Westpreußen-Jahrbuch 2013


Jahrbuch 2013

Westpreußen-Jahrbuch 2013

 

Der neue Band 63 des Westpreußen-Jahrbuches für das Jahr 2013 liegt vor. Er bietet den Lesern drei Schwerpunkte: Elbing, Marienburg und die Kaschubei. Die Beiträge sind wieder zeitlich geordnet; dazu kommen drei Gedichte und vier Beiträge zu unterschiedlichen Themen.

Am Anfang steht der Bericht von Hans-Jürgen Schuch, der durch seinen Untertitel „Von der Bevölkerungsentwicklung seit 1237 bis 1945“ gut charakterisiert ist und in seinem Haupttitel den Schwerpunkt des Aufsatzes nennt: „Elbing um 1772/73“. Der Leser erfährt daneben viel über die Geschichte und die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Ein kurzer Ausblick befasst sich auch mit der Situation nach 1945. Einen ganz andersartigen Ansatz verfolgt Hans-Jürgen Klein mit seinem Beitrag „Die Geschichte des sogenannten  „Königshauses“ in Elbing“. Hier wird sehr genau verfolgt, welche Besitzer das Haus im Laufe der Geschichte gehabt hat. Wenn möglich, werden ihre Lebensdaten und ihre Funktionen in der Stadt Elbing bekannt gegeben. Dass Elbing einen der Schwerpunkte des neuen Bandes bildet, erkennt man schon am Titelbild außen auf dem Umschlag: ein wunderschönes Farbbild des Ostgiebels am Königshaus.

„Deutschordensmönche“ nennt Hans Joachim Borchert seinen Aufsatz schlicht und untersucht dabei die Frage, ob die Angehörigen des Deutschen Ordens auf der Marienburg und den anderen Burgen eigentlich Ritter, Mönche oder Geistliche waren. Viele interessante Details zum Leben auf den Burgen des Deutschen Ordens damals erfährt der Leser beim Klärungsversuch dieser Frage. Dr. Wolfgang Lippky schreibt über „Das Protokoll einer Vertreibung in einem Visitationsbericht des Jahres 1739“. Der vertriebene Pfarrer hält sich in Alt Christburg auf und regt den Verfasser an, sich auch Gedanken über Migration ganz allgemein und den heutigen – wohl nicht immer sinnvollen - Umgang mit diesem Begriff zu machen.

„Alexander Treichel aus Hoch Paleschken“, der „Wegbereiter volkskundlicher Forschungen in Westpreußen“, gehört zu den Fastvergessenen. Hans-Jürgen Kämpfert erinnert anlässlich der 175. Wiederkehr seines Geburtstages an sein Leben in der Kaschubei, seine unermüdliche Forschungs- und Sammlertätigkeit und seine vielen Hundert von wissenschaftlichen Aufsätzen in ganz verschiedenen Zeitschriften zahlreicher Fachrichtungen. Dr. Helga Ibarth schildert den Lebensweg zweier Frauen: Marie Baum aus Danzig und Marianne Plehn aus Lubochin im späteren Korridorgebiet um 1900. Beide studierten in der Schweiz, da es für Frauen in Deutschland damals noch keine Studienmöglichkeit gab, beide promovierten und waren erfolgreich in ihrem Beruf und beide standen in enger Berührung mit der Familien- und Sozialpolitik ihrer Zeit, die dem Leser nahe gebracht wird.

 

Dr. Rainer Zacharias würdigt „Conrad Steinbrecht“, der „40 Jahre Baumeister an der Marienburg zwischen 1882 und 1922“ war. Ausführlich betrachtet er dessen Tätigkeit als Architekt, Restaurator, Wissenschaftler, Bauführer, Historiker und Archäologe und geht auch auf die Schwierigkeiten ein, die sich einem Restaurator zwischen Rekonstruktion eines historischen Bauwerks und seiner moderner Zweckbestimmung immer wieder stellen. Über „General Heinz Guderian und der Polenfeldzug 1939“ berichtet Dr. Horst Gerlach anhand eines Buches des aus Kulm an der Weichsel gebürtigen Panzergenerals des Zweiten Weltkrieges und eigener Erfahrungen. Seine Ausbildung und seine Studien, die ausführlich dargestellt werden,  führten Guderian zur Aufstellung moderner Panzereinheiten, die zu Kriegsbeginn in Westpreußen erstmals eingesetzt wurden.

Die „Identitäten und Identifikationen der Deutschen in der Kaschubei“ untersucht und beschreibt Roland Borchers nach Befragungen von deutschen und kaschubischen Zeitzeugen bis 1945. Die Recherchen erfolgten im Rahmen eines vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) geförderten Forschungsprojektes „Erinnerung und Identität in der Kaschubei“ des Osteuropa-Instituts der Freien Universität Berlin. Der Aufsatz bringt auch wörtliche Aussagen von bekannten Westpreußen aus der Kaschubei.  Abschließend steht ein Aufsatz von Dr. Lothar Hyss: „Westpreußisches Landesmuseum – Kulturbotschafter zwischen Deutschland und Polen.“ Er stellt die Aufgaben und Tätigkeitsfelder des auf Grund des § 96 BVFG größtenteils finanzierten Landesmuseums dar und gewinnt seine besondere Aktualität durch die Ende des Jahres 2013 erfolgende und mit Spannung erwartete Wiedereröffnung des Museums am neuen Standort in Warendorf/Westfalen, das auch weiterhin die kulturelle und historische Arbeit für Westpreußen und die Darstellung seiner vielfältigen  Beziehungen in sein Umfeld für die nächsten Jahrzehnte sichern soll.

Der Band wird bereichert durch drei Gedichte von Gisela Brauer, Johannes Trojan und Robert Reinick, und ergänzt durch ein Geleitwort des Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Westpreußen Ulrich Bonk, ein Inhaltsverzeichnis, ein Verfasserverzeichnis und Erläuterungen zu den Farbtafeln. Der Umfang von 196 Seiten beinhaltet 26 Schwarzweiß-Abbildungen und 16 Tafeln mit 18 Farbbildern, die die Texte veranschaulichen sollen. Der Preis beträgt 16,50 Euro. Sowohl aus der Art der Darstellungen durch die Autoren als auch aus den Inhalten selbst spricht die Faszination für das Land an der unteren Weichsel.
(HJK)

Westpreußen-Jahrbuch. Aus dem Land an der unteren Weichsel. Bd. 63. Hg. v. Hans-Jürgen Kämpfert in Zusammenarbeit mit Waltraud v. Schaewen-Scheffler, Armin Fenske und Reinhard M. W. Hanke. Münster (Westpreußen-Verlag) 2013. 196 S., 16 Farbtafeln, broschiert. ISBN 978-3-9812143-6-9. Preis 16,50 Euro (+ Porto u. Verpackung).

Zu beziehen über die Landsmannschaft Westpreußen, Mühlendamm 1, 48167 Münster, Ruf: 02506/305750, Fax: 02506/305761, E-Mail: Landsmannschaft-Westpreussen@t-online.de.

(HINWEIS: Die Mitglieder der Copernicus-Vereinigung bekommen das
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