Abstimmung - sie wurde am 11.07.1920 aufgrund des Versailler Friedensvertrages in dem Gebiet rechts der Weichsel in den westpreußischen Kreisen Marienburg, Marienwerder, Stuhm und Rosenberg durchgeführt. Dabei stimmten 93 % der Einwohner für die Zugehörigkeit zu Ostpreußen (Deutsches Reich). Dieser Teil wurde als > Regierungsbezirk Westpreußen verwaltungsmäßig Ostpreußen zugeschlagen. In Danzig fand keine Abstimmung statt.  Die Stadt bekam, unter Einbeziehung des Werders, den Status der > Freien Stadt Danzig, und sie kam unter das > Völkerbundmandat. Die westpreußischen Kreise Flatow (teilweise),
Schlochau (teilweise) und Deutsch Krone sowie Schneidemühl (bisher Posen) blieben  ohne Abstimmung beim Deutschen Reich ( > Grenzmark Posen –Westpreußen).
Das Kerngebiet Westpreußens ging ohne Befragung der Bevölkerung als > Pommerellen (Weichsel- oder  Polnischer Korridor) an Polen.

Lit.: Westpreußen im Wandel der Zeiten – Ein Bild-, Karten- und Geschichtswerk des Landes an der unteren Weichsel. Hrsg. vom Heimatkreis Stuhm/Westpr. Bebildert und beschriftet von  Otto Piepkorn. [Bad Pyrmont] [ca. 1989].
WAZ 080218 Hk                                                                                                    Jürgen Schultz (Soest)

Amtshauptmann – Verwalter eines   > Hauptamtes im Herzogtum, meistens einer ehemaligen  Komturei. Im westlichen Preußen, im Pomesanien: 1) Amt Marienwerder, bekanntester Amtshauptmann war  > Otto Friedrich von der Groeben, Erbherr des Majorats Neudörfchen bei Marienwerder, 2) Riesenburg.
WAZ 080218 Hk                                                                          Hans-Jürgen Schuch (Münster/Westf.)

Bevölkerungswachstum – Von 1871-1910 nahm die Bevölkerung Westpreußens um 29,6 Prozent zu, die Ostpreußens um 13,2 Prozent.
Lit.: Hartmut Boockmann: Ostpreußen und Westpreußen. Berlin 1992. = Deutsche Geschichte im Osten Europas. S. 368.

WAZ 080218 Hk                                                                          Hans-Jürgen Schuch (Münster/Westf.)

Bistum Danzig –  nach Errichtung des Staates Freie Stadt Danzig (etwa 35 % Katholiken, 60 % Evangelische) wurde durch die päpstliche Bulle „Universa Christifidelia cura“ vom 30. Dezember 1925 für die Danziger Katholiken ein eigenes und exemtes (d.h. unmittelbar dem Apostolischen Stuhl unterstelltes) Bistum unter dem ersten Bischof Eduard Graf O’Rourke (Nachfolger Dr. Carl Maria Splett) mit Sitz an der Pfarr- und ehemaligen Klosterkirche Oliva („Allerheiligste Dreifaltigkeit“) geschaffen.
Mit Wirkung vom 25. März 1992 entstand nach radikaler Neustrukturierung nahezu aller bisherigen Diözesangrenzen ein Erzbistum Danzig (St. Marien und Abteikirche Oliva).

Lit.: Stefan Samerski: Die katholische Kirche in der Freien Stadt Danzig 1920-1933. Katholizismus zwischen Libertas und Irredenta. Köln u.a. 1991. = Bonner Beiträge zur Kirchengeschichte.17.
WAZ 080218 Hk                                                                            Hans-Jürgen Kämpfert (Stockelsdorf)

Bistümer im Preußenland – Am 29. Juli 1243 richtete Papst Innozenz IV. durch die  Bulle von Anagni (bei Rom) und durch Mitwirkung des päpstlichen Legaten Wilhelm von Modena im Preußenland vier Diözesen ein: Kulm, Pomesanien, Ermland und Samland.
Zum Unterhalt erhielt der Bischof von Kulm 600 Hufen Land und den ganzen Zehnten, den anderen drei wurde ein Drittel ihrer Diözese als weltliches Territorium zugesprochen, von dem wiederum ein Drittel dem Domkapitel zufallen sollte. Die Kapitel von Kulm, Pomesanien und Samland wurden dem Orden inkorporiert, d. h. sie bestanden ausschließlich aus Priesterbrüdern des Deutschen Ordens, der Hochmeister war ihr Vorgesetzter. Metropolit war seit 1246 der Erzbischof für „Preußen und Livland“ mit Sitz in Riga (1251).

