Beitrag aus DER WESTPREUSSE Nr. 8 – Augustausgabe v. 04.08.2007:

Hör mal, Du’chen
Zur 170. Wiederkehr des Geburtstages von Johannes Trojan
 


Johannes Trojan

Johannes Trojan (1837–1915) 

Wird man neugierig auf den Verfasser und möchte Näheres über ihn wissen, so zeigt sich, dass man wohl viele seiner Veröffentlichungen erreichen kann, aber zunächst nur wenig über den Menschen selbst erfährt. Erst genauere Suche in seinen Schriften fördert einiges zutage. Beschäftigt man sich mit Trojans Schriften nun ein wenig intensiver, kann man sicher drei Aussagen über seine Arbeit und seine Person machen:

1. Trojan zeichnet eine sehr starke Heimatliebe zu Danzig und Westpreußen aus – obwohl er seit seinem 20. Lebensjahr in Berlin wohnte – die in zahlreichen Gedichten und Geschichten zum Ausdruck kommt und sich zusätzlich noch in seiner engen Bindung zu seiner Familie zeigt.
2. Sehr stark ausgeprägt ist seine Liebe zur Natur, insbesondere zur Botanik, die sich mit außergewöhnlichen Kenntnissen über die Pflanzenwelt vereint. Lange Fußwanderungen (30 bis 40 Kilometer am Tag) in der Schweiz und in Oberitalien, an der Mosel, in der Lüneburger und in der Rostocker Heide oder im Harz legen ebenso Zeugnis davon ab wie seine Aufsätze über die Eiben und sein von ihm selbst so genanntes Eibenmuseum (S. 24 “Erinnerungen”). Sein Freund Heinrich Seidel sagte: “Wenn Trojan hingerichtet werden sollte, so würden ihn noch die am Wege zum Schafott wachsenden Blumen interessieren.” (S. 187 “Erinnerungen”).
3. Schließlich muß seine große Liebe zum Rebensaft erwähnt werden, die in zahlreichen Reisen in die Weinanbaugebiete und in köstlichen Gedichten und Geschichten auch kritisch-ironischen Inhalts mehr als spürbar wird.

Oft sind mehrere dieser Aussagen auch schon in einem kleinen Gedicht miteinander verwoben.

Der westpreußische Schriftsteller und Literaturhistoriker Bruno Pompecki zählt 1915, also vor fast 100 Jahren, in seiner “Literaturgeschichte der Provinz Westpreußen” 15 von Trojans Büchern auf und charakterisiert ihn so: “Eine feine und heitere Persönlichkeit, ein liebenswürdiger und herzenstüchtiger Poet, der uns gesunde, schlichte Erzählungs- und Schilderungskost darbietet, ist der Danziger Johannes Trojan.....Als Redakteur des “Kladderadatsch” (1886 – 1909) schlug er einen schärferen Ton des Humors an als in seinen Gedichten. Viel Herz, Gemüt und Behaglichkeit lebt in allen seinen Büchern. Seine Geschichten sind einfach, innig und von sanfter Art.  Trojan ist....ein streitbarer und tapferer Mann mit einer lebensfrohen Phantasie und einem warmen Herzen, ein Humorist und Satiriker , ein Journalist, der mit flinker Hand die Ereignisse zu fassen weiß, ein gehaltvoller Erzähler geworden.” (S. 211)

Kindheit und Jugend

Der Vater Karl Gottlieb Trojan war zunächst ein wohlhabenden Danziger Kaufmann “alter Art”, geboren 1795 in Ohra, der durch sein Ansehen  1815 Stadtverordnetenvorsteher und 1849 Abgeordneter der zweiten preußischen Kammer in Berlin wurde. Zwei Tage und eine Nacht brauchte er, wie Johannes Trojan schreibt, im Jahre 1850 für die Reise nach Berlin. Der Sohn hat ihm in einer liebenswerten Geschichte ein literarisches Denkmal gesetzt: “Ein Kaufmann von alter Art”.  Am 24. Juni 1832 wurden die Eltern (die 2. Frau des Vaters Sophie Wilhelmine Wichmann aus Danzig) in Pröbbernau auf der Frischen Nehrung von Pfarrer Gehrt  getraut. Gehrt war der älteste Freund des Vaters, er hat Marie Wichmann, die ältere Schwester von Trojans Mutter in Pröbbernau geheiratet. Trojans Großmutter mütterlicherseits ist in Pröbbernau begraben, da sie bei ihrer Tochter gestorben ist.

