Westpreußen-Jahrbuch 2014


Cover WPJB 2014

Westpreußen-Jahrbuch 2014

 

Nach langer Wartezeit ist nun der Band 64 des Westpreußen-Jahrbuches erschienen. In gewohnter Tradition enthält er neun Beiträge mit 30 schwarz/weiß Abbildungen im Text, zwei Gedichte und 14 meist ganzseitige Farbtafeln, die den einzelnen Aufsätzen zugeordnet sind;  dazu ein Verfasserverzeichnis mit einer Kurzcharakteristik der Autoren und Erläuterungen zu den Farbtafeln. Die Textbeiträge sind wieder zeitlich geordnet. Sie beginnen mit dem Ende des 12. Jahrhunderts und enden in der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Der erste Aufsatz von Hans-Jürgen Klein behandelt eine Inschrift im Bremer Rathaus, die sich mit den Kreuzzügen und mit der Beteiligung der Städte Bremen und Lübeck an diesen Unternehmungen befasst, aus denen schließlich die Gründung des Deutschen Ordens resultierte. Die in der Inschrift behandelten Aussagen werden anhand der Ergebnisse der Geschichtsforschung auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht und kritisch beurteilt.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat 1960 die Patenschaft für die Landsmannschaft Westpreußen übernommen: Anlaß für den Beitrag von Hans-Jürgen Schuch mit dem Titel „Westfalen und Westpreußen – Von den Wurzeln im Mittelalter zur Patenschaft in der Gegenwart“. Familien- und Ortsnamen, Persönlichkeiten der neueren Zeit und andere historische Gegebenheiten lassen die Beziehungen zwischen Westpreußen und Westfalen deutlich und anschaulich werden.

Ein Zahnarzt geht der Tatsache der „Zahnlosigkeit als Arbeitsplatzproblem am Dom von Marienwerder – 1699“ nach. Dr. Wolfgang Lippky zeigt mit Hilfe zeitgenössischer Urkunden auf, wie dieses für einen Priester äußerst schwierige Problem damals gelöst worden ist. Dieses konkrete Beispiel ist Ausgangspunkt für einige allgemeine Bemerkungen zur Zahnheilkunde im 17. und 18. Jahrhundert.

Die Auseinandersetzungen zwischen Pietisten und den Vertretern der orthodoxen lutherischen Lehre erreichten um 1700 in Danzig Ausmaße, die ihre Bedeutung über Danzig hinaus besaßen. Dr. Liliana Gorska von der Universität Thorn untersucht und bewertet anhand der Schriften von Samuel Schelwig, Rektor des Akademischen Gymnasiums in Danzig, Prediger an St. Katharinen und Pastor an St. Trinitatis, die Argumente und Standpunkte beider Seiten.

Ein Gesangbuch dient Dr. Rainer Zacharias aus Kiel als Grundlage für die Schilderung der kirchlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse ganz allgemein für Pastoren und Gemeindemitglieder in den Jahrzehnten um 1700. Leonhard Wächters „Verbessertes Marienburgisches  Gesang-Buch“ von 1713 wird zu diesem Zweck sehr ausführlich beschrieben und ausgewertet, so dass Freud und Leid der Menschen am Unterlauf der Weichsel sichtbar und nachvollziehbar werden.

Der Nobelpreisträger für Chemie des Jahres 1920 wurde vor 150 Jahren in Briesen geboren und ist in Graudenz und Umgebung (Domäne Engelsburg) aufgewachsen. Hans-Jürgen Kämpfert schildert den  Lebensweg eines der bedeutendsten deutschen Naturwissenschaftler und Hochschullehrer in Göttingen und Berlin und benennt seine Forschungsergebnisse und Erfindungen. Eine ausführliche deutsche Biographie des Mitbegründers der physikalischen Chemie, der auf seinem Gut Ober-Zibelle bei Liegnitz starb, fehlt eigentlich immer noch.

„Zweimal amerikanische Bombenflugzeuge über Marienburg“ benennen Prof. Dr. Helmut Freiwald und Axel Zimmermann ihren Beitrag über die beiden Angriffe der amerikanischen Achten Luftflotte auf das Außenwerk der Focke-Wulf-Flugzeugbau aus Bremen in der Gemarkung Königsdorf. Eigene Beobachtungen, Aussagen von Zeitzeugen und Literaturangaben werden zu einem anschaulichen und sehr genauen Bild des Hergangs und der Folgen dieser Kriegsereignisse zusammengefügt. – Von Eichfelde im Kreis Zempelburg führte der Treck ab Ende Januar nach Hittfeld bei Hamburg. Pastor Horst Bethke beschreibt seine aufrührenden und traumatischen Erlebnisse unter dem Titel „Wie ich als Kind die Flucht 1945 erlebt habe und bis heute nicht vergessen kann“. Der Zeitzeugen-Bericht enthält nicht nur die Vorbereitungen und die Vorkommnisse während der Flucht, sondern auch die ersten Eindrücke, die mit der Ankunft am Zielort und mit der Einweisung in ein neues Quartier verbunden waren.

Dr. Michael T. W. von Grabowski, selber Orthopäde, erinnert an „Prof. Dr. Hermann Watermann (1898 – 1963) – Ein vergessener deutscher Orthopäde.“ Der in Friedrichstadt in Schleswig-Holstein geborene Watermann studierte in Münster, Würzburg, Düsseldorf und Heidelberg, begann seine berufliche Laufbahn als Chefarzt in Frauenburg in Ostpeußen, setzte sie an der Medizinischen Akademie Danzig mit dem Aufbau der Orthopädischen Klinik in Danzig-Silberhammer fort und beendete sie in Düsseldorf.

Je ein Gedicht von Wolfgang Federau, Lübeck, „Ewige Stadt Danzig“ und Gisela Brauer, Bad Oldesloe, „Weihnachten daheim“ bereichern den Band. Ein Geleitwort des Vorsitzenden der Landsmannschaft Westpreußen führt in den neuen Band 64 ein. Sehr unterschiedliche, aber äußerst abwechselungsreiche Themen geben wieder Auskunft über recht verschiedenen Regionen des Landes an der unteren Weichsel. Neues und auch Staunenswertes erfährt der Leser aus den einzelnen Beiträgen kompetenter und für Westpreußen engagierter Autoren.

(HJK)

Westpreußen-Jahrbuch. Aus dem Land an der unteren Weichsel. Band 64. Hg. v. Hans-Jürgen Kämpfert in Zusammenarbeit mit Waltraud v. Schaewen-Scheffler, Armin Fenske und Reinhard M. W. Hanke. Münster (Westpreußen-Verlag) 2014. 154 S., 14 Farbtafeln, broschiert. ISBN 978-3-9812143-8-3. Preis: 16,50 Euro (+ Porto u. Verpackung).

Zu beziehen durch: Landsmannschaft Westpreußen, Mühlendamm 1, 48167 Münster-Wolbeck, Ruf: 02506/305750, Fax: 02506/305761, E-Mail: Landsmannschaft-Westpreussen@t-online.de.

 

(HINWEIS: Die Mitglieder der Copernicus-Vereinigung haben das
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