Lit.: Heinz Neumeyer: Westpreußen – Geschichte und Schicksal. München 1993.
WAZ 080218 Hk                                                                            Hans-Jürgen Kämpfert (Stockelsdorf)

Burggraf –  Im Mittelalter in Süd- und Westdeutschland ein königliches oder bischöfliches Amt, militärischer Burg- oder Stadtkommandant, später Burgverwalter oder bloßer Titel. In Westpreußen: 1) In den großen Städten ab 1466 der Vertreter des Schutz- und Oberherrn, des Königs von Polen. In Elbing rangierte der Burggraf zunächst nach dem präsidierenden Bürgermeister, später davor. In Danzig wählte der König von Polen den Burggraf aus acht vom Rat vorgeschlagenen Ratsherren aus, der Elbinger Rat brachte nur vier Vorschläge zu unterbreiten. Den Thorner Burggraf konnte der König aus allen Mitgliedern des Rates wählen. Es bestand kein Vorschlagrecht. Die zur Auswahl Vorgeschlagenen mussten Deutsche sein. -  2) Im Herzogtum vertrat der Burggraf den Amtshauptmann, der auch für die Gerichtsbarkeit zuständig ist. – 3) Das edelfreie Geschlecht Dohna, 1127 mit der Burg Dohna (Donin) bei Pirna/ Sachsen belehnt, 1402 verloren, wurde 1648 in den Reichsgrafenstand erhoben und zu Burggrafen ernannt. Sie brachten diese Titel nach Preußen mit. Einem Familienzweit gehörte die Herrschaft Finckenstein (Kreis Rosenberg). Das Familienoberhaupt aus Schlobitten (Kreis Preußisch Holland, Ostpreußen) wurde 1900 erblich gefürstet. – 4) Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Oberpräsidenten 1842 behielt der ehemalige Staatsminister (Innenminister) Theodor von Schön die Verwaltung der Marienburg. König Wilhelm IV. verlieh Schön, der sich besonders um die Rettung/Restaurierung der Marienburg verdient gemacht hatte, den Titel: Burggraf der Marienburg. – 5) Verwalter von Kirchenämtern der Bischöfe und der Domkapitel bis 1772, zuständig auch für die Gerichtsbarkeit. – 6) Außerdem > Oberburggraf.
WAZ 080218  Hk                                                                         Hans-Jürgen Schuch (Münster/Westf.)

Der Lachs – 1567 wanderte Ambrosien Vermöllen aus Lier in Holland als Glaubensflüchtling nach Danzig ein, wo er erst 1598 das Bürgerrecht erhielt und eine Likörfabrik gründete, die in der Erbfolge von Töchtern unter dem Namen „Isaac Wed-Ling Witwe und Eydam [Schwiegersohn, d. Verf.] Dirck Hekker“ insbesondere mit dem „Danziger Goldwasser“ bekannt wurde (in der Literatur bei Kleist, Fontane, Ebner-Eschenbach, G. Hauptmann, Barbara Noack u.a.). Ab 1704 wurde in dem Haus Breitgasse 52 mit dem steinernen Lachs über der Tür (Hausmarke) produziert, der zum Firmennamen wurde. Die Firma wurde mit bis zu 97 Likörsarten weltweit bekannt. Während nach 1945 außer „Danziger Goldwasser“ noch „Kurfürsten“, „Pommerantzen“, Krambambuli“ und Wodka hergestellt wurde, ist zur Zeit nur noch ersteres erhältlich (Gräflich von Hardenbergsche Kornbrennerei in Nörten-Hardenberg).

Lit.: Joachim Bahlcke: Die Liqueur-Fabrik Der Lachs. Ein Beitrag zur Geschichte des Brauwesens in der Ostseemetropole. In: Westpreußen-Jahrbuch, Bd. 49, 1999, S. 99-107.
WAZ 080218 Hk                                                                            Hans-Jürgen Kämpfert (Stockelsdorf)

Deutscher Orden – Der Deutsche Orden, gegründet 1190 vor Akkon im Heiligen Land, war nach 1230 im Preußenland Landesherr, besaß Rechte ähnlich denen der deutschen Reichsfürsten. Er war von 1198 bis 1929 ein Ritterorden, bestehend aus Ritter-, Priester- und Halbbrüdern (Graumäntlern) und Nonnen. Seine Besitzungen reichten vom Atlantik bis zum Baltikum. Seit 1809 hat der Deutsche Orden seinen Sitz in Wien. Erstmals übernimmt 1923 ein Ordenspriester das Hochmeisteramt. Der Deutsche Orden ist seit 1929 kein Ritterorden, sondern ausschließlich ein klerikaler Orden der Katholischen Kirche, bestehend aus Priesterbrüdern und Nonnen.
WAZ 080218  Hk                                                                        Hans-Jürgen Schuch (Münster/Westf.)