Am 14. August 1837 wurde Johannes Trojan in der Hundegasse 101 geboren, er hatte eine ältere Zwillingsschwester Johanna; bei der Geburt soll die Hebamme gesagt haben: “Für das junge Herrchen braucht kein Bettstellchen angeschafft zu werden, das wird seine Augchen bald wieder zumachen.” So berichtet Trojan in seinen “Erinnerungen”, doch beide Zwillinge sind gesund geblieben und groß geworden.

Als Kind hat Trojan die Sommerferien oft in Wotzlaff und Gottswalde bei Verwandten im Danziger Werder zugebracht und seine engere Heimat kennen und lieben gelernt. Schon früh begann er mit dem Reimen, oft gemeinsam oder im Wettbewerb mit seinem Vater. Die Familie besaß ein Sommerhaus im Vorort Langfuhr am Johannisberg;  schon der Vater war hier ein großer Blumenfreund und Blumenzüchter, und jedes der fünf Kinder hatte ein eigenes kleines Beet, das es versorgen musste. In der Marienkirche in Danzig hatte die Familie feste Plätze in der Marienkapelle, hier wurden auch  beide Zwillinge von Pastor Höpfner 1853 konfirmiert. Schon in jungen Jahren besuchte Trojan eine Kunstschule in Danzig – er hat “Bleistift und Tuschkasten beherrscht”.

In der Prima im Sommer unternahm Trojan mit seiner Zwillingsschwester und seiner ältesten Schwester als Aufsicht eine  Erholungsreise in die schlesischen Berge, unterwegs besichtigten sie Berlin, das im Vergleich zu Danzig keine besonders guten Noten von ihnen erhielt. 1856 legte er sein Abitur am Städtischen Gymnasium, dem früheren berühmten Akademischen Gymnasium, in Danzig am Winterplatz, früher Buttermarkt ab -  “von 22 waren 14 durchgekommen”.

Trojan studierte ab 1856 fünf Semester Medizin in Göttingen, schon kurz nach Ostern 1856 wurde er Mitglied einer studentischen Korporation, der späteren Burschenschaft Brunsviga- Blau-Weiß-Gold, deren Bierzeitung er vier Semester gestaltete, dann wechselte er zur Philologie (deutsche Sprache und Literatur) nach Bonn und Berlin, seit 1859 lebte er in Berlin. Er berichtet, dass er nach Eröffnung der Ostbahn im Jahre1852 19 Stunden im Personenzug von Danzig nach Berlin benötigte! Am 1. Januar 1862 starb der Vater und Johannes Trojan musste sein Studium wegen ausbleibender Unterstützung abbrechen.

Redakteur in Berlin

Unsere deutschen Waelder

Repro: HJK

Er wurde Hilfsredakteur der “Berliner Morgenzeitung”– mit einem Monatsgehalt von fünf Reichstalern, zusätzlich gab er  Nachhilfestunden und veröffentlichte einzelne Gedichte. Sein Monatsverdienst war nur klein und er lebte sehr bescheiden bis er 1866 Redakteur der politisch-satirischen Berliner Zeitschrift “Kladderadatsch” wurde, einem Wochenblatt, mit zunächst acht Reichstalern zusätzlich, alsbald aber mit 50 Reichstalern monatlich. Er schrieb nun fast gar nicht mehr für andere Blätter und war schließlich von 1886 bis 1903 der Chefredakteur dieser sehr angesehenen Berliner Zeitschrift, die von 1848 bis 1944 fast hundert Jahre bestand und deren oft scharfzüngige Texte und bissige Karikaturen heute vollständig im Internet zu finden sind.

1866  gründete er einen eigenen Hausstand, in dem er schließlich sieben Kinder  großzog. Er blieb ein sparsamer  Familienvater, obgleich 1870 sein erstes Buch erschien, dem später zahlreiche weitere folgten.

