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Wegweiser für Zentrum in Berlin
“Sichtbares Zeichen”: Ausstellung im Bonner Haus der Geschichte
Von Siegfried Sieg
Anfang Dezember 2005 wurde im Haus der Geschichte in Bonn die Ausstellung “Flucht –Vertreibung - Integration” in Anwesenheit von Bundespräsident Horst Köhler eröffnet. 60 Jahre nach Kriegsende wird damit erstmals offiziell eine umfassende Ausstellung zu einem der brisantesten Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte gezeigt. Die Thematik, das zeigt auch die seit dem Jahre 2000 kontrovers geführte Diskussion um das geplante Zentrum gegen Vertreibungen, ist diesseits und jenseits der Oder nach wie vor hoch sensibel.
Die Bonner Ausstellung kann als ein erstes “sichtbares Zeichen” verstanden werden, sich historisch wie auch politisch diesem bis heute heiklen Thema in dieser Weise in einem staatlichen Museum zu nähern. So ist auch die Schirmherrschaft über die Ausstellung durch Bundespräsident Köhler zu würdigen, der als erster deutscher Präsident schon durch seine eigene Biographie mit dem Thema der Ausstellung “Flucht – Vertreibung - Integration” sehr unmittelbar persönlich verbunden ist.
Die Ausstellung (3.12.2005 – 17.4.2006) ist in den Medien weitgehend positiv bewertet worden. Mit rund 1.500 Exponaten ist der Bogen der Ausstellung thematisch weit gespannt. Er umfasst zeitlich das gesamte “Jahrhundert der Vertreibung”. Der Schwerpunkt liegt jedoch bei der Flucht und Vertreibung der Deutschen aus den historischen deutschen Ostgebieten. Eine größere erzwungene “Bevölkerungsverschiebung” hat es im 20. Jahrhundert nicht gegeben. Professor Hermann Schäfer, Präsident des Hauses der Geschichte, sprach in seiner Eröffnungsrede auch das Leid der betroffenen Menschen an. Er führte dazu aus: “Die Deutschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten oder vertrieben wurden, waren Opfer.” Dieses Leid der Opfer wurde in Deutschland jahrzehntelang tabuisiert. Es blieb seit den Ostverträgen der Willy-Brandt-Zeit vorrangig der privaten Erinnerung und dem von den Landsmannschaften und Vertriebenenverbänden bewahrten Erinnern, Mahnen und Gedenken an die schicksalhaften Ereignisse um Flucht und Vertreibung überlassen. Mit den Dokumentarberichten in den Medien anlässlich der 60. Wiederkehr des Kriegsendes von 1945 trat dann ein Wandel in der öffentlichkeitsrelevanten Wahrnehmung der leidvollen Thematik ein. Es sei wiederholt: Mit der aktuellen Ausstellung in Bonn ist ein bemerkenswertes erstes “sichtbares Zeichen” (siehe auch die Regierungserklärung der Bundeskanzlerin Angela Merkel) gesetzt worden. So schreibt Michael Jeismann in der FAZ vom 5.12.2005 unter der Überschrift “Tränen sind nicht aus Blei” dann auch sehr treffend: “Wir beginnen zu verstehen: Sechzig Jahre nach Kriegsende versucht zum erstenmal eine Ausstellung, sich mit den bitteren Erfahrungen der Vertreibung wissenschaftlich fundiert auseinander zusetzen. Das Ergebnis ist beeindruckend.”
Die Ausstellung im Haus der Geschichte in Bonn soll anschließend in Berlin (Mai – August 2006) und danach in Leipzig (Dezember 2006 – April 2007) gezeigt werden. Stimmen werden laut, die Ausstellung als Grundstock für ein größeres Projekt in Berlin zu nehmen, die Erika Steinbach empfehlen, diese Ausstellung als Kern eines Zentrums gegen Vertreibungen in Betracht zu ziehen. Erika Steinbach betont jedoch, dass ihr weiter gefasstes Projekt eines Zentrums in Berlin einerseits das weltweite Vertreibungsgeschehen umfassender darstellen und andererseits aber auch die Siedlungsgeschichte der Deutschen im Osten, in Mittelost- und Osteuropa mit enthalten solle. Das käme in der Bonner Ausstellung nur am Rande vor. Der SPD-Politiker Markus Meckel machte dagegen den Vorschlag, man könne doch die Bonner Ausstellung, die ohnehin in Berlin gezeigt werde, als das im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung genannte “sichtbare Zeichen” nehmen, sie dauerhaft in Berlin präsentieren und auf das Zentrum gegen Vertreibungen verzichten. Dieser Vorschlag entspricht seiner bekannten Gegnerschaft zum Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin. Professor Hermann Schäfer erklärte dazu, er sehe seine Bonner Ausstellung als “ein sichtbares Zeichen” – ob es “das sichtbare Zeichen” werde, müssten andere entscheiden. Darum geht es in der Tat!
Der 10. Dezember jeden Jahres gilt international als Tag der Menschenrechte. Erika Steinbach, MdB, erklärte aus diesem Anlass: “Vertreibungen sind Menschenrechtsverletzungen.” Sie fügte hinzu, dass der Tag der Menschenrechte auch ein Tag des Gedenkens an die Opfer zurückliegender Vertreibungen sei. Ausgehend vom eigenen leidvollen Schicksal hätten die im Bund der Vertriebenen organisierten Vertriebenen beschlossen, mit einem Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin ein Zeichen zu setzen, dass sich Menschenrechtsverletzungen wie Vertreibungen und Völkermord nie mehr wiederholen dürfen und geächtet werden. Zu dieser Feststellung steht auch die Landsmannschaft Westpreußen uneingeschränkt, indem sie sich als Zustifter an der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen beteiligt.
Im neuen Jahr 2006 wird es nun um die politische Entscheidung gehen, ob und in welcher Form es das Berliner Zentrum geben wird. Es bleibt zu hoffen, dass es ein der historischen Bedeutung angemessenes “großes sichtbares Zeichen” in Berlin sein wird. Ein Vetorecht Polens oder Tschechiens kann es nicht geben – eine Mitwirkung beider Länder hingegen wäre auch ein Beitrag zur vielzitierten Verständigung unter den Nachbarvölkern in der Mitte Europas. Das Zentrum wird sich unter den kritischen Augen einer europäischen Öffentlichkeit entwickeln und darstellen müssen. Es geht um viel – um den wichtigen Beitrag, Völkermord und Vertreibung für alle Zukunft weltweit ächten zu helfen.
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