Entenflott – Wasserlinse, Lemna, eigene Gattung mit mehreren Arten, auch Entengrütze genannt.WAZ 080218 Hk                                                                           Hans-Jürgen Kämpfert (Stockelsdorf)

Grenzmark Posen-Westpreußen – Von 1922 bis 1938 preußische Provinz aus den nach dem Versailler Vertrag beim Deutschen Reich verbliebenen drei räumlich getrennten Restteilen der preußischen Provinzen Posen und Westpreußen mit der Hauptstadt Schneidemühl (Sitz des Oberpräsidiums).
Die Provinz bestand aus dem Stadtkreis Schneidemühl (bisher Posen) und acht Kreisen: 1. von Westpreußen: Schlochau , Flatow – dessen östlicher Teil als neu geschaffener Kreis Zempelburg an Polen fiel -  und Deutsch Krone; von Posen ebenfalls: Schönlanke oder Netzekreis (aus Resten der Kreise Colmar, Czarnikau, Filehne – mit Schönlanke als neuer Kreisstadt); 2. Schwerin an der Warthe, Meseritz, Bomst und 3. Fraustadt. Ihre Fläche betrug etwa 7.695 qkm, die Einwohnerzahl 350.000, insgesamt 24 Städte. Die Kreise entsprachen nicht alle den Vorkriegskreisen, da diese z.T. willkürlich zerschnitten wurden, ebenso die Straßen- und Eisenbahnverbindungen.
Schneidemühl verblieb erst nach den Kundgebungen vom 12. Mai und 3. Juni 1919 (10.000 Menschen) beim Deutschen Reich. Die Einrichtung der neuen, eigenständigen Provinz und die Wahl ihres Namens erfolgte gemäß dem Wunsch der Bewohner auf der Volkskundgebung vom 21. Juni 1920 durch das „Gesetz über die Neuordnung der kommunalen Verfassung und Verwaltung der Ostmark“ des preußischen Landtages vom 21 Juli 1922 („Ostmarkengesetz“) über die Schaffung der neuen Provinz „Grenzmark Posen-Westpreußen“ und des Regierungsbezirkes „Westpreußen“ in der Provinz Ostpreußen, um wenigstens die Namen der beiden verlorenen preußischen Provinzen zu erhalten.
Durch die Gesetze vom 21. März und 2. September 1938 wurde die Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen wieder aufgelöst:  die vier erstgenannten, nördlichen Kreise und Schneidemühl kamen zu Pommern (Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen), die mittleren Kreise zu Brandenburg, jedoch ein Teil des Kreises Bomst sowie der südliche Kreis Fraustadt zu Schlesien.
Lit.: Franz Lüdtke: Grenzmark Posen-Westpreußen. Leipzig 1927.
WAZ 080218 Hk                                                                          Hans-Jürgen Kämpfert (Stockelsdorf)

Großgebietiger – Mitglied des höchsten Beratungsgremiums des > Hochmeisters des Deutschen Ordens: Großkomtur, (Stellvertreter des Hochmeisters, Komtur von Marienburg), Oberster Spittler (meistens Komtur von Elbing), Oberster Marschall (Führer des militärischen Aufgebots, Komtur von Königsberg), Oberster Trappier und Tressler (ohne „Oberster“).
WAZ 080218  Hk                                                                        Hans-Jürgen Schuch (Münster/Westf.)

Hochmeister – An der Spitze des Deutschen Ordens steht der gewählte Hochmeister, seit 1309 mit Sitz in Marienburg, nach 1457 bis 1525 in Königsberg. Er erhielt 1933 den Titel eines geweihten Abtes.
WAZ 080218 Hk                                                                          Hans-Jürgen Schuch (Münster/Westf.)

Hucken – in der Hocke sitzen.
WAZ 080218                                                            Hans-Jürgen Kämpfert (Stockelsdorf)

Kalmus – Sumpf- oder Wasserpflanze, Gattung der Aronstabgewächse (Acorus). Die Wurzeln werden be Magen- und Darmerkrankungen und bei der Likörherstellung verwendet.
WAZ 080218 Hk                                                                           Hans-Jürgen Kämpfert (Stockelsdorf)

Kampen – oder Außenland, Rohr-, Sumpf- und Moorgelände in der unmittelbaren Umgebung eines Sees oder auf Flüssen in der Niederung, z.B. des  >Drausensees, 1) als „feste Kampen“ oder „Wasserkampen“ an seiner Uferseite, 2) als „Treib- oder Schwimmkampen“ oder „Bilten“ auf seiner Wasserfläche schwimmend, also losgerissene Teile aus der Uferzone, die sich als Inseln auf dem See bewegen.
WAZ 080218 Hk                                                                            Hans-Jürgen Kämpfert (Stockelsdorf)