Nach einer anfänglich kritischen Haltung trug ihm seine absolute Loyalität gegenüber Bismarcks politischem Kurs dessen Sympathien ein. Er lernte ihn persönlich kennen und besuchte ihn mehrmals im Sachsenwald. 1893 war er  in Friedrichsruh zum Frühstück eingeladen; in seinen “Erinnerungen” überliefert er eine Bemerkung Bismarcks in einer Tischrede. “ Dieses Blatt (gemeint ist der Kladderadatsch) hat mich anfangs nicht zum besten behandelt, nachher aber umso besser.” (S. 135). Mehrfach erhielt Trojan auch eine Abendeinladung und wurde von Bismarck mit besonders guten Weinen verwöhnt. Umgekehrt versäumte es Trojan nicht, Bismarck einen ausgesuchten Wein und ein Gedicht zum Geburtstag zu senden. Am 30. Juli 1898 starb Bismarck.

Festungshaft in Weichselmünde

Nach Bismarcks Demission geriet Trojan wiederholt in Konflikt mit den Zensurbehörden und  wurde  1898 (mit 61 Jahren!) wegen Pressevergehens und Majestätsbeleidigung zu zweimonatiger Festungshaft verurteilt. Er war als Chefredakteur verantwortlich für das Bild eines Zeichners; die Beiträge im Kladderadatsch waren stets anonym. Diese Haft mußte er zu seiner eigenen Überraschung in seiner Heimatstadt Danzig, in der Festung Weichselmünde absitzen.

Am 18. Juni 1898 erfolgte seine Abfahrt von Berlin, er kannte Danzig nach der Niederlegung der Wälle kaum wieder. Am 19. Juni besuchte er das Grab seines Vaters auf dem Pfarrkirchhof von St. Marien vor dem Hohen Tor an der Promenade neben dem alten Schützenhaus – er war schon auf Dauer geschlossen. Den Cholera-Friedhof auf dem Stolzenberg, wo die erste Frau seines Vaters 1831 beerdigt worden war, fand er gar nicht mehr wieder. Seine Mutter war 1841 gestorben, vier Jahre nach Trojans Geburt, in Bad Ems, “wo sie vergebens Genesung gesucht hatte”.

Am 20. Juni trat er seine Festungshaft in Weichselmünde an; er hat darüber ein sehr amüsantes Buch geschrieben, das viele hübsche und oft längst vergessene Details über das damalige Danzig enthält: “Zwei Monat Festung”. Über seine Zelle berichtet er: “Von dem Inventar war das Prächtigste aber ein riesiger irdener Wasserkrug, recht so einer, wie er in eine Kerkerzelle hinein gehört. Den habe ich manchmal, wenn ich Besuch erwartete, ostentativ auf den Tisch gestellt und eine Brotrinde danebengelegt. Das nahm sich in hohem Grade stilvoll aus.”

Es war ein relativ kurzweiliger Aufenthalt: auf Antrag erhielt er Bade- oder auch Stadturlaub, musste aber zu vorgeschriebener Zeit wieder in seiner Zelle sein. Über seine Erlebnisse berichtete er sehr anschaulich, z. B. über das damalige Badeleben auf der Westerplatte und über Besuche bei seinen Verwandten. Seine Frau und die jüngste Tochter kamen ihn für längere Zeit  besuchen und wohnten im Außenbezirk der Festung in Sichtweite. Er bestimmte aus reiner Freude die Festungsflora. Auf seinen Dringlichkeitsantrag hin erhielt er wider Erwarten einen mehrtägigen Urlaub, um mit Hugo Conwentz, dem Direktor des Westpreußischen Provinzialmuseums und exzellenten Botaniker, und einigen anderen eine  “Weichselfahrt” zu unternehmen: Unter diesem Titel schildert er die Erlebnisse der Flussreise in einem Gedicht, dessen erste Strophe lautet:

Von Thorn, der alten Feste,
ging es den Strom hinauf,
und freundlich nahm die Gäste
ein flinkes Schifflein auf.
Das trug sie gegen Osten,
bis an den gelben Sand,
wo auf dem Berg der Posten
des Russenreiches stand.

Damals befand sich wenig südlich von Thorn die Grenze zwischen Deutschland und Russland.

