Westpreußen-Jahrbuch 2016

Spät im Jahr erscheint das diesjährige Westpreußen-Jahrbuch, dafür aber etwas umfangreicher als gewohnt: 13 Textbeiträge enthält der Band, 34 schwarz/weiß Abbildungen im Text und 18 Farbbilder auf 16 Farbtafeln. Geschichte und Gegenwart, Schönheit und Schwierigkeiten des Landes an der unteren Weichsel sollen so dem Leser eindringlich und anschaulich dargebracht werden. Drei Gedichte von Gisela Brauer, Martin Damß und Clemens Conrad Rössler, Autoren aus Westpreußen, bereichern den Band.

Dr. Gisela Borchers bezweifelt in ihrem Beitrag „Der Umzug des Klosters Neu-Doberan von Pogutken nach Pelplin 1276“ die in den Überlieferungen genannten Gründe für diesen Standortwechsel und versucht mit geografischen, wirtschaftlichen und politischen Überlegungen der Wahrheit näher zu kommen. Tilman Asmus Fischer führt ähnliche Überlegungen durch unter dem Titel: „Märkisch Friedland – eine brandenburgische Stadtgründung im späteren Westpreußen“, um die Motivation der Familie von Wedel für diese Stadtgründung aus den damaligen Gegebenheiten zu erhellen.

„Winrich der Messerstecher“ nennt Hans Joachim Borchert seinen Bericht über den Streit zwischen Hochmeister Winrich von Kniprode und dem ermländischen Bischof Johannes Streifrock im Jahre 1369 über einen Grenzverlauf. Hat Winrich wirklich zum Messer gegriffen? Dr. Wolfgang Lippky zitiert aus einem Visitationsbericht aus dem Jahre 1542 für 42 Orte Tatsachen und Beobachtungen „Über das postreformatorische Hospital- und Armenwesen im Herzogtum Preußen“.

Dr. Rainer Zacharias berichtet in seinem Aufsatz „Marienburger Bilderschatz“ ausführlich über die 72 Gemälde aus der Zeit um 1700 an den Emporen in der Marienburger St. Georgenkirche und ihre Bedeutung für die Menschen dieser Gemeinde, für die Gestaltung des Gottesdienstes in dieser einst evangelischen Kirche und die Bezüge zur Bibel. „Beobachtungen und Belagerungen. Julius August Koch und die Sternwarte der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig“ nennt Marc Banditt seine Forschungen zur Arbeit des Astronomen Koch auf der von Nathanael Matthäus von Wolf um 1780 gestifteten Sternwarte auf dem Bischofsberg in einer militärisch und politisch sehr schweren Zeit für Danzig, die sogar zur Zerstörung der Sternwarte führte.

Über „Jüdische Ärzte in Danzig bis zum Zweiten Weltkrieg“ berichten Vilia von Grabowski und Prof. Dr. Michael von Grabowski, wobei sowohl die allgemeine politisch beeinflusste Lage in Danzig als auch Einzelschicksale Berücksichtigung finden. Speziell über „Die Elbinger Reederei F. Schichau“ und das Schicksal ihrer Schiffe über mehrere Jahrzehnte bis nach dem Zweiten Weltkrieg stellt Hans-Jürgen Klein die wesentlichen Fakten zusammen. Unter dem Titel „Die rätselhafte Bromberger „Bogenspannerin“. Dem Bildhauer Ferdinand Lepcke (1866 – 1909) zum 150. Geburtstag gewidmet.“ befasst sich Rainer Kißro genau und sorgfältig mit dem Schicksal der berühmten 1910 enthüllten Bromberger Frauenplastik und dem ihres Erschaffers sowie mit Gießereien und Eisenhütten der damaligen Zeit, insbesondere in Lauchhammer, Ortrand, Berlin und Umgebung.

Günter Hagenau berichtet unter dem Titel „Flucht und Vertreibung. Die Räumung Westpreußens – Planung und Durchführung 1944/1945“ über bisher kaum bekannt gewordene Überlegungen für eine geordnete Evakuierung, die durch die realen Kriegsereignisse hinfällig wurden. In ihrem Beitrag „Flucht oder Bleiben? Eine Alternative am Ende des Krieges?“ stellt Dr. Gisela Borchers Gedanken von Menschen – vorwiegend aus Erlebnisberichten aus dem Kreis Berent – zusammen, die von den Kriegsereignissen unmittelbar betroffen waren und auf die wechselnden militärischen Gegebenheiten reagieren mussten, oft ohne genaue Kenntnisse darüber zu besitzen.

Prof. Dr. Peter Maser fasst die Schwierigkeiten zwischen der evangelischen Kirche und den Vertriebenen zusammen, benennt die zugrunde liegenden Ursachen und auch die Hilfsleistungen der Kirche unter der Überschrift „Die evangelischen Kirchen als Partner der Vertriebenen – Geschichte, Gegenwart und Zukunft.“ In seinem Beitrag „Danzig im Wandel. Bauten und Baugeschehen im Umfeld politischer, sozialer und wirtschaftlicher Bedingungen.“ weist Prof. Dr. ing. Wolfgang Deurer auf bedeutende Aspekte der Baugeschichte in Danzig hin, wobei er schwerpunktmäßig die schwierigen Verhältnisse der Nachkriegszeit und ihre Bewältigung berücksichtigt und mit Bildern illustriert.

Der Band wird eingeleitet durch ein Geleitwort des Vorsitzenden der Landsmannschaft Westpreußen Ulrich Bonk und schließt mit Kurzbiographien der Verfasser und Erläuterungen zu den Farbtafeln. Interessante Ereignisse, unbekannte Details und überraschende Zusammenhänge über das Land an der unteren Weichsel werden den Leser auch in diesem Jahr wieder erfreuen und die Lektüre weitestgehend interessant und abwechselungsreich machen.

Hans-Jürgen Kämpfert

Westpreußen-Jahrbuch - Aus dem Land an der unteren Weichsel
Band 66, Münster 2016, Preis: EUR 17,50

Zu beziehen durch: Landsmannschaft Westpreußen, Mühlendamm 1, 48167 Münster-Wolbeck, Ruf: 02506 / 30 57 50,
Fax: 02506 / 30 57 61, E-Mail: Landsmannschaft-westpreussen@t-online.de

(HINWEIS: Die Mitglieder der Copernicus-Vereinigung haben das
Jahrbuch automatisch zugesandt bekommen!)

 

Inhaltsverzeichnis-Logo