Karuß, Kruß – Karausche oder Breitling (Süßwasserfisch – Carassius carassius) bis 50 cm lang
WAZ 080218 Hk                                                                        Hans-Jürgen Kämpfert (Stockelsdorf)

Leeske – vom Grund eines flachen Sees emporwachsende, buschartige Bestände aus Igelkolbe, Rohrkolben, Seggen und Wasserschierling.
WAZ 080218 Hk                                                                            Hans-Jürgen Kämpfert (Stockelsdorf)

Mummel – gelbe Teichrose (Nuphar luteum, aus der Familie der Seerosengewächse) mit fleischigen Blättern und Stielen und gelben, kugeligen Blüten.
WAZ 080218 Hk                                                                            Hans-Jürgen Kämpfert (Stockelsdorf)

Oberburggraf – Einer der vier Regimentsräte (Landhofmeister, Oberburggraf, Kanzler, Obermarschall) im Herzogtum, seit 1542 de facto die Regierung, seit 1660 Oberräte. Diese Einrichtung geht zurück auf > die Großgebietiger des Deutschen Ordens. Ämter 1804 aufgehoben, die Titel mit dem Prädikat Exzellenz wurden bis 1918 verliehen, blieben aber dem Adel aus dem Preußenland vorbehalten.
WAZ 080218 Hk                                                                         Hans-Jürgen Schuch (Münster/Westf.)

Papchen – Blässhuhn (Fulica atra), Rallenart mit weißer Stirnplatte.
WAZ 080218 Hk                                                                            Hans-Jürgen Kämpfert (Stockelsdorf)

Schischken – Schilfblätter (als Streu für das Vieh).
WAZ 080218 Hk                                                                            Hans-Jürgen Kämpfert (Stockelsdorf)

Weißenhöher Himmelfahrt - Am 4. Oktober 1992 wurde nur mitternächtlichen Stunde in der Pension „Anna-Charlotte“ in Weißenhöhe (poln. Bialosliwie), Kreis Wirsitz (Wyrzysk) von den Herren Wolf-Dietrich Orland (1913-1994) und Reinhard Kißro (geb. 1948) der Gedanke für eine Gemeinschaft geboren, die sich vor Ort besonders und auch zukünftig mit dem immer mehr schwindenden deutschen Kulturgut beschäftigen sollte. So entstand 1993 probeweise die „1. Weißenhöher Himmelfahrt“. Seither findet die Weißenhöher Himmelfahrt unter der Leitung von Reinhard Kißro (Ortrand) und mit besonderer Unterstützung des Biologen Dr. Dietrich Hanspach (Ortrand) jährlich in der Woche von Christi Himmelfahrt statt. Die jeweils über 20 privat anreisenden Teilnehmer werden deutschlandweit eingeladen.  Das mehrtägige Exkursionsprogramm umfasst Themenschwerpunkte zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Netzelandes. Während Vorexkursionen (Februar/März) jeweils auf den Ablauf und die Durchführung der bevorstehenden Weißenhöher Himmelfahrt abzielen, beschäftigen sich die Nachexkursionen (Herbst) mit weiterführenden Planungen und Bestandsaufnahmen. Umfangreiche landeskundliche Kenntnisse und die Arbeit mit Messtischblättern werden dabei als Grundvoraussetzung für  eine erfolgreiche landeskundliche Arbeit angesehen.
Es wird an einer  umfangreichen Dokumentation zum Untersuchungsgebiet gearbeitet, die als  landeskundliches Inventar-Werk „Das Netzebruch von Bromberg bis Schneidemühl“ veröffentlicht werden soll.
WAZ 080218 Hk                                                                                                 Reinhard Kißro (Ortrand)

Woiwode – 1) nach 1466 bis 1772 der Inhaber einer Woiwodschaft, im westlichen Preußen der Woiwodschaften Kulm, Marienburg und Pommerellen (Danzig), auch Palatinate genannt.
2) Leiter einer Provinz, einer Woiwodschaft, ab 1920 im Korridor und nach 1945.
WAZ 080218    Hk                                                                      Hans-Jürgen Schuch (Münster/Westf.)

