dem polnischen Premierminister gesprochen hat.
Eines bleibt unbestritten: Die Politiker wechseln, die Journalisten ändern ihre Meinung, wir aber, die Heimatverbliebenen, leben mit unseren polnischen Nachbarn im besten Frieden zusammen.
Es ist wichtig, dass wir inzwischen wieder von Deutschland wahrgenommen werden, vom Bundespräsidenten, der uns besuchte, und von der Bundesregierung. Dafür sind wir sehr dankbar. Der polnische Staat ist sehr bemüht, sich um die im Ausland lebenden Polen zu kümmern, ganz gleich wo sie leben. Sie messen dieser Aufgabe eine hohe Bedeutung bei. Daher ist die deutsche Politik für die Deutschen in Polen mehr als wichtig. Sie wird als Teil der von Berlin nach Warschau gerichteten Politik gesehen. Unser Ansehen als deutsche Minderheit ist ein Gradmesser. Kümmert sich Deutschland um uns, sind wir auch für Polen interessant. Würde Deutschland uns nicht oder nur wenig beachten, wären wir in Polen schnell vergessen. Aber auch das Ansehen Deutschlands würde erheblich nachlassen. Eltern, die ihre Kinder im Stich lassen, werden nirgendwo geschätzt.
Ich danke der Landsmannschaft Westpreußen für die Einladung zum Westpreußen-Tag 2006 und für das gute Miteinander in den vergangenen Jahren.
Ich wünsche der Landsmannschaft Westpreußen alles Gute und die erfolgreiche Fortsetzung ihrer Arbeit seit nun 57 Jahren, nicht nur im Namen der Teilnehmer aus unserer Heimat, aber auch im Namen der gesamten Volksgruppe der Deutschen in Polen, die z. Z. 300.000 rechnet und durch den Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen repräsentiert ist. Auch im Namen der deutschen Sejm-Abgeordneten Heinrich Kroll und Ryszard Gallo, mit denen ich noch am Donnerstag gesprochen habe.
Ich wünschen Ihnen, liebe Landsleute, gute Gesundheit, viel Erfolg und viel Freude am heutigen Westpreußen-Tag.
Ich lade Sie alle ein zum Besuch der Heimat und dann zum Besuch unserer Vereine und Begegnungsstätten. Wir freuen uns über jeden Besucher aus Deutschland. Wir erwarten sie gerne.
Alles, alles Gute und Auf Wiedersehen!
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