Zahlreiche Geschenke erhielt er von Freunden und Verwandten auf der Festung, Ess- und Trinkbares teilte er mit seinen Mithäftlingen. Schlaraffenland nannte er seine im übrigen abgesperrte und bewachte Festung. In einer “Ersten Epistel” schrieb er denn auch an einen Freund in Berlin (Zwei Monat Festung, S. 54):

“Beklag` mich nicht!
Eh`r könnt` ich Dich beklagen
Als einen der
nicht viel Vergnügen hat,
Weil er in diesen
schönen Sommertagen
Gebannt ist an die unruhvolle Stadt.
Denk` nicht zu schlecht
von meinem Sommersitze!
Ich wollte wohl,
er wäre Dir bekannt,
Der alte Thurm mit
freilich neuer Spitze –
So stattlich blickt er
über See und Land!…”

Das Ende der Festungshaft war erst der 24. August 1898,  da er vier Tage “nachsitzen” mußte wegen der Beurlaubung zur Weichselfahrt. Er hat viel gelernt auf der Festung Weichselmünde und berichtet darüber:
 

“Veränderte Ansicht”

Daß gefangne Vögel singen,
konnt’ ich früher nicht verstehn;
Wenn sie auf den Zweigen springen,
dann nur, dacht` ich, kann es gehen.

Hinter eines Käfigs Stäben, nicht von freier Luft umweht –
Wer kann so Gesang erheben? Und nun seh` ich doch: es geht.
(Aus: Zwei Monat Festung, S. 101)

Trojan blieb dann noch drei Wochen in Danzig, um seine Heimat zu erkunden und Verwandte zu besuchen.

Ehrungen

Anlässlich seines 70. Geburtstages 1907 wurde Trojan durch die  Verleihung des Professorentitels rehabilitiert. Später erhielt er auch die Ehrendoktorwürde der Rostocker Universität.

In den Jahren 1900 und 1907 reiste er mit seiner zweiten Frau nach Toronto in Kanada, wo eine seiner Töchter verheiratet war. Weite Fahrten und Wanderungen und seine Erlebnisse dabei verarbeitete er ebenfalls zu einem Buch (Streifzüge am Ontariosee, 1902).

Seit 1909 lebte und arbeitete er als freischaffender Schriftsteller in Warnemünde. Er liebte die schöne landschaftliche Umgebung von Rostock, die ihn sein Leben lang zu Wanderungen angeregt hatte, zumal  seine Frau aus Mecklenburg stammte. Am 23. November 1915 starb Johannes Trojan  in Rostock mit 78 Jahren; auf dem neuen Friedhof im Grabfeld A wurde er als einer der Ersten unter Kaufleuten und Oberbürgermeistern begraben. Noch heute, fast 100 Jahre nach seinem Tode, pflegt die Friedhofsverwaltung sein Grab. Das ist in der heutigen Zeit bewundernswert und dafür gebührt der Stadt Rostock Anerkennung und Dank! Es wäre sehr schön, wenn aus Anlaß der Wiederkehr seines 170. Geburtstages an seinem Grabe eine Kranzniederlegung und eine Gedenkstunde stattfinden könnte.

Trojan Grabstein

Trojans Grabstein in Rostock 
Foto: H.-J. Kämpfert

Johannes Trojan fand bei seinen Zeitgenossen als Schriftsteller, Redakteur, “gemütvoller Humorist, satirischer Dichter, weit bekannter scharfsinniger Journalist” und als Kinderdichter große Anerkennung. An seinem Geburtshaus in Danzig, Hundegasse 101, wurde etwa 1909 eine Gedenktafel angebracht und in verschiedenen Städten wurden Straßen nach ihm benannt: Eine Trojangasse gab es in Danzig auf der Niederstadt zwischen Langgarten und Englischer Damm, eine Trojanstraße  gibt es in Berlin – Treptow-Köpenick, Ortsteil Baumschulenweg – zwischen Köpenicker Landstraße und Stormstraße ab 19. 10. 1906, (vorher hieß sie Straße 16) eine weitere in Rostock in der Nähe des Neuen Friedhofs und eine in Warnemünde.