Anmähen - zum Anmähen kam der Gutsherr im Kreis Tuchel, auch mit Gästen, aufs Feld. Dort legte ihm der Vorarbeiter die Sense vor die Füße (Belegen) und sagte einen Spruch auf. Daraufhin musste der "Belegte" sich freikaufen.
Quelle: Persönliche Schilderung von Günter Jahn, Bad Pyrmont.
WAZ 080225 Hk                                                                                                    Jürgen Schultz (Soest)

Altpaleschker Riesenstaudenroggen wurde 2 m lang. Wegen Lagerproblemen hat ihn der Züchter Modrow, Gwisdzyn, auf eine normale Länge gezüchtet. Das war der "Preußen Roggen", der dem "Petkuser Roggen" an Winterfestigkeit überlegen war
Lit.: Heimatbuch für den Kreis Neumark in Westpreußen bis 1941 Kreis Löbau [Westpr.] – (Remscheid)  Selbstverlag Heimatkreis Neumark 1979.
WAZ 080225 Hk                                                                                                     Jürgen Schultz (Soest)

Agrarreformgesetz, polnisches, vom 28.12.1925 in > Pommerellen. Zur Schaffung von Ansiedlungsland sollte jeder Großgrundbesitzer einen Teil seines Bodens abtreten.
Das Ziel war: 1. Verhinderung von Bodenspekulationen, 2. Agrarstruktur sollte sich verändern, 3. Neuentstehung selbständiger Landwirtschaften, 4. Vergrößerung kleinerer Betriebe.
Die deutsche Minderheit hatte nichts gegen die Agrarreform, solange sie Gerechtigkeit für alle brachte. Diese Reform entwickelte sich von Anfang an gegen die Interessen der deutschen Minderheit in Polen. Durch die vorhergehenden Maßnahmen der polnischen Regierung erlitten die Deutschen schon durch > Annulation und > Liquidation erhebliche Landverluste. Am 02.10.1923 unterbreitete die Regierung in Warschau dem Sejm den ersten Gesetzentwurf für die Agrarreform. Dieser war unvereinbar mit den Art. 1, 7 und 8 des > Minderheitenschutzvertrages zu dem sich Polen im Friedensvertrag verpflichtete. Die parlamentarischen Vertretungen der Minderheiten versuchten bei der Regierung einen gerechteren Gesetzentwurf zu erwirken. Beschwerden beim Ministerpräsidenten blieben erfolglos. Deswegen richtete die deutsche Volksgruppe eine > Dringlichkeitseingabe an den Völkerbund. Daraufhin wurde das Gesetz am 20.07.1925 neu gefasst.
Lit.: Hans Joachim Modrow: Die deutsche Landwirtschaft in Pommerellen 1920-39 und ihr
Landbund Weichselgau innerhalb der deutschen Volksgruppe. – (Reinhausen 1970.)
72 Seiten. 8° [Maschr.  Autogr.]
WAZ 080225  Hk                                                                                                  Jürgen Schultz (Soest)

Advent(s)mütterchen zogen ab dem 1. Advent bis zum Heiligabend über die Straßen und von Haus zu Haus. Es waren Frauen aus den umliegenden Altersheimen und Hospitälern. Im Gegensatz zum heiligen Nikolaus, der auch im Gegensatz zu ihnen nur an einem Tage auftrat, verschenkten sie nichts, sondern nahmen gerne milde Gaben an. Wenn sie ins Haus kamen, sagten ihr die > Krabutzken die Wünsche zu Weihnachten auf, und gaben das von der Mutter in die Hand gedrückte > Dittchen. Die Kinder verbanden damit die Hoffnung, dass ihre Wünsche auch Wirklichkeit werden würden.
In Elbing haben sich die Adventmütterchen bis zum Schluss erhalten. Sie trugen wegen der kalten Winter lange dicke wollene Röcke, mehrere übereinander.  Darüber waren große dunkle, oder helle buntgestreifte Schürzen gebunden. Auf den Schultern lag ein schneeweißes großes Laken. Auf dem Kopf hatten sie einen großen, breitrandigen Hut, wie sie früher im Sommer die Landarbeiter auf den Feldern trugen. Darüber war ein unter dem Kinn zusammengebundenes Kopftuch. Im Arm hielten sie einen aus Weiden gebundenen Deckelkorb, in dem sie die milden Gaben, wie Kuchen, Äpfel, Mehl und Pflaumenmus einsammelten. Dankend verabschiedete sie sich bei den Hausbewohnern mit der Versicherung, dem Christkind das Gute aus dem Haus zu erzählen. Diese Sitte kam aus dem Mittelalter, wo die Frauen in Laken eingehüllt, für Kranke, Siechen und Leidende Gaben sammelten. Diese Sitte wandelte sich zu dem uns bekannten Brauchtum und hielt sich bis zu Flucht und Vertreibung 1945.
Lit.: Heinrich Eichen: Adventmütterchen. - Westpreußen-
Jahrbuch.[07](1957), Seiten 147-149.
Bernhard Heister: Elbinger Bilderbogen. Ein Gang durch  
Geschichte und Straßen einer Stadt. - Westpreußen-
Jahrbuch. 30(1980), Seiten 116-126 (hier S. 120).     
WAZ  080225  Hk                                                                                                  Jürgen Schultz (Soest)

Auskäst -  bezeichnet im mundartlichen die Beendigung der Ernte. Sie bot damit auch für die Jugend die Möglichkeit zum Tanz.
Lit.: Hugo Rasmus: Vom Volksliedgut in Westpreußen: eine historische Übersicht. – Münster  1997. = Quellen und Darstellungen zur Geschichte Westpreußens.29.
WAZ 080225 Hk                                                                                                      Jürgen Schultz, Soest

Artushof – benannt nach Artus (engl. Arthur),  ein sagenhafter kelto-britischer König, der um 500 gegen die eindringenden Angeln und Sachsen gekämpft haben soll; es haben wohl dabei ältere wie jüngere Elemente Spuren in der Sage hinterlasse. Die Artushöfe, oder Artus-Tafelrunden, waren im Mittelalter in England Turniere, die zu Ehren von König Artus abgehalten wurden. 1344 baute König Eduard III., in Windsor ein Haus, in dem zu bestimmten Zeiten Artus-Tafelrunden abgehalten werden sollten. Diese Häuser etablierten sich auch an den Küsten der Ostsee, weil durch den Handelsverkehr, auch zwischen England und dem Ordensland diese Sitte verbreitet wurde.
Schutzpatron wurde, durch den christlichen Einfluss, der heilige Georg.
In Preußen hieß das Gebäude Artushof. Es bildeten sich die > Artusbrüderschaften, an deren
Artus- und Junkerhöfen die vornehme Bürgerschaft ihre Feste feierte und ihre Tafelrunden abhielten.
Im Gegensatz zum bürgerlichen Charakter in Preußen, hatten waren sie in England weiterhin ritterlich geprägt. Artushöfe befanden sich in Thorn, Kulm, Elbing und Danzig.
Lit.: Hermann Bink: Die westpreußischen Artushöfe. – Westpreußen-Jahrbuch. 15 (1965),
Seiten 33-37.
Wolfgang Drost: Der Danziger Artushof zwischen magischer Romantik und bürgerlichem
Geist. Kunsthistorische Bemerkungen zu E.T.A. Hoffmanns Novelle. – Westpreußen-
Jahrbuch. 23 (1983), Seiten 73-80.
WAZ 080225 Hk                                                                                                     Jürgen Schultz, Soest

Ansiedlungskommission, königlich preußische, war im gesamten Deutschen Reich von 1886 bis 1919 tätig. Es wurden Siedlerstellen von 15 bis 120 ha geschaffen. In der Provinz Posen und in Pommerellen hat sie 2.683 Bauernfamilien angesiedelt. Der Erfolg der Ansiedlungskommission  lag mehr auf volkswirtschaftlichem als auf nationalpolitischem Gebiet. Die Intensivierung der Landwirtschaft wirkte sich positiv auf die Städte in der unmittelbaren Umgebung, in Handel und Gewerbe, aus. Die Siedler hatten vor 1908 bei Abschluss ein Wiederverkaufsrecht auf den preußischen Staat eingetragen. 1920 ging diese Abmachung auf den polnischen Staat über. Damit war unsicher, ob der Hof in Pommerellen weitervererbt werden konnte. Bis 1914 hat die Ansiedlungskommission 124.903 ha aus polnischer Hand, und 313.657 ha aus deutscher Hand auf freiwilliger Basis erworben. Bei Übergabe der Provinz Posen und Teilen Pommerellens 1920 an Polen, hat die Ansiedlungskommission 68.000 ha angekaufte Fläche gemäß Art. 256 des Versailler Vertrages an Polen übergeben.
Lit.:   Ludwig Bernhard:  Die Polenfrage.  3. Aufl. - München & Leipzig 1920.
Ludwig Bernhard:  Zur Polenpolitik des Königreiches Preußen. -  Berlin 1925.
Eingabensammlung der deutschen Volksgruppe in Westpolen. [Eine
Teilveröffentlichung der in d. Zeit vom März 1934 bis Sept. 1936 eingereichten
Eingaben]. – Bromberg: Deutsche Vereinigung 1936.
Heimatbuch für den Kreis Neumark in Westpreußen bis 1941 Kreis Löbau [Westpr.] –
(Remscheid)  Selbstverlag Heimatkreis Neumark 1979.    
WAZ 080225 Hk                                                                                                    Jürgen Schultz  (Soest)