60 Jahre später ist sein Ruhm verblasst, selbst  Helmut Motekat erwähnt ihn 1977 in seinem Buch “Ostpreußische Literaturgeschichte mit Danzig und Westpreußen” nur noch sehr kurz, aber mit Bild und Nennung von drei (!) Buchtiteln: “Der “Kladderadatsch” wurde unter seiner Leitung zur maßgeblichen satirischen Zeitschrift des Bismarck-Reiches.....Kulturhistorisch interessant ist seine Darstellung der Geschichte des Weichselweines, der seit der Ordenszeit am Strom angebaut wurde.”

Im Museum Haus Hansestadt Danzig in Lübeck hängt an gut sichtbarer Stelle ein Porträt von Johannes Trojan, ein besonders schönes Ölgemälde. Von seinen mehr als 20 Buchveröffentlichungen ist heute im Buchhandel keine einzige mehr zu bekommen, jedoch antiquarisch gibt es zahlreiche seiner Bücher, wie seine “Scherzgedichte”, “Ode an den Sauerstoff” (noch 1979 erschienen) oder “Erinnerungen”, die dem Leser immer noch große Freude bereiten werden, insbesondere dann, wenn er sich dem Lande an der unteren Weichsel  verbunden fühlt.

Hans-Jürgen Kämpfert


An die Heimat

Westpreußen, liebes Heimatland,
Dir send’ ich Grüße zu,
So nahe meinem Herzen stand
Kein anderes Land wie du.
So manches Land, das hold und schön,
Sah ich im Zeitenlauf,
Doch nie, als wenn ich dich gesehn,
Ging so das Herz mir auf.
...
O liebes Land, von mir schon lang
Getrennt durch weiten Raum,
Ich höre deiner Glocken Klang
Noch wachend und im Traum.
Mir blieb dein Bild, das nie entschwand
Dem Herzen, noch verblich;
Westpreußen, liebes Heimatland,
Dich segnend grüß’ ich dich!
 

 


Das Lied vom Spickaal

Wer nie den Spickaal
Am Meeresstrand
Im Badeorte
In deutschem Land
Nach einem Seebad,
Frisch, froh und frei,
Sich selbst geholt
Aus der Räucherei,
Wo er gehangen
Schön glänzend braun,
So lieblich duftend,
So hold zu schauen –
Dann auf die Düne
Ihn trug geschwind,
Wo blaugrün Gras weht
In feuchtem Wind,
Wo ihm zu Füßen
Die Welle braust,
Dort ihn verzehrt hat
Aus freier Faust,
Bis ganz zu Ende
Ihn dort verspeist:
Wie soll der wissen,
Was Spickaal heißt?!!
 

 


Die Wohnung der Maus

Ich frag die Maus:
“Wo ist dein Haus?”
Die Maus darauf erwidert mir:
“Sag’s nicht der Katz, so sag ich’s dir.
Treppauf, treppab,
erst rechts, dann links,
und dann gradaus –
da ist mein Haus,
du wirst es schon erblicken!
Die Tür ist klein,
und trittst du ein,
vergiß nicht, dich zu bücken.”
 


Duchen

In der Großstadt durch die Menge
ging ich hin in dem Gedränge
jüngst auf einem eil’gen Gang,
als es in das Ohr mir klang:
“Hör mal, Duchen!”

Wer so sprach, gleich nahm ich’s wahr,
just vorüber ging ein Paar,
Mann und Frau, an mir, zum Mann
sprach die Frau, die so begann:
“Hör mal, Duchen!”

“Duchen” – gleich füg’ ich’s hinzu –
ist Verkleinerung von “Du”.
Also drückt man gern sich aus,
wo mir stand mein Vaterhaus,
oben an dem Ostseestrande,
dort in meinem Heimatlande,
wo der Menschen Sprache so
traulich klingt wie nirgendwo
sonst auf Gottes weiter Welt,
und mir drum so sehr gefällt.
Dorther müssen sein die Zwei,
dacht’ ich, die da geh’n vorbei.

Augenblicklich vor mir stand
mein geliebtes Heimatland,
Korngefilde, Meer und Wald
und die Stadt, ehrwürdig alt,
alles hell im Sonnenlicht
und manch liebes Angesicht.
Alles dies nahm ich wahr,
und als lange schon das Paar
im Gedränge sich verloren,
klang es noch mir in den Ohren:
Hör mal, Duchen!”