Annulation - die Nichtigkeitserklärung des polnischen Staates, der durch die Ansiedler mit der  > Ansiedlungskommission geschlossenen Kaufverträge von Rentengrundstücken. Davon waren 3.962 Ansiedler betroffen, die nach dem 1. Januar 1908 die Verträge abgeschlossen hatten. Die durchschnittliche Größe der Siedlerstellen betrug 5 ha. Den polnischen Pass konnten die Siedler auch nicht erwerben, weil sie ab dem Stichtag für die Polen als Reichsdeutsche galten  (Poln. Gesetz vom 14.07.1920).
Der Haager Gerichtshof hat am 10. 09.1923 das Gesetz im Widerspruch zu dem Minderheitenschutzvertrag angesehen. Doch es wurden Tatsachen geschaffen. In wenigen Wochen wurden 58 % der deutschen Siedler auf die Straße gesetzt. Eine Entschädigung gab es nicht, oder nur im geringen Wert an Staatspapieren, die durch die spätere Inflation wertlos wurden.
Verfahren: Es wurde ein Zwangsverwalter eingesetzt. Ohne den Ausgang der Klage abzuwarten, wirtschaftete dieser auf Rechnung des Ansiedlers. In der Regel war der Zwangsverwalter der Nachfolger. Das Inventar und die Wirtschaftsvorräte blieben Eigentum des Ansiedlers. Dem Nachfolger musste alles was zum Schluss noch übrig blieb, zu jedem Preis verkauft werden.
Erst wenn alles geregelt war, erhielt der Ansiedler die Auswanderungspapiere.
Lit.: Gutachten des Ständigen Internationalen Gerichtshofes in Den Haag vom 10.09.1923.
Die Stadt und der Landkreis Graudenz. Aus sieben Jahrhunderten deutscher
Geschichte. Hg. im Auftrage der Heimatkreise Graudenz Stadt und Graudenz Land
von Nordewin von Diest-Koerber, Gerhart Meißner und Hans-Jürgen Schuch.
[Druckort Osnabrück] 1976. (hier vor allem S. 185).
Heimatbuch für den Kreis Neumark in Westpreußen bis 1941 Kreis Löbau [Westpr.] –
(Remscheid)  Selbstverlag Heimatkreis Neumark 1979.    
WAZ 080225 Hk                                                                                                   Jürgen Schultz   (Soest)

Neujahrsmänner - gingen  zu Silvester, auch Neujahrsabend genannt, von Haus zu Haus. Es ging dann der > „Brummtopf“ herum. Die Burschen des Dorfes verkleideten sich als Bär, Ziege, Storch oder Schornsteinfeger. Den > Brummtopf begleiteten ein oder zwei Geigen, eine Ziehharmonika usw. Während der Bär tanzte, der Storch den Frauen ins Bein biss, der Ziegenbock auf Tisch und Bett sprang und der Schornsteinfeger  Ruß und Asche aus Herd und Ofen holte, um Mädchen und Frauen mit Ruß anschwärzte, sang und spielte man zu einem Reim, in dem dem Haus und den Menschen darin viel Glück gewünscht wurde. Die Neujahrsmänner bekamen einen Schnaps, der Anführer bekam ein Geldstück und die Männer zogen weiter.
Persönlicher Bericht  von Günter Jahn aus Damerau/Großes Werder (Bad Pyrmont)
Lit.: Gustav Hoffmann: Westpreußische Heimatsitten und Gebräuche. – Westpreußen-
Jahrbuch (1950), S. 118-121.
Hans Werner: Neu entstandenes Brauchtum im „singenden“ Dorf Vogelsang. – 
Westpreußen-Jahrbuch. 17 (1957), S. 86-89.
WAZ 080226 Hk                                                                                                    Jürgen Schultz  (Soest)

Zuckerrüben - wurden seit 1870 verstärkt zur Zuckergewinnung angebaut. In diese Zeit fiel auch die Gründung zahlreicher Zuckerfabriken. Durch die Züchtung der Rüben auf höheren Zuckergehalt, wurde sie zum Zuckerrohr konkurrenzfähig. Die Fabriken entstanden durch Zusammenschlüsse von fortschrittlichen Landwirten. Die bevorzugten Gesellschaftsformen waren Aktiengesellschaften.
Aktionäre waren vorwiegend rübenanbauende Landwirte. Die erste Fabrik entstand in Westpreußen 1869 bis 1870 in Lissau an der Dirschauer Weichselbrücke im Großen Werder. Diese erste Gründung fiel positiv aus, so dass ein Gründungsboom einsetzte:
1877 in Neuteich im Großen Werder,
1878 in Pelplin und Dirschau,
10. Febr. 1880 in Altfelde, Kr. Marienburg,
25. Febr. 1880 in Praust bei Danzig,
13. April 1880 am Bahnhof Marienburg,
13. Juli 1880 in Tiegenhof im Großen Werder.
Im südlichen Westpreußen waren die Verkehrsverhältnisse noch nicht geregelt. (Straße, Bahn). Deswegen kamen die Zuckerfabriken in diesen Gebieten später:
12. Febr. 1881 in Nakel im Netzegebiet (erste Fabrik im Süden)
26. Febr. 1881 in Kulmsee (damals größte Zuckerfabrik Europas)
21. Dez. 1881 am Bahnhof Schönsee, Kr. Briesen
29. Juni 1883 am Bahnhof Melno, Kr. Graudenz (sie war finanziell nicht abgesichert, so dass 
sie in   wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet),
1883 entstand in Unislaw, Kr. Kulm, eine Fabrik ohne Bahnanbindung. Der Transport erfolgte 
nur  über die Straße, erst 10 Jahre später wurde die Bahn gebaut,
1881 wurde die Fabrik in Schwetz gegründet und 1883 gebaut. Sie machte wegen der hohen
Baukosten in den ersten Jahren Verluste,
1881 gründeten überwiegend polnische Aktionäre die Zuckerfabrik in Mewe-Nichtsfelde. Seit
Beginn lief die Produktion mit Verlusten, aus den roten Zahlen kam sie nie heraus, bis sie
1887 Konkurs anmeldete; vom Hauptgläubiger wurde sie bis 1906 weitergeführt und
anschließend demontiert,
1881 (22. Febr.) lief die Verarbeitung in Sobbowitz schleppend an, erst mit dem Bau der
Bahnverbindung nach Hohenstein konnten genug Rüben herangeschafft werden,
1881 (17. Febr.) wurde in Marnse die Fabrik nicht in die Niederung, sondern auf die Höhe
gebaut; wegen hoher Betriebskosten und weniger Rübenlieferanten fusionierte sie 1898
mit Marienburg,
1883 gingen weitere Fabriken in Produktion: in Riesenburg, Kr. Rosenberg, in Groß-Zünder,
Kr. Danziger Niederung und in Dirschau-Ceres.
Lit.: Gerhard Lippky: Die Geschichte der Rübenzuckerindustrie in Westpreußen. – Münster/Westf. 1980. = Beiträge zur Geschichte Westpreußens. 6, Seiten 85 bis 154.
WAZ 080225  Hk                                                                                               Jürgen Schultz   (Soest)

Notgeld. Anfang des Ersten Weltkrieges 1914 und während des Krieges benötigte man Metalle für den Krieg. Deswegen wurde Hartgeld durch Scheine ersetzt. Da von der Druckerei in Berlin der große Bedarf an Kleingeld nicht befriedigt werden konnte, haben sich die Städte selber geholfen, bis der Reichstag im November 1914 den Druck von Notgeld (Kleingeld) zuließ.
Dieses sollte später in richtiges Geld umgetauscht werden.
Jede Stadt gab also ihr Papiergeld heraus, das auch vom Umland angenommen wurde, weil kein anderes Kleingeld vorhanden war. Ein Tauschhandel war nur im begrenzten Umfang möglich. Die Werte der Scheine  lagen bei 5, 10 und 50 Pfennig. Eine Besonderheit gab es in  Bromberg: die Verwaltung ließ sich 10 Pfennig Zinkmünzen für die Beförderung mit der Straßenbahn herstellen. Diese wurde aber auch, wegen der Kleingeldknappheit, von den Kaufleuten in der Stadt und im Landkreis akzeptiert.
Am 20.10.1918 musste Nachkriegsnotgeld zusätzlich gedruckt werden. Diese Ausgaben hatten auch größere Wertstufen, wie 5, 10 und 20 Mark. In Bromberg erschienen im März 1920 die 10- und 50-Pfennig-Notgeldscheine zweisprachig.
Lit.: Werner Alfert: Westpreußisches Papier-Notgeld 1914-1923. – Westpreußen-Jahrbuch.
24 (1974), S. 75-82.
Aus Brombergs Vergangenheit. Ein Heimatbuch für den Stadt- und Landkreis.
Zusammengestellt von Günther Meinhardt. – Wilhelmshaven: Bidegast Vereinigung
1973. (hier  S. 258-260).
Heimatbuch für den Kreis Neumark in Westpreußen bis 1941 Kreis Löbau [Westpr.] –
(Remscheid)  Selbstverlag Heimatkreis Neumark 1979. (hier S. 110).   
WAZ 080226  Hk                                                                                                  Jürgen Schultz  (Soest)

Zallach - eine Tanzveranstaltung irgendwo im Großen Werder. Sie fand fast alle 14 Tage statt. Dazu wurde eine große Stube, oder die Hakenbude (Ladekopp) genutzt. In den einsamen Hüttengegenden war die Zallach weit verbreitet. Tagsüber wurde gemeinsam gesponnen, abends wurden die Spinnräder beiseite geräumt und es wurde dann getanzt.
Lit.: Hugo Rasmus: Vom Volksliedgut in Westpreußen: eine historische Übersicht. – Münster  
1997. = Quellen und Darstellungen zur Geschichte Westpreußens.29.
WAZ 080225 Hk                                                                                                    Jürgen Schultz  (Soest)